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Der Kunde hat die Wahl

Die Verkaufsfläche ist riesig und die Kaufkraft stimmt. Eigentlich müsste der Handel in der Region boomen.

© Matthias Schumann

Von Nicole Preuß

Die Kunden in der Region haben so viel Geld in der Tasche wie lange nicht mehr. Doch beim Handel in der Region kommt davon offenbar wenig an. Immer mehr Läden schließen und immer mehr leere Schaufenster verunstalten die Innenstädte. Die Industrie- und Handelskammer Dresden (IHK) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit eben solchen Zahlen. Die Kammer erhebt alle fünf Jahre aufwendig Verkaufsflächen und Kaufkraft von Städten in Sachsen und veröffentlicht sie in ihrem Handelsatlas. Die SZ hat sich mit den aktuellen Zahlen der Städte Kamenz, Königsbrück, Pulsnitz und Großröhrsdorf beschäftigt und zum Teil überraschende Tendenzen entdeckt.

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Tendenz 1: Die Verkaufsfläche nimmt in der Region stetig ab

2006 war ein gutes Jahr für den Handel. In den Städten der Region wurden fast 100 000 Quadratmeter Verkaufsfläche gemessen. Doch seitdem geht es stetig bergab. Kamenz hat 20 Prozent der Verkaufsfläche eingebüßt. Königsbrück musste schon vorher mit großen Rückgängen leben lernen. Edeka, ein Bekleidungsgeschäft und ein Küchenstudio machten direkt am Markt zu. Die Stadt versuchte das Beste daraus zu machen und verwandelte einen Teil der Räume zur Touristeninformation. Doch der Rückgang der Verkaufsfläche blieb. Großröhrsdorf und Pulsnitz hatten 2010 ein besseres Jahr. Doch auch in diesen beiden Städten sinkt die Verkaufsfläche nun wieder. Selbst im Lebensmittelbereich, der momentan noch der ausbaufähigste ist, ist der Höhepunkt erreicht. Trotzdem stehen die Städte der Region im Pro-Kopf-Vergleich der Verkaufsfläche noch relativ gut da. Kamenzer haben statistisch gesehen sogar die größte Verkaufsfläche pro Person, nämlich 2,91 Quadratmeter. Dresden hat 1,71 Quadratmeter.

Tendenz 2: Kleine Läden sterben, große erweitern sich

Die Tendenz ist nicht neu. Kunden können sie schon seit Jahren in den Innenstädten beobachten. Der Leerstand wächst. Und große Supermärkte kommen dazu. Das könnte an der scharfen Konkurrenz liegen. Große Läden und Filialisten überstehen Preiskämpfe meist, weil sie das nötige Kleingeld in der Hinterhand haben und an anderer Stelle sparen können. Die kleinen Händler geben oft auf. Beispielhaft ist das an den Zahlen zum Lebensmittelhandel in den Städten der Region zu sehen. So verschwanden in Kamenz allein in den vergangenen fünf Jahren 16 kleine Lebensmittelläden. Dafür kam ein mittelgroßer Fachmarkt dazu. Die kleinen Lebensmittelgeschäfte, Bäcker und Fleischer eingeschlossen, füllen in den Städten der Region nur noch sechs bis 14 Prozent der Gesamt-Einkaufsfläche für Lebensmittel.

Tendenz 3: Leute haben heute mehr Geld im Portemonnaie

Die Zahlen zeigen es. Die Leute haben heute mehr Geld zum Einkaufen als noch vor fünf Jahren. 5405 Euro können die Kamenzer im Jahr durchschnittlich ausgeben. 5711 Euro sogar die Spitzenreiter in Pulsnitz. Das müsste den Händlern eigentlich zugutekommen. Denn so bleibt die Kaufkraft insgesamt auf einem relativ stabilen Niveau, obwohl immer weniger Menschen in der Region leben. Lars Fiehler, Geschäftsführer für Standortpolitik und Kommunikation bei der IHK, dämpft allerdings allzu hohe Erwartungen. Denn bei all den Zahlen muss die schleichende Inflation beachtet werden. Damit fallen die Sprünge kleiner aus. Die Kamenzer haben so zum Beispiel nicht 16 Prozent mehr Geld, sondern nur sieben Prozent.

Tendenz 4: Pulsnitz hat die reicheren, Kamenz die ärmeren Kunden

Die Pulsnitzer können im Schnitt 300 Euro mehr im Jahr für Lebensmittel, Kleidung und anderes ausgeben als die Kamenzer. Die Königsbrücker und die Großröhrsdorfer haben nur ein bisschen weniger in der Tasche als die Pulsnitzer. Ist Kamenz also der Ort mit den ärmsten Kunden in der Region? Das muss man relativ sehen. Denn natürlich hat die IHK nur einen durchschnittlichen Wert gebildet. Dazu kommt, dass in Kamenz inzwischen rund 680 Asylbewerber leben. Ihr Geld zählt ebenfalls in die Berechnung und dürfte das Ergebnis drücken. Tatsache bleibt aber, dass Kamenz auch im landesweiten Vergleich einen der hinteren Plätze belegt. Der Durchschnitt in Sachsen liegt bei 5676 Euro.