merken
PLUS

Der Mann für Aufbau und Abriss geht

Wolfgang Rösler hat 23 Jahre die Wohnungsgenossenschaft Oberland mit geleitet und dabei auch das Stadtbild geprägt.

Von Romy Kühr

Moderne Wohnblöcke, teils sogar mit Fahrstuhl und schicke Mehrfamilienhäuser im Grünen – das ist die Erfolgsbilanz, die die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) „Oberland“ Neugersdorf 25 Jahre nach der politischen Wende zieht. Wolfgang Rösler hat die komplette Zeit mit geprägt, 23 Jahre davon war er im Vorstand der WBG. Viele der Tausenden Mieter kennen ihn persönlich – die Genossenschaft hat heute mehr als 1 200 Wohneinheiten in ihrem Bestand. Sie sind in Neusalza-Spremberg, Oderwitz und Eibau, die meisten aber in Ebersbach-Neugersdorf zu finden. Vieles hat sich durch Röslers Arbeit verändert, das Ebersbach-Neugersdorfer Stadtbild ist heute ein anderes als noch 1990. Für seine Verdienste ist der Neugersdorfer kürzlich mit der Ehrennadel in Gold vom Verband der Sächsischen Wohnungsgenossenschaften ausgezeichnet worden. Jetzt hat sich der 64-Jährige in den Ruhestand verabschiedet – und zieht auch persönlich eine Positiv-Bilanz. Turbulent ist das vergangene Vierteljahrhundert aber auch in der Wohnungswirtschaft gewesen.

Anzeige
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit
Vernünftige Rendite mit Nachhaltigkeit

Einfach, bequem und flexibel in die Zukunft investieren. Langfristig gute Chancen bietet der Anlage-Assistent MeinInvest.

Die größte Herausforderung:

Wohnen attraktiver machen

Die Aufgaben im Wohnungsbau waren nach der Wende enorm, erinnert sich Wolfgang Rösler. Er kam nach seinem Bauingenieur-Studium und erster Berufserfahrung in der Gebäudewirtschaft Neugersdorf Anfang 1989 als Mitarbeiter zur Genossenschaft. Hier warteten große Herausforderungen, denn die Wohnungen mussten erst einmal auf einen modernen Stand gebracht werden. Neue Bäder wurden eingebaut, Fenster, Dächer und Fassaden erneuert. Die Wohnungen wurden freundlicher und auch das Umfeld. Die WBG fusionerte sogar mit der Wohnungsbaugenossenschaft Neusalza-Spremberg und kaufte dort Häuser hinzu.

Das

größte Problem:

Wegzug junger Leute

Mit der Wende kam aber auch der demografische Wandel. Hinter dem Begriff versteckt sich ein Problem, das vielen Branchen zu schaffen macht: Junge Leute fanden woanders Arbeit, zogen weg. Zurück blieben die Älteren, die immer weniger wurden. Die Folge: Immer mehr Wohnungen standen leer. Diese Entwicklung setzte Mitte der 1990er Jahre ein, erinnert sich Rösler. Die Genossenschaft reagierte unter anderem mit dem Abriss von unattraktiven Wohnungen, die sich ohnehin nur schlecht vermieten ließen. Dazu mussten auch Wohnblöcke leer gezogen werden, in denen noch ein paar Familien wohnten. Mit den Abrissen kam deshalb auch die Empörung der Einwohner. „Das war für die Leute damals neu. Sie kannten noch die Zeiten, in denen Wohnungen Mangelware waren und jetzt wurden sie weggerissen.“ Außerdem war die WBG „Oberland“ eine der ersten, die zu solchen Maßnahmen griff. Es erforderte viel Fingerspitzengefühl, das den Menschen zu erklären, sagt Rösler. Insgesamt 274 Wohneinheiten im Oberland und in Ebersbach wurden seither von der Genossenschaft abgerissen. Und Wolfgang Rösler schätzt ein, dass das Problem noch nicht ausgestanden ist. „Das beschäftigt uns zurzeit immer noch sehr und wird es auch in den kommenden Jahren weiterhin tun.“

Der

größte Erfolg:

Ungewöhnliche Sanierungen

Wolfgang Rösler hat in seiner Arbeit im Wohnungsbau aber auch positive Entwicklungen mitgemacht- und geprägt. Dazu gehört die Sanierung von Mehrfamilienhäusern. „Sehr schön geworden ist zum Beispiel der Komplex Mittelstraße, Gartenstraße, J.-G.-Schneider-Straße in Neugersdorf.“ Hier wurde vor zehn Jahren saniert. Probleme, die attraktiven Wohnungen zu vermieten, hat die WBG nicht. Ähnlich ist es im Wohngebiet Oberland am Hofeweg 49. Die Blöcke wurden teilweise zurückgebaut, zwei Stockwerke heruntergenommen – ein Versuch, Wohnraum zu reduzieren, aber das Stadtbild nicht gravierend zu verändern. Mit dem Projekt war Rösler sogar für eine Auszeichnung nominiert.

Pläne für die Zukunft:

Sport und Garten

Seinen Ruhestand will der 64-Jährige nun nutzen,um mehr Sport zu treiben. Außerdem bieten Garten und Haus immer wieder Beschäftigung, sagt er augenzwinkernd. Als Ratgeber möchte er auch weiterhin der WBG zur Seite stehen, wenn es nötig ist. Aber auch die