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Der Krampf ums stille Örtchen

Nach langen Diskussionen wird eine öffentliche Toilette geplant. Allerdings nicht dort, wo der Bedarf groß ist.

Die Toilette am Freitaler Busbahnhof ist nur an fünf Tagen geöffnet. Viele wünschen sich ein Klo mit Öffnungszeiten auch an Wochenenden am Neumarkt. Geplant wird stattdessen erst einmal ein Lokus in Burgk. Er soll um Zuge des Parkplatzbaus an der Burgker
Die Toilette am Freitaler Busbahnhof ist nur an fünf Tagen geöffnet. Viele wünschen sich ein Klo mit Öffnungszeiten auch an Wochenenden am Neumarkt. Geplant wird stattdessen erst einmal ein Lokus in Burgk. Er soll um Zuge des Parkplatzbaus an der Burgker © Karl-Ludwig Oberthür

Die gute Nachricht zuerst: Die Stadt Freital möchte eine öffentliche Toilettenanlage bauen. Die schlechte Nachricht: Das stille Örtchen soll nicht dort stehen, wo es dringend gebraucht und seit Längerem gefordert wird, nämlich in der Stadtmitte am Neumarkt. Vielmehr soll das Klo mit dem Bau eines Parkplatzes an der Burgker Straße errichtet werden. Ein Schildbürgerstreich?

Die Stadt tut sich schwer mit dem Thema. In Freital gibt es zwei öffentliche Toiletten – allerdings mit eingeschränkten Öffnungszeiten. So gibt es ein Klo am Busbahnhof in Deuben, das werktags von 6 bis 18 Uhr zugänglich ist. Es wird im Auftrag der Stadt betrieben und kostet fünfzig Cent Benutzungsgebühr. Eine weitere Toilettenanlage – ebenfalls kostenpflichtig – befindet sich im Hainsberger Bahnhof. Sie ist während der Öffnungszeiten des Fahrkartenschalters der Weißeritztalbahn zugänglich, also an allen sieben Wochentagen, allerdings nur von 8.30 bis 16 Uhr, an Wochenenden nur bis 15 Uhr. Zudem verfügen die Rathäuser in Potschappel und Deuben sowie die Bücherei über Toiletten, die während der Öffnungszeiten den Besuchern zur Verfügung stehen. Auch das neue Bürgerbüro im Bahnhof Potschappel, welches Mitte dieses Jahres eröffnet wird, soll dementsprechend ausgestattet werden. Eine rund um die Uhr zugängliche Toilette in der Stadtmitte gibt es jedoch nicht.

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Sie wurde immer mal wieder gefordert. Zuletzt kam im Stadtrat die Diskussion mit der Umgestaltung des Neumarktes auf. Die uncharmante Asphaltfläche wird derzeit schrittweise in einen Markt- und Veranstaltungsplatz mit Bänken, Grünanlagen, Springbrunnen umgebaut. Auf dem Neumarkt findet jetzt schon vierzehntägig ein Frischemarkt statt, in Zukunft dürften es mehr Veranstaltungen werden. Eine Toilette ist hier aus Sicht vieler Stadträte absolut notwendig. Doch es wurde keine eingeplant. Lediglich wurde eine Fläche freigehalten, auf der zukünftig ein WC entstehen könnte. Nicht mal die Anschlüsse dafür ließ die Stadt bei den gerade erst stattgefundenen Erdarbeiten verlegen.

Stattdessen gab die Verwaltung ein Gutachten in Auftrag, um herauszufinden, ob öffentliche Toiletten überhaupt gebraucht werden und wo. Kostenpunkt: 11 000 Euro. Ziel der Studie solle es sein, mögliche Bedarfe, Bauformen und Standorte für öffentliche Toiletten einschließlich entsprechend dazugehöriger Grobkosten zu ermitteln, heißt es aus dem Rathaus. Zudem soll ein Blick auf mögliche Alternativen und mögliche Formen des Betriebes geworfen werden.

Die Toilette am Parkplatz in Burgk wurde nun ohne das Ergebnis der Studie abzuwarten vorfristig eingeplant. Aus dem Rathaus heißt es dazu, dies sei ein optionaler Standort. Das bedeutet, das Klo kann, muss aber nicht gebaut werden. „Hintergrund ist, dass dafür mit dem Parkplatz – quasi vorsorglich – Fördermittel mit beantragt worden sind. Eine nachträgliche Fördermittelbeantragung wäre nicht möglich gewesen,“, begründet Stadtsprecher Matthias Weigel. Ob die Toilette dann tatsächlich gebaut werde, sei allerdings vom Ergebnis der Studie und den entsprechenden Stadtratsentscheidungen sowie der Mittelbewilligung abhängig.

Die Stadträte sind in Sachen Toilette schon über jeden kleinen Schritt nach vorn froh. „Wir freuen uns, dass überhaupt nachgedacht wird“, sagt Stadtrat Olaf Wasner (Bürger für Freital). Deshalb wolle man den Plan mit der Parkplatz-Toilette keinesfalls zerreden. „Aber an der Forderung, auf dem Neumarkt eine Toilette zu bauen, bleiben wir dran“, sagt Wasner.

Natürlich würden im Stadtzentrum dringend öffentliche Toiletten gebraucht, meint auch Heidrun Weigel. Weigel ist CDU-Stadträtin und Seniorenbeauftragte. Immer wieder wird sie von älteren Freitalern auf die Problematik der fehlenden Klohäuschen angesprochen. Weigel brachte deshalb vor einigen Monaten noch eine andere Idee ins Spiel: Einrichtungen an der Dresdner Straße, wie Bücherei, Geschäfte, Vereine oder Pflegedienste, könnten doch ihre Toiletten für die Öffentlichkeit zugänglich machen. Das Konzept gibt es unter dem Begriff „Nette Toilette“ beispielsweise in der Dresdner Neustadt. Doch die Idee landete in der Schublade. „Außer vom Schumannklub an der Ecke Dresdner Straße/Schachtstraße habe ich keine Reaktionen bekommen“, berichtet Weigel. Genau deshalb wolle sie an der Forderung seitens der Senioren dranbleiben.

Warum sich die Stadt mit dem Bau einer öffentlichen Toilette schwertut, lässt sich an einem Wort festmachen: Vandalismus. Immer wieder argumentierte Oberbürgermeister Uwe Rumberg (CDU) im Stadtrat, ein Klohäuschen würde doch nur verschmutzt und zerstört. „Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns nur ein neues Problem schaffen“, äußerte er in einer Stadtratssitzung.

Frank Gliemann will die Entschuldigung nicht länger hinnehmen. Der Stadtrat der Freien Wähler schlägt daher vor, dass die Stadt eine Toilettenanlage baut und an einen Betreiber verpachtet. „Das könnte wie in Kaufhäusern oder Kurorten laufen“, sagt er. Wenn ein Kloputzer vor Ort das Geld kassiere und die Toilette sauber halte, wären Vandalen außen vor. Aber rund um die Uhr? In Freital? „Das müsste man natürlich über Öffnungszeiten steuern – am Burgker Parkplatz genauso wie eventuell in der Stadtmitte“, sagt Gliemann.

Vielleicht aber löst sich das Problem schon bald von selbst. Freital möchte am Sächsischen Wolf und damit nur einen Steinwurf vom Neumarkt entfernt ein neues Stadtzentrum errichten lassen – mit Läden, Restaurants, Wohnungen, Grünanlagen. Stadtrat Gliemann spricht aus, was viele denken: „Dort gehört wie in einem Einkaufszentrum auf jeden Fall eine öffentliche Toilette hin.“

Sie wollen noch besser informiert sein? Schauen Sie doch mal auf www.sächsische.de/freital vorbei.

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