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Der Lugteich ist eine tickende Zeitbombe

Experten haben in Pirna die Flutsicherheit kleinerer Gewässer bewertet. Es gibt viel zu tun, aber wenig Geld.

Von Alexander Müller

Wer kennt den Lugteich oder war sogar schon einmal dort? Der kleine Teich liegt idyllisch zwischen Copitz-Nord und Mockethal, ringsherum kaum Siedlungen. Wie ein gefährlicher Ort wirkt dieses Fleckchen nun wirklich nicht. Und doch geht gerade von diesem unscheinbaren Gewässer ein großes Flut-Risiko aus. Das zeigt eine aktuelle Studie, die die Pirnaer Stadtverwaltung in Auftrag gab.

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Wenn von Hochwasser in Pirna die Rede ist, denken die meisten an die Elbe, vielleicht noch an die Gottleuba und die Seidewitz. Es sind die großen Flüsse, die im Fokus der Aufmerksamkeit stehen und deren Pegelstände permanent beobachtet werden. Und natürlich war es auch die Elbe, die bei der Juniflut im vorigen Jahr die größten Schäden verursacht hat. Doch auch die kleinen Bäche und Teiche, die in trockenen Zeiten zum Teil gar nicht vorhanden sind, können großes Unglück bringen. Dasselbe gilt für Oberflächenwasser, wenn es nach einem starken oder lang anhaltenden Regen wild abfließt.

OB: „Wir mussten Lehrgeld zahlen“

Genau diese Risiken haben jetzt Experten für Pirna bewertet und Vorschläge gemacht, wie sie verringert werden können. „Wir mussten in der Vergangenheit schwer Lehrgeld zahlen“, erklärt Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (parteilos), warum ihm das so wichtig ist. Die Stadt hat das Bannewitzer Ingenieurbüro für Wasser und Boden (IWB) für die Untersuchungen herangezogen. Die Ingenieure konzentrierten sich dabei auf die Schadensschwerpunkte der vergangenen Jahre. Analysiert wurden 13 Fließgewässer und die Areale „Großsedlitzer Elbhänge oberhalb Schlosserbusch“ und „Lindigt“ als Bereiche mit wild abfließendem Oberflächenwasser.

Die Ergebnisse hat das Ingenieurbüro in eine Prioritätenliste gepackt. Ganz oben steht der Lugteich, zusammen mit dem nahen Kratzbach. Regnet es stark, dann können sich diese beiden Gewässer auf dem Plateau oberhalb von Posta zu einem großen See vereinigen. Wenn die Wassermassen sich dann den Hang hinabwälzen, sind schwere Erdrutsche und Schlammlawinen wahrscheinlich.

Eine Million Euro nötig

Das Bannewitzer Ingenieurbüro schlägt deshalb vor, die Teichanlage schnellstmöglich zu beräumen, Bäume zurückzuschneiden und den Entwässerungsgraben zu mähen. Die Kosten dafür sind verhältnismäßig gering. Nur etwas über 7 000 Euro, schätzen die Fachleute, müsste Pirna dafür ausgeben. Die Kosten, die bei einem Unglück entstünden, wären mit Sicherheit um ein Vielfaches höher. Und da ist noch nicht einmal die Rede davon, dass auch Menschenleben bei Überschwemmungen und Erdrutschen gefährdet sind.

Insgesamt allerdings summieren sich die vorgeschlagenen Maßnahmen für alle kleineren Gewässer sowie Bereiche mit wild abfließendem Oberflächenwasser auf über eine Million Euro. Das kann der städtische Haushalt aktuell nicht stemmen.

Das Rathaus legt die Untersuchung der Experten und deren Kostenschätzungen trotzdem den Pirnaer Stadträten zur Entscheidung vor. Die Beräumung des Lugteichs noch in diesem Jahr wäre dabei finanziell kein Problem. Die anderen Maßnahmen sollen auf die kommenden acht Jahre verteilt werden, je nach der Priorität, welche das Ingenieurbüro für den Einzelfall vergeben hat. Höchste Priorität hat demnach allein der Lugteich. Alles andere könne auch mittel- oder langfristig umgesetzt werden.

Nicht in der aktuellen Liste enthalten sind übrigens die Gewässer Blutpfütze, Sauteichgraben und Hospital/Schlosserbusch, da man dort bereits nach dem Stark-
regen von 2010 aktiv geworden ist. Absolute Sicherheit wird es aber wohl nie geben. „Man kann sich nicht ganz vor allem schützen, aber man kann den Schutz verbessern“, erklärt Steffen Möhrs, Fachgruppenleiter für Stadtentwicklung in Pirna.