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Bautzen

Der Kreis hat ein E-Mobilitäts-Konzept

Bis 2030 werden 16 400 E-Autos erwartet. 2018 waren es 150. Manchem Kreisrat geht es dennoch nicht schnell genug.

An der Ladestation hängt alles. Das 120-seitige E-Mobilitätskonzept des Landkreises Bautzen setzt vor allem hier an.
An der Ladestation hängt alles. Das 120-seitige E-Mobilitätskonzept des Landkreises Bautzen setzt vor allem hier an. © dpa

Bautzen. Der Landkreis Bautzen hat im Vergleich zu anderen Regionen in Deutschland keine akuten Probleme hinsichtlich Luftqualität und Emissionsausstoß im Straßenverkehr. Gleichwohl sind alternative Antriebe der Fahrzeuge auch hier gefragt. Das ist eine Kernaussage im „Elektromobilitätskonzept für den Landkreis Bautzen“, das der scheidende Kreistag mit großer Mehrheit abgenickt hat. Nur wenige Räte waren dagegen, und die – wie Sven Scheidemantel (SPD) – auch eher, weil es ihnen insgesamt zu langsam geht.

Landrat Michael Harig aber umrießt die Linie so: „Wir werden weniger der Vorreiter sein, sondern uns eher die Erfahrungen anderer zunutze machen.“ Beigeordnete Birgit Weber sieht das Konzept vor allem als Bestandsanalyse, die eine Grundlage für spätere Förderanträge darstelle, und selbst TU-Verkehrsexperte René Pessier, der das Konzept vorstellte, hielt den Ball eher flach: Es gehe darum, bis 2030 einen umweltfreundlicheren Energiemix auf der Straße hinzubekommen. Mit dem Konzept reagiere der Landkreis richtigerweise auf die Herausforderungen der Mobilitätswende und auf die übergeordneten klimapolitischen Ziele im Land.

365 Tage für Patienten da
365 Tage für Patienten da

Die Dresdner City-Apotheken bieten mehr, als nur Medikamente zu verkaufen. Das hat auch mit besonderen Erfahrungen zu tun. Was, wenn Sonntagmorgen plötzlich der Kopf dröhnt oder die Jüngste Läuse mit nach Hause gebracht hat?

Ein Blick in das etwa 120 (!) Seiten schwere Papier ist dennoch ganz aufschlussreich. Die Wissenschaftler der TU haben die aktuelle Situation der Elektromobilität inklusive der Ladeinfrastruktur im Landkreis (Stand 2018) festgehalten. Sie geben Empfehlungen, wie man gerade auch im ländlichen Raum die Rahmenbedingungen verbessern kann und legen eine detaillierte „Ladeinfrastrukturanalyse“ vor, die von einer „Fuhrparkanalyse für das Landratsamt“ begleitet vor.

Verweis auf Daimler-Investition

Letzteres weist schon mal auf die Verantwortung der öffentlichen Hand beim erhofften Siegeszug des umweltfreundlicheren Antriebs hin. Wenn man schon kein Vorreiter in Deutschland sein möchte, so doch wenigsten ein Vorbild in der Region! Ausdrücklich wurde dabei auch Bezug genommen auf die für den Landkreis Bautzen so wichtige Daimler-Investition bei der Deutschen Accumotive in Kamenz.

Die Studie der Dresdner prognostiziert für 2030 im Mittel etwa 16 400 E-Pkw im Landkreis Bautzen, davon reichlich ein Drittel Plug-in-Hybride. Das würde einem Anteil von etwa zehn Prozent an allen Fahrzeugen entsprechen.

Zum Vergleich: 2018 gab es nicht mal 150 E-Fahrzeuge im Kreis. Inwieweit diese niedrige Zahl auch auf das schwache Ladeinfrastrukturangebot zurückzuführen ist, wird nicht genauer untersucht. 2018 wurden insgesamt etwa 50 Ladevorgänge pro Tag im Kreis ermittelt, was einem Strombedarf von 170 MWh pro Jahr entspricht.

Für 2030 wurden fast 5 900 Ladevorgänge am Tag errechnet – mit einem Gesamtstrombedarf von fast 30 000 MWh pro Jahr. Allein daraus ergibt sich für die nächsten Jahre ein enormer Handlungsdruck.

Die durchschnittliche Entfernung zur nächsten Ladestation betrug 2018 im Landkreis Bautzen rund 7 Kilometer, was über dem bundesweiten Durchschnitt von 6,1 Kilometern liegt.

Verpflichtung für Parkplatzbetreiber

Dafür sei das Privatladen leichter zu organisieren, weil der Anteil von Ein- und Zweifamilienhäusern mit 49 Prozent – typisch im Ländlichen – höher als in Ballungszentren liegt. Insgesamt müsse dem Ausbau der Ladeinfrastruktur größte Aufmerksamkeit gelten, so die Experten. Der Landkreis müsse aktiv beraten, ein eigener Aufladebetrieb sei zu komplex und damit zu aufwendig, heißt es. Also müssten potenzielle Akteure und Investoren unterstützt werden – auch bei der Koordination im „Markthochlauf“, der erwartet wird.

Parkplatzbetreiber sollten verpflichtet werden, eine Mindestanzahl an frei verfügbaren Parkplätzen im öffentlichen Raum zu elektrifizieren, heißt es zum Beispiel. Das Abschleppen von Fahrzeugen, die Ladeplätze blockieren, müsste erlaubt sein – ein „ergänzendes Bußgeld“ von mindestens 50 Euro wird empfohlen.

Dringend verbessert werden müssten auch die Sofortbezahlfunktionen mit Kreditkarte ohne Anmeldung. Das Konzept sieht hohes Potenzial auch beim E-Bus und empfiehlt die Entwicklung eines Kompetenzteams, um mittelfristig eine E-Mobilitätsberatung im Landkreis zu etablieren.

Unter www.landkreis-bautzen.de kann man sich den Elektromobilitätsatlas des Landkreises herunterladen.