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Der Lebensretter

Carsten Weber wird für seinen mutigen Einsatz ausgezeichnet. Er hat zwei ältere Leute aus einem brennenden Haus geholt.

Von Sylvia Mende

Klaus Jagemann (74) und seine Schwester Christa denken noch oft an den 22.     Juli zurück. An diesem Tag hat es in der unteren Etage des Hauses Nummer 2 in Großsteinbach gebrannt. Doch davon bemerkten die beiden älteren Leute nichts, da Klaus Jagemann im oberen Stock des zweigeschossigen Hauses lebt. Er möchte gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn der siebenjährige Toni Woydschiske nicht auf den Hof von Carsten Weber gerannt wäre und gerufen hätte, dass es aus den unteren Fenstern des Nachbarhauses qualmt. Das war gegen 19.30 Uhr.

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Carsten Weber lief sofort los, so wie er war oberkörperfrei. Als er die Qualmwolken sah, war ihm sofort bewusst, dass sich der 74-jährige Klaus Jagemann in Lebensgefahr befand. Die Bewohnerin der unteren Etage, in deren Wohnung es brannte, war zu diesem Zeitpunkt für längere Zeit aus dem Haus. Da die Haustür verschlossen war, klingelte er Sturm. „Notfalls hätte ich die Tür eintreten müssen. Doch ich versuchte es erst einmal so“, erzählt Carsten Weber. Die Schwester von Klaus Jagemann, die zu Besuch war, hörte das Klingeln und folgte mit ihrem Bruder der Aufforderung, das Haus zu verlassen.

Nachdem die beiden älteren Leute in Sicherheit waren, erkundigte sich Carsten Weber, wo sich der Feuerlöscher befindet. Er eilte in den Keller. Vor der Wohnungstür in der unteren Etage machte er kurz Halt. „Ich hörte schon das Wummern des Feuers“, so Carsten Weber. In der Zwischenzeit hatte er von seiner Mutter den Schlüssel der Wohnung bekommen, da sie ab und zu nach dem Rechten sah. „Die Tür habe ich vorsichtig geöffnet. Die Flammen waren etwa einen Meter hoch. An der Decke hatte sich der Rauch gesammelt“, erzählt Carsten Weber. Zum Nachdenken sei er nicht gekommen. Er habe automatisch den Feuerlöscher bedient. Als er keine Luft mehr bekam, verließ er die Wohnung.

Leute aus dem Oberdorf seien vorbeigekommen, die hätten ein Handy dabei gehabt, um die Feuerwehr zu alarmieren. Kurze Zeit später ging Carsten Weber noch einmal in die Wohnung, um das Feuer, das wieder entflammt war, zu löschen. „Später hielt ich den Dicherungssplint des Feuerlöschers in der Hand und wollte ihn anstatt des Schlüssels meiner Mutter zurückgeben“, so der Großsteinbacher.

Dem Tierpfleger ist der Rummel, der jetzt um ihn gemacht wird, überhaupt nicht wichtig, eher etwas unangenehm. „Ich hätte jedem anderen geholfen. Es geht ums Prinzip“, meint der 44-Jährige. Ein bisschen stolz ist er aber schon, dass er am Dienstag von Bürgermeister Gunter Weber zum Gemeinderat das Lebensrettungsehrenzeichen bekommt.

Gemeindewehrleiter Stephan Vogel erinnert sich noch genau an diesen Abend. „Als wir vor Ort ankamen, war das Feuer schon gelöscht. Die Kameraden haben die verkohlten Sachen aus der Wohnung geräumt und diese ordentlich belüftet“, sagte Stephan Vogel. Carsten Weber habe richtig gehandelt. Der hatte gedacht, dass er nach dem Eintreffen der Feuerwehr wieder nach Hause gehen kann.

„Doch da hatte ich mich geirrt. Ich musste der Polizei Rede und Antwort stehen“, so der Tierpfleger. Die Beamten waren es auch, die Bürgermeister Gunter Weber darauf aufmerksam machten, dass es in solch einem Fall möglich ist, das Lebensrettungsehrenzeichen beim Innenministerium zu beantragen.

Solche Leute, die hinschauen und helfen, gebe es nicht immer, sagte der Bürgermeister. Carsten Weber habe sich die Auszeichnung verdient. Sein Verhalten sei vorbildlich gewesen. Der Bürgermeister hofft, dass das Handeln von Carsten Weber eine gewisse Vorbildrolle hat. „Es gibt auch ganz normale Helden im Alltag.“

Klaus Jagemann konnte in seiner Wohnung bleiben. Das Treppenhaus sei bis oben hin verschmutzt gewesen. Da musste noch einmal kräftig geputzt werden. Denn zwei tage später wurde Besuch aus Hamburg erwartet. Den Gästen hatten die Jagemanns dann viel fregendes zu erzählen.