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Der Kulturversteher

Eine Krebserkrankung stürzte den einstigen Kulturhausdirektor Gert Knieps in die Krise. Jetzt ist er wieder da.

Von Matthias Weigel

Seine Frau hat ihm abgeraten. Doch Freitals ehemaliger Kulturhausdirektor Gert Knieps konnte einfach nicht Nein sagen. Das Ergebnis wird ab morgen nun öffentlich zu sehen sein. „Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“, heißt das heiter-satirische Stück, das im Dresdner Theaterhaus Rudi Premiere hat. Es spielt die Theatergruppe „Ohne Verfallsdatum“. Knieps schrieb nicht nur das Spielbuch und führte Regie, er spielt sogar mit.

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Schuld daran hat die einstige Freitaler Musikschulleiterin und Sängerin Monika Bethge. Sie hatten sich einst, Ende der 70er, im Varieté-Studio Dresden kennengelernt, waren später jahrelang mit Programmen durch Ferienheime der Region und im Harz unterwegs, und auch nach der Wende befreundet geblieben. Bethge, die von Knieps bei den einstigen Auftritten auch schauspielerisch gefordert wurde, fand Gefallen am Spiel und wirkt bei besagter Seniorenschauspielgruppe mit. Der ging jedoch der Regisseur verloren und man brauchte professionelle Hilfe. „Und da hab’ ich halt Ja gesagt“, erzählt Knieps.

Eine Kessel-Buntes-Parodie

Für ein neues Stück war Knieps gefragt. Ihm kam die Idee, da alle Mitspieler jenseits der 60 sind und damit die DDR und die jetzige Zeit erlebt haben, auf heitere Art und Weise die Erinnerung und das Hier und Heute zu thematisieren. Knieps textete, stellte Szenen aus anderen Theaterstücken neu zusammen, bediente sich – mit Erlaubnis – bei Kollegen wie Wolfgang Schaller von der Herkuleskeule. Herausgekommen ist ein Stück, das in einer Dresdner Stammkneipe spielt, in der die Gäste über Gott und die Welt philosophieren – inklusive Kessel-Buntes-Parodie. Fazit: Heute ist vieles schlecht, das früher auch nicht besser gewesen ist. Oder umgekehrt.

Für Knieps ist das Ganze trotz seiner Erfahrung als Kabarettist, Autor und Conférencier eine Herausforderung. „Da wurde ja bislang ,nur‘ Theater gespielt“, sagt er. Jetzt ist es Kabarett, wo jede Geste, jede Zeile Text bis ins Detail sitzen muss – viel Arbeit für die wöchentlichen und jetzt täglichen Proben und auch Verpflichtung für die Senioren, die ja eigentlich „nur“ ihrem Hobby nachgehen. Und woher Kostüme und Musik nehmen? Da halfen dann Frank und Mark Walther, besser bekannt als Meister Klecks und Spaßimir.

Bei aller Routine, die Knieps hat – ein wenig Aufregung kann er nicht abstreiten. „Ich kann ja nur alles so gut wie möglich vorbereiten. Dass es dann auch funktioniert, kann man hoffen und proben, aber nie garantieren“, sagt er. Bereut hat er das Engagement aber nicht. „Es ist anstrengend, aber sehr bereichernd“, sagt er. Es sei schön, dass er Menschen, die spielen und anderen was geben wollen, helfen könne. Dass Knieps heute wieder euphorisch von seinen Projekten erzählt, ist nicht selbstverständlich. Als er Ende Dezember 2011, nach 20 Jahren im Dienst, den Chefsessel im Freitaler Kulturhaus räumte, hatte das nicht nur mit den inhaltlichen Differenzen zum Kulturverein, seinem Arbeitgeber und zugleich Betreiber des Hauses, zu tun. Eine schwere Krankheit kündigte sich schon länger an. Und es kam am Ende schlimmer als vermutet: Krebs, bösartig. „Das volle Programm mit Chemotherapie und Operation“, erzählt Knieps.

Bis September 2012 spielte sich der verdiente Ruhestand, der keiner werden sollte, vor allem in den Wartezimmern von Ärzten ab. Es ist eine schwere Zeit für ihn. „Ich war nicht so sehr physisch, sondern eher psychisch beeinträchtigt“, sagt Knieps. Dass es das Ende sein könnte, war selbst für ihn als lebensfrohen, optimistischen Typen ein schwerer Schlag. Zwar machte er noch hier und da Kulturprogramme für Senioren, in Heidenau und Pirna oder für Freitaler Unternehmen. Später aber zog sich Knieps notgedrungen aus dem öffentlichen Leben zurück, fand Rückhalt bei seiner Frau und der Familie.

Erst bei der OP konnte schließlich der bösartige Tumor entfernt werden. Es hätte auch anders ausgehen können, ist sich Knieps bewusst. Neun Monate „zu Hause rumliegen“, wie Knieps es sagt, sollten es dann noch bis zur Genesung sein. So weit man das feststellen kann, ist Knieps heute wieder vollkommen geheilt. Mit neuem Lebensmut blieben die Gedanken nicht lange aus, was er denn tun könne. Kontakte wurden schnell geknüpft – oder besser: die vielen Bekanntschaften bis in höchste Kulturkreise wieder aktiviert. Der Kalender ist gut gefüllt. Die große Bühne ist es zwar nicht mehr für den 65-Jährigen. Die organisiert er heute für andere oder schafft sich selbst die Highlights mit kleineren Sachen. So hat er eine Kulturagentur gegründet – vermittelt Künstler, bietet aber auch eigene Programme, die er moderiert, gestaltet und künstlerisch bestückt. Fürs Windbergfest organisiert Knieps zum Beispiel wieder ein Kulturprogramm, für Schloss Burgk die Weihnachtsausgabe von Musecco. Für den Ex-Freitaler Dieter Förster, den einige aus seiner Spielbühne-Zeit kennen dürften, macht er Management und Kulturveranstaltungen. Im Saal von Försters Gaststätte „Immergrün“ in Dresden-Cotta steigt so eine regelmäßige Sonntagsreihe mit Knieps als Conférencier, Musikern der Staatsoperette oder Oper, Parodisten, wie dem Ex-Stahlspritzer Frieder aus dem Duo Gunther & Frieder, oder großen Namen wie Peter Bause oder Otto Mellies. Die Kontakte von einst, sie funktionieren vorzüglich.

Im Kulturhaus ist Knieps übrigens nach wie vor – als Gast. „Was da hinter den Kulissen läuft und was nicht, will ich nicht mehr kommentieren. Ich freue mich aber, wenn bewährte Sachen aus meiner Zeit noch immer vor den Kulissen laufen“, sagt er. Sonst sei das Ganze für ihn abgeschlossen.

Kann es auch, wie sein heute ausgefülltes Kulturleben zeigt. Und es überrascht nicht, dass es nicht dabei bleiben soll. Knieps schmiedet viele Pläne – eine kleine Show mit Vera Münzberger zum Beispiel hat er parat, ein heiter-musikalisches Programm mit Pianist Horst Bischoff oder Erlebnisberichte von seinen Begegnungen mit Wolfgang Stumph, Ursula Karusseit, Rolf Hoppe u. v. a., mit denen er schon auf der Bühne stand. Solange er kann, will Knieps sich treu bleiben, sich immer wieder was Neues einfallen lassen, sich und die Programme weiterentwickeln, um das Publikum zu unterhalten. Es mag abgedroschen klingen, doch wenn Knieps im Mai seinen 66. Geburtstag feiert, fällt einem unwillkürlich der passende Schlager von Udo Jürgens ein. Und nach seiner Krankheit weiß es Gert Knieps besonders zu schätzen, dass dann, wie es in dem Lied heißt „noch lange nicht Schluss“ ist.

„Wenn Mutti früh zur Arbeit geht“ am Theaterhaus Rudi, Fechnerstraße 2a, Dresden: 9. Mai, 20 Uhr; weitere Termine geplant. Karten: 0351 8491925

www.gert-knieps.de

www.ohne-verfallsdatum.de