merken
PLUS

Der kletternde Botschafter

Jens Weinhold liebt seinen Job als Händler. Ihm geht es aber nicht nur darum, seine Kunden für den Bergsport auszustatten.

© Andreas Weihs

Von Mareike Huisinga

Pirna. Dass Jens Weinhold die Popularität der bekannten Lokalpolitiker besitzt, wäre übertrieben. Aber dennoch hing sein Porträt auf zahlreichen großen Plakaten im Pirnaer Stadtgebiet, da er bei der Einzelhandelskampagne „Deine Stadt. Deine Läden. Kauf in Pirna!“ mitmachte.

Anzeige
Wandern mit Kindern: Das muss mit
Wandern mit Kindern: Das muss mit

Bei Ausflügen mit Kindern stehen Erlebnis und Abenteuer im Vordergrund. Das sollte bei der Tourenplanung und beim Packen des Rucksacks bedacht werden.

Mehrere Händler aus der Innenstadt gaben dieser Aktion ein Gesicht. Auf großformatigen Plakaten und in kurzen Filmen warben sie dafür, wie individuell und entspannt man in den kleinen Geschäften in Pirnas Zentrum einkaufen kann. „Ich werde oft darauf angesprochen“, sagt Jens Weinhold, der einen Bergsportladen in der Dohnaischen Straße besitzt. „Die Kampagne ist klug, denn ich sehe die Gefahr, dass der Einzelhandel in den Kleinstädten einbricht“, sagt er und weist auf die Schössergasse hin, in der zahlreiche Läden leer stehen. Stürbe der Einzelhandel, dann würde die gesamte Innenstadt an Wohnwert verlieren.

„Dabei bin ich davon überzeugt, dass die Läden ein positives Image haben, denn in Pirna existiert ein vielfältig spezialisierter Fachhandel in einer wunderschönen Altstadt, wo jeder seine Nische findet.“ Fast klingt es wie eine Liebeserklärung.

Jens Weinhold ist froh, dass er zu diesem bunten Angebot beitragen kann. Dabei geht es ihm nicht nur um den eigenen Umsatz. „Mich macht es glücklich, wenn ich meinen Kunden etwas Gutes tun kann, sodass sie mit dem Gefühl nach draußen gehen, sie haben das Richtige gefunden“, sagt der 50-Jährige. Nämlich dann käme der Kunde auch gerne wieder, nicht nur in seinen Laden, sondern überhaupt nach Pirna. Jens Weinhold überlegt einen Moment und sagt dann: „So wird Pirna als schöner Ort empfunden. Dazu tragen die Einzelhändler aktiv bei und übernehmen quasi auch die Rolle eines Botschafters.“

Das heißt für ihn ganz konkret, dass er eben nicht nur Wanderschuhe, Rucksäcke oder Abfahrtskier verkauft. „Ich suche immer das Gespräch mit dem Kunden, weise darauf hin, dass sich ein Gang um die Marienkirche lohnt und dass man beispielsweise einen fantastischen Blick von den Schlosstreppen hat.“

Ein Händler mit einer Mission. Dabei war zunächst überhaupt nicht klar, dass Jens Weinhold die Karriere des Unternehmers einschlagen würde. Geboren wurde er in Pirna, wo er auch Abitur machte. Da er nicht unbedingt DDR-System-treu war, bekam er nur über Umwege den ersehnten Studienplatz im Bereich Maschinenbau. Zur Wende denkt er noch einmal um und stellt fest, dass sich aus seinem Hobby Klettern doch das bessere Kapital schlagen lässt. Er eröffnet den Bergsportladen Rotpunkt Weinhold in Pirna und studiert parallel dazu Betriebswirtschaftslehre.

Eine richtige Entscheidung, denn die Lust zum Klettern packt ihn bereits mit sieben Jahren, als er mit Vater und Großvater die Bahratalwand erklimmt. Mit 14 Jahren hat er sich schon in über 900 Gipfelbücher eingetragen; heute wandert und klettert Jens Weinhold in ganz Europa.

Was fasziniert ihn so sehr an dieser Sportart? „Die Freiheit, auf dem Gipfel zu stehen und den Erfolg gemeinsam mit Freunden zu genießen“, sagt er spontan. Aber auch eigene Grenzen zu überschreiten, reizt ihn. „Jede Strecke ist anders.“

Sein ganz großes Ziel? Einmal den Frêneypfeiler am Montblanc zu bezwingen, was kein Spaziergang ist: Die drei Frêney-
pfeiler sind markante, parallel stehende Granitpfeiler und bilden die Frêneyflanke an der Südwand des Mont Blanc, der 4 810 Meter hoch ist.

Zurück nach Pirna. In seinem Geschäft arbeiten fünf Angestellte, Erweiterungspläne hat Jens Weinhold derzeit nicht. „Wir versuchen, das Niveau zu halten“, lautet sein Credo. Und das ist hoch, denn nicht nur Ausrüstung bekommt man in dem Fachgeschäft. Außerdem bietet das Team Reparatur- und Serviceleistungen an. „Wanderschuhbesohlungen bekommen wir fast jede Woche rein“, sagt der Unternehmer, der übrigens immer wieder von seinen Kunden gefragt wird, ob er auch eine Kletterschule betreibe. „So kam ich auf den Gedanken, nebenberuflich individuelle Kletterkurse anzubieten.“ Wieder eine Erfolgsgeschichte, denn seine Touren ausschließlich in der Sächsischen Schweiz mit höchstens zwei Teilnehmern sind beliebt.