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Der Landkreis ist in Sachsen die zweitärmste Region

Sachsenweit liegt der Kreis Meißen an der Spitze der armen Regionen. Mit 20,1 Prozent Armutsquote wird er nur vom Leipziger Raum mit 21,9 Prozent übertroffen. Das sind die Ergebnisse der jüngsten Forschung des Paritätischen Gesamtverbandes.

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Von U. Körber & S. Rahrisch

Sachsenweit liegt der Kreis Meißen an der Spitze der armen Regionen. Mit 20,1 Prozent Armutsquote wird er nur vom Leipziger Raum mit 21,9 Prozent übertroffen. Das sind die Ergebnisse der jüngsten Forschung des Paritätischen Gesamtverbandes. Übersetzt bedeuten die Zahlen, dass jeder Fünfte im Elbland an oder unterhalb der Armutsgrenze lebt (siehe Kasten).

Tendenz steigend. Denn laut Landratsamt wächst allein schon die Zahl derer, die finanzielle Hilfe vom Staat brauchen, weil ihr Lohn zum Leben nicht reicht. Zählte man im Altkreis Meißen im Januar 2008 durchschnittlich 3546 Personen, waren es Ende 2008 185 mehr. Ähnlich sieht es im Altkreis Riesa-Großenhain aus. Im Dezember 2007 wurden 4753 Bedarfsgemeinschaften erfasst, die zu ihrem Einkommen Hilfen brauchen, Dezember 2008 waren es bereits 4801. Insgesamt gibt es im Großkreis 16511 Alleinlebende oder Familien, die zusätzlich Geld zum Leben bekommen ( Mittelwert 2008).

Viermal mehr Tafelkunden

Diesen Trend bekommen besonders die Wohlfahrtseinrichtungen zu spüren. Bei der Riesaer Tafel bemerkt man einen sprunghaften Anstieg der Kunden in diesem Jahr. Bis zu 165 Menschen fragen pro Ausgabetag nach Lebensmitteln. Das sind 30 mehr als gewohnt. Die Kunden kommen aus Strehla, Hirschstein, Riesa, Nünchritz. Nicht anders ist es in Großenhain. Dort sind rund 500 Menschen auf die Tafel der Diakonie angewiesen. In den vergangenen vier Jahren habe sich die Zahl verdoppelt, sagt Bernd Franke, der die Sozialprojekte betreut. „Bei den Kunden handelt es sich nicht etwa um Menschen, die sparen wollen und deshalb billiges Essen einkaufen.“ Jeder, der gespendete Lebensmittel bezieht, müsse nachweisen, dass er Arbeitslosengeld II empfängt.

In Hochzeiten braucht die Diakonie rund 2,5 Tonnen Lebensmittel pro Woche, die sie in Pulsen, Großenhain und Radeburg ausgibt. Eine ähnlich dramatische Entwicklung beobachtet Gerald Dueck von der Meißner Heilsarmee. Dort ist man in diesem Jahr in ein größeres Domizil mit der Kleiderkammer umgezogen.

Bis 60 Bedürftige am Tag

Von 400 auf 700 Quadratmeter vergrößerte sich der Laden, in dem Jeans für einen Euro und Schlafsofas für 20 Euro ausgegeben werden. Als das Geschäft neu aufgemacht hatte, stürmten 100Menschen die Auslagen. Durchschnittlich kommen pro Tag 50 bis 60 Bedürftige, um preiswerte Bekleidung oder Haushaltswaren zu bekommen. 2002, als die Heilsarmee erstmals ihr Angebot unterbreitete, zählte man nur die Hälfte. In der Riesaer Möbelbörse sind es täglich rund 15 Menschen, die sich mit ein paar Euro in der Tasche einrichten müssen. Wenn es Geld gibt am Monatsanfang sind es 20, so Börsenchef Steffen Hentschel.