merken
PLUS Radebeul

Der Mann für die dritte Schicht

Die Firma Industrie-Partner aus Coswig hat die Zeit der Krise für eine bahnbrechende Innovation genutzt.

Ralf Hock, Geschäftsführer von Industrie-Partner Coswig, an einer Werkzeugmaschine, die von einem in der Firma entwickelten Roboter bedient wird.
Ralf Hock, Geschäftsführer von Industrie-Partner Coswig, an einer Werkzeugmaschine, die von einem in der Firma entwickelten Roboter bedient wird. © Arvid Müller

Coswig. Der Mann für die dritte Schicht, der Mann, der für erkrankte Kollegen einspringt und als Urlaubsvertretung - dieser Mann ist ein Roboter. Entwickelt hat ihn die Firma Industrie-Partner Coswig (IP), ein mittelständischer Maschinenbauer, der auf Spitzenniveau Teile für andere Unternehmen fertigt und selbst entwickelte Maschinen baut - um nur zwei Arbeitsfelder zu nennen. 

Eine dieser Maschinen hört auf den Namen Robo Operator und ist der eingangs erwähnte "Mann". Was er genau macht und kann, erläutert Ralf Hock, der das Unternehmen 2010 übernommen hat und seitdem als Geschäftsführer leitet: "Der Robo Operator bedient eine Werkzeugmaschine, so wie es ein Mitarbeiter tun würde."

Anzeige
Autopanne im Urlaub? Sicher nicht!
Autopanne im Urlaub? Sicher nicht!

Sommerzeit ist Ferienzeit. Und leider oft auch Pannenzeit. Um Probleme zu vermeiden, empfiehlt pitstop, das Auto vor der Reise warten zu lassen.

 Das heißt, er entnimmt das zu bearbeitende Teil aus der Palette, öffnet die Schutztür der Werkzeugmaschine, legt es ein, überwacht die Bearbeitung, entnimmt das fertige Teil und füttert die Maschine erneut. Und nebenbei entgratet, vermisst und reinigt er das Werkstück, um es dann zurück in die Palette zu legen. 

"Der Robo Operator kann pausenlos etwa ein Wochenende durcharbeiten oder die Nachtschicht übernehmen, und er kann, da er zwei oder mehrere Schichten durcharbeitet, für zwei schaffen", so Ralf Hock. Der Ansatz für den Roboter "ist aber nicht der Wunsch, Mitarbeiter zu ersetzen, sondern überhaupt jemanden zu haben, der die Werkzeugmaschine bedient." Denn es  werde immer schwerer, qualifiziertes Personal zu finden, zumal solches, das auch an den Wochenenden und im Schichtbetrieb arbeitet. 

Den Bediener der Maschine durch den Robo Operator so zu ersetzen, sodass er sie selbstständig bedient, das sei einzigartig, erklärt Ralf Hock, der in Bochum Maschinenbau studiert hat.

 Er setzt auf eine starke Entwicklungsabteilung - immerhin 15 der 71 Mitarbeiter tüfteln an neuen Lösungen für die Industrie. Mittlerweile gäbe es nicht nur ein sehr großes Interesse für den Roboter-Bediener aus Deutschland, sondern selbst aus Neuseeland und den USA, erklärt der Geschäftsführer. 

Kürzlich ist der Robo Operator auf einer virtuellen Messe vorgestellt worden. Dort konnten die Kunden auch erfahren, dass man ihn mieten kann. IP will jetzt ein neues Geschäftsfeld erschließen und arbeitet daran, 50 Robo Operatoren herzustellen, um sie vermieten.  Ralf Hock hofft, dass mindestens immer die Hälfte davon im Einsatz sein wird. 

Die Mitarbeiter seines Unternehmens haben die Corona-Zeit nicht nur genutzt, um den Robo Operator zur Serienreife zu führen, sondern auch, um an anderen Innovationen  zu arbeiten. Eine davon ist eine vollautomatische Anlage zum Befüllen von Batteriezellen mit Elektrolytlösung.

 Diese ist nicht nur sehr teuer, sondern auch ätzend und giftig, sodass es darauf ankommt, die Zellen sicher und punktgenau zu befüllen. Gleich drei Patente sind auf diese Maschine angemeldet worden. Und sie zeigt ein anderes wichtiges Moment in der Arbeit der Firma: Sie ist in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität Dresden und einem Fraunhofer-Institut entwickelt worden. 

"Die Mitarbeiter in meiner Firma sind Superfachleute", erklärt Ralf Hock. Sie kommen aus dem Landkreis Meißen, aber auch aus Dresden, ja selbst aus Brandenburg. Aber nicht nur fertige Fachleute beschäftigt das Unternehmen, es bildet den eigenen Nachwuchs auch aus. Immerhin acht bis zwölf Azubis gehören jedes Jahr zur Belegschaft. 

In dieser sei die Fluktuation sehr gering, wer einmal bei IP angefangen hat, bleibt in der Regel auch. "Ich gehe auch ein Versprechen den Mitarbeitern gegenüber ein", so Rolf Hock. "Wir entlassen, wenn es irgend geht, niemanden." Wer einmal eingestellt sei, solle seine Zukunft planen können. Die Basis aller Zusammenarbeit sei Wertschätzung, erklärt er. 

Durch die Corona-Krise ist IP gut gekommen. "Wir hatten zwar in geringem Maße Kurzarbeit angemeldet, aber ansonsten durchgearbeitet." Geholfen hat dabei auch ein großes Polster an Aufträgen für die Bahn, für die das Coswiger Unternehmen Prüfstände für Bremsregel-Ventile für Triebzüge herstellt - "sehr komplexe Bauteile".

 Eingebrochen sind nur die relativ kurzfristigen Aufträge für andere Firmen, etwa für die Lohnfertigung von Teilen. Für die Zukunft ist Ralf Hock nicht bange: "Dafür sind die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, viel zu spannend."

Mehr lokale Nachrichten aus Meißen lesen Sie hier.

Mehr lokale Nachrichten aus Radebeul lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radebeul