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Der Lack ist ab

Das Blaue Wunder ist verrostet. Die Reparatur kostet über eine halbe Million Euro. Wie will die Stadt das bezahlen?

Von Romy Kühr

Der blaue Bogen spannt sich durch die Landschaft und ist ein unverkennbares Markenzeichen der Oberlandstadt. Er hat der Brücke, die in Ebersbach über die Bahnstrecke verläuft und die Spreedorfer mit der Bahnhofstraße verbindet, ihren Namen gegeben: das Blaue Wunder. Von Weitem sieht es auch noch strahlend blau aus. Aus der Nähe betrachtet aber wird klar: Der Lack ist – sprichwörtlich – ab. An einigen Stellen bröckelt die Farbe, Rost kommt darunter zum Vorschein. Genau diese Tatsache erhitzte jetzt die Gemüter im Stadtrat. Denn das Bauwerk ist erst nach der Wende neu errichtet worden. Nun ist es bereits so kaputt, dass die Stadt eine Menge Geld investieren muss, damit die Brücke noch lange hält.

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Bei genauerem Hinsehen fallen schon erste Roststellen auf.
Bei genauerem Hinsehen fallen schon erste Roststellen auf.

Was ist los mit dem

Blauen Wunder?

Die Brücke hat Schäden und muss instand gesetzt werden. Das brachte die letzte Hauptprüfung zutage, die regelmäßig an Brückenbauten durchgeführt werden muss. Die Stahlkonstruktion rostet, offensichtlich wurde beim Korrosionsschutz nicht gewissenhaft genug gearbeitet, so Bernd Noack, Beigeordneter der Stadtverwaltung in Ebersbach-Neugersdorf. Gefährlich sei es nicht, die Brücke zu benutzen, sie hält noch und muss auch nicht gesperrt werden, betont Noack. Trotzdem muss dringend nachgebessert werden, bevor die Schäden sich noch verschlimmern.

Wie konnte das trotz regelmäßiger Prüfungen passieren?

Vielen Stadträten ist unerklärlich, dass die Schäden nicht früher aufgefallen sind und schon eher nachgearbeitet wurde. Sie sollten jetzt über Geld für die Instandsetzung entscheiden. „Jedes Auto muss aller zwei Jahre zum Tüv. Aber bei so einem wichtigen Bauwerk wird offensichtlich schlampig geprüft“, sagt Hans-Peter Ebert (FDP). Er ist, wie viele andere, der Meinung: Hätte die Stadt früher gehandelt, wäre der Schaden nicht so groß und die Reparatur folglich billiger. Bislang habe das Geld nicht für die Werterhaltungen ausgereicht, sagt Bernd Noack von der Stadt. Brücken seien da immer schon ein großes Problem, weil die Unterhaltung aufwendig und teuer ist. Beim Blauen Wunder kommt noch hinzu, so Noack, dass bei Arbeiten am Bauwerk immer die Deutsche Bahn um Erlaubnis gefragt werden muss, weil die Brücke über die Bahnstrecke Zittau–Dresden führt. Oftmals seien sogar Streckensperrungen auf den Gleisen nötig, wenn an der Brücke gearbeitet wird.

Kann die Stadt noch Schadensersatz von der Baufirma fordern?

Nein, laut Bernd Noack bestehen keine Ansprüche mehr gegenüber dem Baubetrieb oder dem Planungsbüro von damals. Gebaut wurde die Brücke erst 1997 – ebenfalls ein Fakt, der viele Ratsmitglieder auf die Palme bringt. Nach nur 17 Jahren muss das Bauwerk schon wieder instand gesetzt werden. Fünf Jahre gab es damals Gewährleistung. Nach dieser Frist wurde ein Abschlussbericht erstellt. Infolge dessen ist bereits 2003 schon einmal nachgearbeitet worden, weil der Korrosionsschutz mangelhaft war. „Die Brücke wurde sandgestrahlt und überstrichen“, berichtet Bernd Noack. Halten sollte der Schutz laut Baufirma nun 40 Jahre. Trotzdem gibt es jetzt schon wieder Schäden – für die nun niemand mehr haftet.

Was kostet jetzt

die Reparatur?

Das Ingenieurbüro, das die Brücke geprüft und die Rostschäden festgestellt hat, schätzt die Reparaturkosten auf 600 000 Euro. Der komplette Korrosionsschutz muss erneuert werden. Der Planer sehe sich allerdings zurzeit außerstande, eine genauere Zahl zu nennen, berichtet Bernd Noack. Dazu müssten noch detaillierte Untersuchungen durchgeführt werden. „Dann werden wir Aufschluss über die genauen Kosten haben“, so der Stadt-Beigeordnete.

Wie geht es nun weiter

mit dem Bauwerk?

Soll das Blaue Wunder dauerhaft in Betrieb bleiben, kommt die Stadt um die teure Reparatur nicht herum. Jetzt hat sie allerdings die Chance auf Fördermittel. 425  000 Euro stehen als Zuschuss in Aussicht. Die Stadt müsste dann noch 175 000 als Eigenanteil aufbringen. Der Stadtrat hat mehrheitlich zugestimmt, das Geld für die Reparatur der Brücke bereitzustellen. Dennoch überwiegt unter den Bürgervertretern die Kritik daran, dass es überhaupt so weit gekommen ist und man nicht früher genauer hingesehen hat. Die Bürgervertreter sind sich aber einig, dass sie die Chance auf den Zuschuss jetzt nutzen wollen. Die Stadt wird jetzt die Fördermittel für den neuen Korrosionsschutz beantragen. 2014 sollen die Arbeiten geplant und nächstes Jahr ausgeführt werden.