merken
PLUS

Riesa

Der letzte Tag im Baumarkt

Auch Toom und Stabilo in Riesa müssen ab Montag dicht bleiben. Die SZ war zuvor noch einmal dort.

Mitarbeiter mit Mundschutz: Am Sonnabend hatte der Toom-Baumarkt im Riesapark zum letzten Mal geöffnet. Grund ist eine Anordnung des Freistaates, nun auch alle Baumärkte zu schließen.
Mitarbeiter mit Mundschutz: Am Sonnabend hatte der Toom-Baumarkt im Riesapark zum letzten Mal geöffnet. Grund ist eine Anordnung des Freistaates, nun auch alle Baumärkte zu schließen. © Sebastian Schultz

Riesa. Der Wind pfeift kalt durch Riesa. Zum letzten Mal ist am Sonnabend Betrieb bei den beiden großen Riesaer Baumärkten Stabilo und Toom, die nun auch schließen müssen. Im Riesapark bei Toom stehen Mitarbeiter mit aufgesetztem Mundschutz und zählen die Kunden, die den Markt betreten und verlassen.

„Ich stehe seit 7 Uhr morgens hier am Eingang“, sagt der Wachmann vom Sicherheitsdienst am frühen Nachmittag. Der normale Durchgang in Richtung Real-Markt ist zugestellt, alle müssen durch die einzige verbliebene Schiebetür. Und die steht kaum still. Außer: „Wenn mehr als 219 Kunden im Markt sind, müssen die anderen warten, bis wieder welche herauskommen“, sagt der Mann, der mit der Zählfunktion auf seinem Smartphone den Eingangsbereich überwacht. „Da schimpfen schon viele.“

Anzeige
Wie leben Familien in Sachsen?

Die große Umfrage zur Familienzufriedenheit geht in eine neue Runde. Jede Antwort zählt!

Ausgerechnet zum Frühlingsanfang: Blumen, Pflanzerde und Holzkohle gehörten zu den Produkten, die in Riesa am Sonnabend gefragt waren.
Ausgerechnet zum Frühlingsanfang: Blumen, Pflanzerde und Holzkohle gehörten zu den Produkten, die in Riesa am Sonnabend gefragt waren. © Sebastian Schultz

Aber über das Grundprinzip sind sich viele Kunden trotzdem einig. „Wenn das für die Gesundheit notwendig ist, dann müssen eben auch die Baumärkte schließen“, meint der Riesaer Roland Töpfer, der mit seiner Ehefrau einkaufen ist. Derweil bildet sich vor dem Eingang zu Toom schon wieder eine Schlange von mehr als zehn Kunden. Dieses Bild bot sich am Sonnabend auch in Meißen und Radebeul.

„Aber man kann das ja nicht ändern in der jetzigen Situation“, sagt der Riesaer Steffen Hirsch, der mit seiner Frau zu Toom gekommen ist. „Wir haben Blumen und Erde gekauft, aber der Markt ist noch längst nicht leer. Hier ist alles gut organisiert.“ Und Peter Beierlein, der aus Nünchritz in den Riesapark gekommen ist: „Ich habe noch schnell ein paar Bretter geholt. Aber ich denke, die Baumärkte könnten ruhig aufbleiben.“

"Ein ganz großer Spuk"

Zwei Frauen aus Riesa fahren einen ganzen Einkaufskorb mit Blumen zum Auto. „Eigentlich brauchte ich nur eine Lampe“, sagt die Jüngere. „Aber dann haben wir halt noch ein paar Blumen geholt. Die Schließung der Baumärkte jetzt ist halt ein bisschen ungünstig, weil jetzt die Gartensaison so richtig losgeht.“

Gepflanzt wird normalerweise Ende April oder Anfang Mai, sagt Alexandra Steiner, Vereinschefin der Gartensparte Reiter in Riesa. „Ich denke, unsere Kleingärtner verkraften das jetzt alles ganz gut."

Viele Kunden, die Einkaufswagen zu ihren Autos schieben, äußern Verständnis. Aber nicht alle. Richard, ein Beamter aus Riesa, ist richtig sauer. „Wir sollten die Corona-Krise doch mal ins Verhältnis zur jährlichen Influenza setzen“, sagt der hochaufgeschossene Mann. „Das ist ein ganz großer Spuk und die Maßnahmen völlig übertrieben", sagt er. Die Auswirkungen auf die Wirtschaft seien viel gravierender als die Krankheit.

Voller Parkplatz: Dieses Bild wird es auch beim Stabilo in Riesa in den nächsten Wochen nicht mehr geben.
Voller Parkplatz: Dieses Bild wird es auch beim Stabilo in Riesa in den nächsten Wochen nicht mehr geben. © Sebastian Schultz

Zwei Kilometer weiter, beim Stabilo-Markt am Riesaer Neubauernweg, fährt Mirko Obst aus Seerhausen am Sonnabend gleich 20 Säcke Rindenmulch zu seinem Auto mit Anhänger. „Wir haben ein großes Grundstück und brauchen alle zwei Jahre so viel“, erklärt er. „Aber wenn alle sich an die Regeln halten würden, dann wäre es nicht so weit wie jetzt gekommen.“

Auch Andreas Pleyl, Stammkunde bei Stabilo, hat Verständnis für die angeordnete Schließung der Baumärkte. „Die Artikel im Baumarkt sind eben nicht überlebenswichtig und die Ansteckungsgefahr ist schon groß. Bei der Vorstufe zu einer Ausgangssperre sind die Maßnahmen schon verständlich.“

Plexiglasscheiben als Schutz

Am vorerst letzten Öffnungstag im Stabilo-Baumarkt ist der Kundenzuspruch etwas größer als sonst, aber mit Abstandsregelungen gibt es trotzdem auch an den Kassen kein Problem – zumal die Kassierer und Kassiererinnen kurzfristig mit einer großen Plexiglasscheibe vor Tröpfchenkontakt mit Kunden geschützt werden.

„Stabilo ist für uns immer ein ordentlicher Markt gewesen“, sagt eine Riesaerin, die namentlich nicht genannt werden möchte. Sie hat Dünger und Erde für ihren Garten gekauft. „Aber wenn wir das jetzt richtig absichern wollen, müssen wir alles zumachen.“ Zwei Frauen aus Döbeln und Waldheim haben ebenfalls Verständnis: „Die Schließung jetzt ist nicht schön, aber richtig. Die Menschen müssen Abstand halten.“ Beide laden Blumen, Farbe, Holzkohle und Latex-Handschuhe in ihr Auto und fahren nach Hause.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Coronavirus: Jetzt über 1.000 Tote in Deutschland

Weltweit mehr als eine Million Infizierte. Sachsen nimmt weitere Patienten aus dem Ausland auf. Tschechien verlängert Grenzschließung: unser Newsblog.

Symbolbild verwandter Artikel

Reifenwerk Riesa stellt Betrieb ein

Eines der traditionsreichsten Unternehmen der Stadt beugt sich der Corona-Pandemie. Das betrifft Hunderte Mitarbeiter.

Auf dem Parkplatz vor dem Stabilo lädt Linda Weinschröder aus Hahnefeld bei Stauchitz Artikel ein. Die junge Frau arbeitet bei einer Fahrschule. Doch die ist jetzt dicht. „Wir wollen jetzt ein Baumhaus bauen“, sagt Weinschröder. So lässt sich die neu gewonnene Freizeit nutzen. "Aber ich denke, viele Menschen haben jetzt Existenzangst.“

Zum Thema Coronavirus im Landkreis Meißen berichten wir laufend aktuell in unserem Newsblog.