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Der liebe böse Bube

Dynamos Neuzugang Brian Hamalainen fällt mit seiner Frisur und seinem Namen auf. Dabei ist er ein ruhiger Typ.

© Lutz Hentschel

Von Cornelius de Haas, Herxheim

Der erste Eindruck täuscht, sagt Brian Hamalainen. Mit seinem Irokesen-Haarschnitt wirkt Dynamos Neuzugang wie der erste Punk der Vereinsgeschichte. Doch der Däne wehrt ab. „Die Frisur hat keine tiefere Bedeutung.“ Vielmehr sei sie das Ergebnis zahlreicher Versuche, die seine Frau an seinen Haaren vorgenommen hat. „Uns beiden hat diese dann am besten gefallen. Ich trage sie schon ein paar Jahre.“

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Extravaganz ist nicht das, was ihn auszeichnet, meint Hamalainen. Er sein kein Spieler, der verrückte Sachen machen müsse. „Ich versuche auf dem Platz eigentlich immer, eine Lösung zu finden, um nicht zeigen zu müssen, dass ich ein harter Typ bin“, sagt der 29-Jährige. Dabei steht sein Vorname in Dänemark klischeehaft für einen bösen Buben, wie er grinsend erzählt. „Als meine Mutter den Namen für mich ausgewählt hatte, waren vor allem meine Tanten und Großmütter der Ansicht: Nein, das kannst du dem Jungen doch nicht antun. Aber jetzt bin ich ihr Sonnenschein.“

Auch der Nachname sorgt für Erklärungsbedarf. „Ich weiß, der klingt nicht dänisch“, sagt Hamalainen. „Ich habe eine Verbindung nach Finnland. Allerdings liegt die weiter zurück und hat mit dem Heute nichts mehr zu tun.“ Denn auch seine Eltern und Großeltern sind in Dänemark geboren. Deswegen hat er auch keinerlei Kontakte in das Land seines Urgroßvaters. „Ich war nur einmal dort, und das aus sportlichen Gründen. Mit Urlaub hatte das nichts zu tun.“

Weil er generell ein gelassener Typ ist, hat er sich auch nicht davon verrückt machen lassen, dass sein Wechsel nach Dresden lange in der Schwebe zu sein schien. Dynamo hatte versucht, den Transfer geheim zu halten, obwohl er perfekt war. Die SZ hatte bereits am 18. Mai zum ersten Mal berichtet, dass die Zustimmung des Aufsichtsrates vorliegt. Schließlich wünschte ihm sein bisheriger Verein, der belgische Erstligist Zulte Waregem, mit einem Geburtstagsgruß am 29. Mai viel Glück in Dresden. „So etwas gehört einfach zum Spiel“, meint Hamalainen. Er packte seine Sachen für den Umzug nach Sachsen.

Nach insgesamt sieben Jahren in Waregem und beim KRC Genk will er seine Erfolgsgeschichte mit Dynamo weiterschreiben. Mit Waregem wurde er Pokalsieger, spielte mit beiden Klubs im Europapokal. Warum er sich dennoch für Dresden entschieden hat? „Ich wollte etwas Neues ausprobieren, nachdem ich in Belgien alle Stadien gesehen hatte“, erklärt er. „Bei Dynamo stimmte das Bauchgefühl sofort.“

Die ersten Gespräche gab es schon im Januar, als beide Vereine ihre Trainingslager im spanischen Marbella abhielten. Danach versuchte Hamalainen, die Dresdner Spiele im Livestream zu verfolgen. „Auch wenn die meist nicht wirklich gut aussahen, habe ich doch das Potenzial entdeckt, das in der recht jungen Mannschaft steckt.“ Nach den ersten Wochen mit den neuen Kollegen hat sich dieser Einruck verfestigt. „Wenn wir es jetzt noch schaffen, die richtige Balance aus Erfahrung, Stabilität und kreativem Spiel zu finden, dann wird es diesmal eine richtig gute Saison.“

Ballas droht eine Schulter-Operation

Hamalainen will sich und Dynamo gern einen Traum erfüllen, nämlich den vom Europapokal. Aber zunächst schaut er realistisch in die nähere Zukunft. „Erst einmal muss ich mich an die neue Liga gewöhnen und sehen, was wir als Team erreichen können.“ Immerhin kann er seinen neuen Mitspielern aus eigener Erfahrung berichten, wie sich internationale Einsätze anfühlen. „Die Aufmerksamkeit, die Atmosphäre, die Stadien und das Messen mit stärkeren Teams – das ist einfach etwas ganz Besonderes.“

Ungewohnt waren für ihn seine bisherigen Spiele für Dynamo. Denn statt auf seiner angestammten Position als Linksverteidiger setzte ihn Uwe Neuhaus in einer Dreierkette ein. „Ich finde, das passt auch gut“, sagt Hamalainen. Möglicherweise muss der Trainer diese Variante jedoch vorerst zurückstellen. Mit Florian Ballas fällt ein Innenverteidiger aus. Wegen akuter Beschwerden in der linken Schulter war er am Donnerstag zur Untersuchung im Klinikum in Heidelberg. Ob er operiert werden muss oder konservativ behandelt werden kann, entscheidet sich in den nächsten Tagen, teilte der Verein mit.

Hamalainen nimmt die Position an. „Ich mag es, die Ballkontrolle zu haben und die Möglichkeit, etwas aufzubauen, die richtigen Pässe zu schlagen.“ Auch wegen dieser Qualitäten hat ihn Dynamo geholt. Interims-Sportgeschäftsführer Kristian Walter bescheinigt ihm zudem ein gutes Stellungsspiel. Dabei bezeichnet er es als „kleineren Unfall“, dass er Fußball spielt. „Bei einem Turnier fehlte in der Mannschaft meines Bruders ein Spieler.“ Er war erst fünf, hatte es bis dahin noch nie probiert – ein Naturtalent, wie sich herausstellte.