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PLUS Meißen

„Der Kummer ist zu groß geworden“

Der Chef der Bürger für Meißen Walter Hannot ist aus der CDU ausgetreten. Das Links-rechts-Schema hält er für überholt.

Man sieht es deutlich: Eine Wahl steht vor der Tür. Der Meißner Chef der Bürgerinitiative hat eine eigene Meinung zu deren Ausgang.
Man sieht es deutlich: Eine Wahl steht vor der Tür. Der Meißner Chef der Bürgerinitiative hat eine eigene Meinung zu deren Ausgang. ©  Claudia Hübschmann

Meißen. Der Mann ist ein Spalter. Das sagen die, die ihn nicht mögen. Er bringt endlich die Dinge auf den Punkt. Das sagen die anderen. Immerhin ist Walter Hannot, aufgewachsen bei Aachen und promovierter Historiker, als Chef der Bürgerinitiative Bürger für Meißen mit 623 Stimmen in den Stadtrat gewählt worden. Das drittbeste Ergebnis seiner Liste.

Die Bürger für Meißen gehen auf den Oberbürgermeister zu und unterstützen ihn bei den Bemühungen, Dresden bei der Kulturhauptstadt-Bewerbung zu helfen. Sind das jetzt neue Töne?

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Wir haben immer gesagt, dass wir den OB bei allen Themen unterstützen, die gemeinsame Themen von ihm und der Bürgerinitiative sind. Ob die Bemühungen dann von ihm oder der Bürgerinitiative ausgehen, ist doch sekundär. Hauptsache, es kommt für Meißen etwas Positives raus.

Wie tief sind die Gräben noch, die im Bürgermeisterwahlkampf voriges Jahr entstanden sind?

Das müssen Sie diejenigen fragen, die heute immer wieder von diesen Gräben sprechen. Meißen war viel zu lange einen unfruchtbaren Dauerkonsens gewöhnt, bei dem der OB Olaf Raschke einfach bestimmte, wo es lang geht und viel Notwendiges nicht offen ausgesprochen wurde. Das ist mit der Bürgerinitiative anders geworden. Doch das ist aber lange kein Grund, darin ständig Gräben im politischen Handeln zu sehen.

Walter Hannot (58) ist langjähriger Chef der Dresdner Werbeagentur Heimrich+Hannot. Seit neun Jahren lebt er in Meißen und mischt sich in die Politik ein. 
Walter Hannot (58) ist langjähriger Chef der Dresdner Werbeagentur Heimrich+Hannot. Seit neun Jahren lebt er in Meißen und mischt sich in die Politik ein.  ©  Claudia Hübschmann

Sie sind aus der CDU ausgetreten? Warum?

Ich bin und bleibe ein christlich geprägter Mensch und Demokrat in einem sehr grundsätzlichen Verständnis. Deshalb bin ich seit 40 Jahren CDU-Mitglied. Obrigkeitliche Haltungen, selbstgefällige Amtsträger, politische Wichtigtuer, die sich auch nach 30 Jahren in Amt und Mandat und im Rentenalter für unabkömmlich halten, sind mir ein Graus.

Derzeit fehlt der CDU in Sachsen vor allem in der Fläche und das speziell auch im Landkreis Meißen der notwendige Generationenwechsel auf allen Ebenen, um die drängendsten Zukunftsprobleme zu lösen. Daher habe ich mich kommunalpolitisch an anderer Stelle als der CDU Meißen engagiert.

Wie schwer ist Ihnen der Austritt gefallen?

Aus der CDU auszutreten, war grundsätzlich nicht meine Absicht, insofern bedauere ich den Schritt. Mit Blick auf die CDU Meißen war das aber notwendig angesichts so mancher Haltungen und Äußerungen und eines Dauerschweigens seitens des Vorstands. Der Kummer ist zu groß geworden. Der Kreisgeschäftsführer hat mir den Austritt schriftlich mit den Worten bestätigt: „Und selbstverständlich können Sie jederzeit erneut Mitglied in unserem CDU-Kreisverband werden“.

Wie ist ihr Verhältnis jetzt zur neuen CDU-Fraktion im Stadtrat, zu den neuen Leuten in der Partei?

Die Schulleiterin Heike Zimmer ist eine durchsetzungsstarke Frau. Ich finde sie klasse. Mit Uwe Reichel, dem einzigen noch verbliebenen Stadtratsmitglied mit CDU-Parteibuch arbeite ich bei Literatur- und Chorfest gut zusammen. Auf der Sachebene teilt die Bürgerinitiative einige wichtige Themen mit der CDU. Das sollte entscheidend sein für die Zusammenarbeit.

© SZ-Grafik: Romy Thiel

Wo sehen Sie die Bürger für Meißen innerhalb des Stadtrates? Werden Sie eine gemeinsame Fraktion mit den Linken und der SPD bilden? Oder orientieren Sie sich wieder in Richtung bürgerliches Lager, bei dem Sie aber auch auf Ablehnung treffen könnten?

Das Links-Rechts-Schema in der Politik wird immer mehr zum überholten Erklärmuster. Die „Bürger für Meißen - Meißen kann mehr“ sind mit neun Mitgliedern im neuen Stadtrat vertreten, die allerdings auf verschiedenen Gruppen- und Parteilisten gewählt wurden. Es gibt eine Reihe von Themen, bei denen wir uns einig sind: Planmäßige Stadtentwicklung statt Hauruck- und Einzelmaßnahmen, Schul- und Kita-Bau vor Straßenbau, Minimalausbau Plossen, Bekämpfung von Filz und Korruption, Transparenz und mehr Bürgerbeteiligung.

Es gibt aber auch Unterschiede. Die Bürgerinitiative gehört zum bürgerlichen Lager. Wenn andere Gruppen speziell aus dem bürgerlichen Lager die Zusammenarbeit mit uns verweigern, so liegt das wahrscheinlich eher an unseren Themen als am Links-Rechts-Schema.

Wie verstehen Sie sich jetzt mit Frank Richter, ihrem ehemaligen Bürgermeisterkandidaten?

Frank Richter ist weiterhin BI-Mitglied. Persönlich haben wir ein gutes, offenes Verhältnis. Seinen weiteren politischen Weg geht Frank Richter mit der SPD, sicherlich auch begleitet von manchen BI-Mitgliedern. Die BI als solche wird sich aber nicht auf anderen Ebenen als der kommunalen politisch engagieren.

Wie wird die Landtagswahl in Sachsen am 1. September ausgehen?

Den Ausgang der Wahl kann niemand seriös prognostizieren. Ich halte aus heutiger Sicht dieses Ergebnisszenario für möglich und wünschenswert: Michael Kretschmer bleibt Ministerpräsident. Die CDU fährt aber deutliche Verluste ein, in deren Folge sie die Chance hat, sich programmatisch wie personell deutlich zu erneuern und zu verjüngen.

Am Ende steht dann hoffentlich eine Koalition mit SPD und Grünen, sofern Letztere in der Lage sind, eine konstruktivere Haltung einzunehmen als nach den letzten Landtagswahlen.

Es fragte Ulf Mallek.

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