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Der lange Weg zum neuen Stadion

Vom Sportplatz ist noch nichts zu sehen. Aber Ende 2014 soll im Spreetal der Ball wieder rollen – nach mehr als vier Jahren.

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Von Madeleine Siegl-Mickisch

Bauzäune, Sand- und Erdhaufen, ein paar Rohre, dazwischen eine Straße und dahinter die Fläche, auf der einst Fußball gespielt wurde. Doch der Sportplatz ist längst zugewachsen, die Natur hat sich die Fläche weitgehend zurückgeholt. Der Ausblick vom Balkon der Großpostwitzer Begegnungsstätte im Spreetal wirkt derzeit ziemlich trist. Und doch ist diese Ansicht ein Lichtblick – dass sich hier nach jahrelangem Stillstand endlich etwas tut.

Im August 2010 wurde das Großpostwitzer Spreetalstadion zum wiederholten Mal überschwemmt, allerdings in einem noch nie dagewesenen Ausmaß. So stand ziemlich schnell fest, dass es nicht an derselben Stelle wiederaufgebaut werden soll. Doch der Plan, einige Meter weiter weg von der Spree ein neues Stadion zu bauen, gestaltete sich viel schwieriger als anfangs angenommen. Um die Genehmigung für den Bau zu bekommen, musste die Gemeinde unter anderem sehr aufwendig berechnen lassen, wie sich die Spree bei Hochwasser ausbreitet und wie sich der Neubau darauf auswirken wird. So passierte vor Ort drei Jahre lang nichts. Und die Ungeduld beim Sportverein Großpostwitz-Kirschau, der seitdem improvisieren muss, wuchs.

Doch nachdem voriges Jahr im September das alte Sportlerheim abgerissen worden war, rückten Ende November endlich Baufahrzeuge an. In kurzer Zeit wurde der ehemalige Festplatz umgekrempelt, Mutterboden weggeschoben und die Baugrube fürs neue Sportlerheim ausgehoben. Dafür verschwanden einige Bäume und auch ein Parkplatz, stattdessen kam die alte Klärgrube des benachbarten Kinderhauses zum Vorschein, die nun entsorgt werden muss. Aber nach wenigen Wochen emsigen Treibens herrscht seit Mitte Dezember auf der Baustelle schon wieder Ruhe – Winterruhe. Auch wenn der Winter bisher kaum in Erscheinung getreten ist, wurde entschieden, je nach Wetterlage erst im März oder April weiterzumachen, sagt Peter Janda vom Bauamt der Gemeindeverwaltung. Man müsse ja immer damit rechnen, dass es doch noch Winter wird.

Rudolf Pollack wäre es lieber, wenn angesichts der milden Temperaturen weitergebaut werden würde. „Uns ist jeder Monat lieb, den das Stadion eher fertig wird“, sagt das Vorstandsmitglied vom Sportverein. Die neue Spielstätte wird händeringend herbeigesehnt, denn die Fußballer aller Altersklassen können nur in Kirschau und Schirgiswalde trainieren, wo die Plätze angesichts der Mehrbelastung leiden. Zwischenzeitlich hat mancher im Verein schon daran gezweifelt, ob es mit dem Neubau noch etwas wird. „Aber als es losging, war mancher jeden Tag an der Baustelle gucken und fotografieren“, weiß Pollack.

Wie sich der Anblick verändert und das Stadion wächst, will auch Peter Janda regelmäßig dokumentieren. Immerhin ist es eine der größten Investitionen, die Großpostwitz in Angriff nimmt. 1,8 Millionen Euro sind veranschlagt, 90 Prozent kommen aus dem Hochwasser-Fördertopf. Dafür entstehen ein Rasenplatz samt Tribünen für die Zuschauer sowie ein Sportlerheim mit Duschen und Umkleideräumen im Erd- und einem Vereinsraum im Obergeschoss.

Auch darauf wartet der Sportverein dringend, hat er doch derzeit nicht einmal für Zusammenkünfte eine richtige Bleibe. Aber er blickt wieder nach vorn. So steht laut Pollack bereits fest, dass die neue Spielstätte Ontex-Stadion heißen wird. Der in Großpostwitz ansässige Hygieneartikelhersteller ist seit den 1990er-Jahren, als Rudolf Pollack dort selbst Geschäftsführer war, Hauptsponsor des Vereins. Dessen Fußballer machen derzeit auch sportlich von sich reden, so hat die erste Männermannschaft gerade den SZ-Pokal gewonnen und beim Landskron-Cup den zweiten Platz belegt. „Und in der Kreisoberliga stehen sie derzeit auf Platz 1“, freut sich Pollack. So könnte es weitergehen – ab Ende des Jahres auf heimischem Rasen.