merken
PLUS Pirna

Der Mann, der 600.000 Liter Bier braute

Ulrich Betsch ist schon lange Braumeister und Gastronom. Schloss Weesenstein verlässt er, hat aber schon neue Ideen.

Der Mann und das Bier: Seit 1999 braut Ulrich Betsch auf Weesenstein Bier. Wo macht er es künftig?
Der Mann und das Bier: Seit 1999 braut Ulrich Betsch auf Weesenstein Bier. Wo macht er es künftig? © Norbert Millauer

Braumeister Betsch ohne Bier? Weesenstein ohne Gastronomie? Beides ist schwer vorstellbar. Braumeister ohne Bier wird sicherlich nicht eintreten, was indes aus der Gastronomie auf Weesenstein wird, ist noch offen. Ulrich Betsch wird sie Ende nächsten Jahres aufgeben.

Fünf Jahre ist er dann nicht nur Braumeister, sondern auch Gastronom gewesen. Genug, sagt er. „Ich bin mehr Brauer als Gastronom.“ Außerdem will der 52-Jährige nochmal was anderes machen. Was konkret? Es gibt Pläne, Wünsche, Ideen, Träume, sagt er, aber noch nichts Konkretes. Mit Bier aber wird es zu tun haben und in der Region sein. Schließlich wohnt er in Maxen, hat dort vor einigen Jahren das Rittergut gekauft, das auch noch eine Funktion bekommen soll.

Klinik Bavaria Kreischa
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben
Perspektiven Schaffen - Teamgeist (Er-) leben

Wir sind die KLINIK BAVARIA Kreischa - eine der führenden medizinischen Rehabilitationseinrichtungen in Ostdeutschland.

Betsch habe in seinen 20 Jahren auf Weesenstein 120 Tonnen Malz verarbeitet, 600 000 Liter Bier gebraut und unzählige 70 Kilogramm schwerer 50-Liter-Fässer gerollt. Wer sein süffiges Bier trinkt, denkt nicht an die auch körperliche Arbeit. Aber auch ein Braumeister wird nicht jünger, auch wenn Betsch nach wie vor etwas von seinem Jungenhaften behalten hat.

Betsch hat bereits jetzt gesagt, dass er aussteigt, damit die Weesensteiner Gastronomie eine Chance hat. Sein Pachtvertrag geht zehn Jahre, jedoch mit der Option, nach fünf Jahren auszusteigen. Davon macht er nun Gebrauch. Im Portal der IHK tauchte die Suche nach einem neuen Wirt das erste Mal auf. Für das Schloss und den Sächsischen Schlösser-Betrieb ist erst einmal wichtig, dass Betsch seinen Vertrag bis Ende 2020 erfüllt. Das sichert er zu. „Unser Bestreben ist es, das gastronomische Angebot vor Ort zu erhalten und für unsere Gäste bereitzustellen“, sagt Schlösserbetriebs-Sprecher Uli Kretzschmar.

Immer wieder Wechsel in der Küche

Die Gastronomie auf Weesenstein hat seit Anfang der 1990er-Jahre eine wechselvolle Geschichte. Die Schlossküche ist die Küche aus Zeiten, da König Johann hier speiste. Der Dresdner Koch Reinhard Lämmel brachte der Gaststätte immerhin 14 von 20 Punkten im unabhängigen Restaurantführer Gault Millau. Danach übernahm das Pirnaer Gastronomie-Unternehmen Q-Linar das Objekt, es folgten Betschs erste zwei Jahre. Anschließend kochte bis Ende 2015 kochte der Dresdner Pfeffersack-Chef Holger Adolph in Weesenstein. Dann zog Betsch in die Küche.

Er ist überzeugt, die Gaststätte hat Potenzial, auch wenn der Umsatz zurückgegangen ist. Dafür lässt sich Betschs neues Weesensteiner Schlossbräu in der Flasche immer besser verkaufen. Damit beliefert er zum Beispiel auch zwei Märkte in der Region. Wenn jemand die Brauerei auf dem Schloss fortführen will, warum nicht, sagt er. Dann muss er sich mit Betsch nur zur Übernahme einig werden.

Klar ist, Schloss Weesenstein ohne Gastronomie ist undenkbar. Die Brauerei ist etwas Besonderes, aber es kann auch ohne sie funktionieren. Das Schloss bietet etliche Möglichkeiten für besondere gastronomische Genüsse. Die Herausforderung wird sein, die verschiedenen Geschmäcker, sprich Ansprüche, zu bedienen. Schön wäre es auch, das Café wieder ständig zu öffnen, sagen Schlossbesucher immer wieder. Betsch hatte es für Feiern genutzt, nachdem Ende 2016 der Vertrag mit der vorherigen Pächterin gekündigt worden war. Als damals auch das Café in Betschs Hände gegeben wurde, hoffte das Schloss auf eine langfristig tragfähige Gastronomie.

Bierbrauen und Gastronomie, irgendwie habe das nicht funktioniert, sagt Betsch. Dazu sei er zu viel Idealist. Aber er habe nichts bereut, liebe seinen Idealismus und bleibe Idealist. Deshalb kann er sich zum Beispiel auch eine Herberge im Schloss vorstellen. Betsch spricht solche Ideen aus, ohne schon ein fertiges Konzept im Hinterkopf zu haben.

Weiterführende Artikel

Wer wird Weesensteins neuer Schlosskoch?

Wer wird Weesensteins neuer Schlosskoch?

Bierbrauer Betsch hat Weesenstein verlassen. Er will künftig in Maxen brauen. Das Schloss sucht einen Gastronomen und hat genaue Vorstellungen.

Betsch wünscht sich wieder einen Idealisten in der Schlossküche. Interessenten gebe es. Die Auswahl wird schwer, sagt Betsch, der sich einen fließenden Übergang wünscht. Er bietet zudem an, die Bierführungen weiter zu machen und vielleicht wird ja auch mal wieder eine Hopfenkönigin gekürt. „Schloss Weesenstein ist Liebe und braucht Liebe“, sagt Betsch. Seine hat es auch weiterhin.


Für Informationen zwischendurch aufs Handy können Sie sich unter www.szlink.de/whatsapp-regio anmelden.

Und unseren ebenfalls kostenlosen täglichen Newsletter abonnieren Sie unter www.sz-link.de/pirnaheute.

Mehr zum Thema Pirna