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Der kleine Simon auf der tonnenschweren Dampflok

Tausende Dresdner besuchten am Wochenende das Eisenbahnmuseum.

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© kairospress

Von Simone Burig

Eineinhalb Stunden Warten sind endlich vorbei. Simon Sorsch schnauft erleichtert durch. Endlich ist der Sechsjährige an der Reihe. Gemeinsam mit Papa Uwe klettert er die Stufen hinauf in die Dampflok, die den Namen 528154-8 trägt. Mit viel Hupen und Getöse setzt sich das 136 Tonnen schwere Ungetüm in Bewegung – mit Simon im Führerhaus. Er ist begeistert, die imposante Technik ganz hautnah miterleben zu dürfen.

Egal ob bei einer Mitfahrt auf der Draisine (r.) oder beim Blick von der Nossener Brücke – die Herzen der Eisenbahn- und Dampflok-Fans schlugen am Wochenende im Museum an der Zwickauer Straße höher.Fotos: Roland Halkasch (2)
Egal ob bei einer Mitfahrt auf der Draisine (r.) oder beim Blick von der Nossener Brücke – die Herzen der Eisenbahn- und Dampflok-Fans schlugen am Wochenende im Museum an der Zwickauer Straße höher.Fotos: Roland Halkasch (2) © Roland Halkasch
Egal ob bei einer Mitfahrt auf der Draisine (r.) oder beim Blick von der Nossener Brücke – die Herzen der Eisenbahn- und Dampflok-Fans schlugen am Wochenende im Museum an der Zwickauer Straße höher.Fotos: Roland Halkasch (2)
Egal ob bei einer Mitfahrt auf der Draisine (r.) oder beim Blick von der Nossener Brücke – die Herzen der Eisenbahn- und Dampflok-Fans schlugen am Wochenende im Museum an der Zwickauer Straße höher.Fotos: Roland Halkasch (2) © Roland Halkasch

So wie ihm ging es am Wochenende Hunderten Gästen beim siebenten Dampfloktreffen an der Zwickauer Straße. Sie alle warteten, um einmal im Führerhaus einer Lok mitfahren zu können. Doch das Fest hatte noch viele andere Attraktionen anzubieten, die tausende Besucher anlockten. Tüftler zeigten ihre nachgebauten Loks, Gäste fuhren mit einer Draisine über das Festgelände und nahmen Züge diverser Baureihen und Jahrgänge genauer unter die Lupe.

Einer der vielen Freiwilligen, die ihr Hobby hier der breiten Öffentlichkeit zeigten, war Siegfried Kühne. Er drehte mit einem Mini-Dampftraktor seine Runden über das Gelände. „Solche Gefährte waren vor 100 Jahren vor allem in der Landwirtschaft im Einsatz“, erzählt der 81-Jährige. Sein Nachbau ist zehnmal kleiner als die Originale. Sieben Wochen hatte der Dresdner das ein PS-starke Gefährt am Reisbrett entworfen und schließlich eineinhalb Jahre daran gebaut. „Alle Teile, außer die Reifen, das Kugellager und das Manometer, habe ich selber gebaut. Sogar die Felgen selber gegossen.“ Den Kindern schien es zu gefallen, sie fuhren begeistert mit.

Über viele kleine Gäste freute sich auch Matthias Hoffmann. Er war mit einer selbst gebauten, knapp 230 Kilogramm schweren Feldbahnlok auf dem Fest vertreten. Diese drehte unermüdlich ihre Runden auf der fünf Zoll breiten Spur. Kinder saßen auf den Mini-Anhängern und winkten glücklich in die Kameras der Eltern und Großeltern.

Höhepunkt des Eisenbahnfests waren allerdings die riesigen Loks, die auf den Schiebebühnen und dem Drehscheibenfeld besichtigt werden konnten. Weil das diesjährige Motto „90 Jahre Dampflok-Baureihe 01“ lautete, waren auch zahlreiche Sonderzüge dieser historischen Schnellzug-Dampfloks aus ganz Deutschland angereist. Eine 78 Jahre alte Lok feierte dabei Wiedersehen mit ihrer früheren Heimat: die 01202. Sie war Ende der 1930er-Jahre auf Dresdner Schienen unterwegs. Danach fuhr sie in Süddeutschland ehe sie in die Schweiz verkauft wurde. Die Dresdner nahmen sie herzlich in Empfang und warteten geduldig, um eine Runde mit ihr drehen zu dürfen.

Auf der 528154-8 stehen unterdessen Lokführer Hans-Jürgen Löffler und Heizer Dietmar Brutscheck den Mitfahrern Rede und Antwort. Sie erlauben einen Blick in den 700 Grad heißen Kessel und erklären die Anzeigen. Nach rund 15 Minuten ist die spannende Fahrt schon wieder vorbei. Der sechsjährige Simon steigt glücklich aus der Lok. „Schön war’s“, sagt er, und er weiß, dass er im nächsten Jahr wiederkommen wird.