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Pirna

Der Mann, der Napoleon nach Liebstadt zurückbringt

Claus Glombik kennt Bonaparte nicht nur als Kriegsherrn. Der hatte einen Grund, warum er sich auf Schloss Kuckuckstein in Liebstadt einquartierte.

©  Daniel Förster

Napoleon ist zurück. Auf Schloss Kuckuckstein ist das Zimmer für ihn hergerichtet. Mitglieder vom Verein „Schwarzes Kleeblatt“ mit Kurator und Napoleon-Kenner Claus Glombik aus Dresden haben das Eine-Nacht-Quartier von Napoleon Bonaparte originalgetreu eingerichtet.

Die geschichtsträchtigen Räume seien völlig leer gewesen, als die neuen Eigentümer, die Natur-Romantik GmbH mit Sitz in Döbra, das Schloss vor gut einem Jahr übernahmen. Die Wände waren schlicht und einfach, gelblich-weiß gestrichen. Nur der uralte Kachelofen stand noch in der Ecke. „Der vormalige Schlossherr hatte das Zimmer als Büro und Arbeitszimmer genutzt“, sagt Claus Glombik. Seit Jahresbeginn hat er viel Zeit und Kraft aufgewandt, um es nun wieder so aussehen zu lassen, wie es Napoleon zu seiner Zeit genutzt haben könnte. Glombik, der sich fast sein ganzes Leben lang mit Napoleon beschäftigt, hat dafür über verschiedene Antikhändler diverse historische Dinge beschafft.

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In der Mitte des Raumes befindet sich ein großer Tisch, darauf Utensilien, wie ein Kerzenständer, zwei Öllampen, ein Fernrohr, eine Lupe, ein Kompass, Landkarten von Liebstadt und Umgebung, eine Schreibgarnitur mit Tintenfässern und Federhalter, aus historischen belegten Unterlagen eine Feldzug-Skizze, die den Schlachtverlauf in der Region um Liebstadt skizziert zeigt. Auch ein Bericht an einen General als Kopie des französischen Originals und und einen Tagesbefehl – beides auch ins Deutsche übersetzt – sind zu finden. Napoleons Gesetze und eine Kristallkaraffe mit Wein sowie ein Wasserkrug und ein Zinnbecher durften nicht fehlen. Schließlich trank Napoleon mit Wasser verdünnten Wein. Ein Napoleonhut komplettiert die Ausstattung.

Geheimgang war das große Plus

Neben dem Tisch hängt einen Mantel Napoleons über einem Stuhl. Sein Feldbett steht an der Seite. „Das habe ich nachbauen lassen. Denn wie bekannt ist, hat der französische General vorwiegend in einem eigenen, persönlichen Feldbett geschlafen“, sagt Glombik. An der Wand hängt eine Ölmalerei, die das Geburtshaus Napoleons in Ajaccio auf Korsika zeigt. In der anderen Ecke des Zimmers steht die Waschkommode, darauf eine Rasierklinge und ein Gestell mit Schüssel und Krug.

Claus Glombik ist es wichtig, Napoleon nicht vordergründig als Kriegsführenden zu zeigen, sondern „den anderen Napoleon“, der allgemein in seiner öffentlichen Darstellung zu kurz kommen würde. Der andere Napoleon ist der, der zum Beispiel das erste Bürgerliche Gesetzbuch geschrieben hat, der Reformen durchführte, die Leibeigenschaft abschaffte und der Universitäten und Gymnasien gründete. Deshalb gibt es fortan direkt vor dem „Napoleonzimmer“ eine neue Dauerausstellung unter dem Titel „Der andere Napoleon“. Sieben Künstler aus Dresden und Umgebung, zu der auch Glombik gehört, zeigen den Kaiser der Franzosen in ihren Malereien als Persönlichkeit und Menschen.

Napoleon nahm in der Nacht vom 9. zum 10. September 1813 nach seinem Einmarsch in Liebstadt ausgerechnet im Schloss eines seiner erbittertsten Gegner, Carl Adolf von Carlowitz, Quartier. Das Besondere an diesem Zimmer, in dem er nächtigte, und warum sich Napoleon ausgerechnet in dort einquartierte: Es bot und bietet einen guten Ausblick von Norden bis nach Westen, auf die Stadt bis ins Seidewitztal und das Wichtigste: Aus dem Raum führt ein Geheimgang, ideal als Fluchtweg.

Einige seiner Offiziere sollen sich beim späteren Rückzug mit Ritzereien bzw. Kritzeleien in Glasfenstern verewigt haben. Sinngemäß schrieben sie, dass sie sich nach Hause sehnen und sich wünschen, zurückzukehren. Napoleon selbst verschonte Schloss Kuckuckstein. Er sei vom Schatz in der Bücherei des Schlossherrn beeindruckt gewesen. Es war damals die größte Privatbibliothek in Sachsen, in die er sich für mehrere Stunden in der Nacht zurückzog.

Geöffnet: zum Tag des offenen Denkmals am 8. September, ab 11 Uhr, jeden zweiten Sonntag im Monat, 13 bis 16 Uhr (14 Uhr Führung)

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