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Der Mann für die Nebenrolle ist bereit für Großes

Oft war Torhüter Lichtlein dabei, doch nur selten mittendrin. Jetzt wird er bei der Handball-WM in Katar zum Hauptdarsteller.

© dpa

Von Christoph Stukenbrock

Ab auf den Grill

Warme Sommernächte, schönes Wetter. Zeit zum Grillen! Doch worauf muss man achten und was schmeckt am besten auf dem Grill?

Carsten Lichtlein war mal wieder der Letzte. Seine Mitspieler standen längst unter der Dusche, da turnte „Lütti“ noch immer durch die Katakomben der Lusail-Arena und stimmte spontan ein beschwingtes „Oh, wie ist das schön“ an. Zuvor war der ewige Schattenmann des deutschen Tores beim 28:23-Sieg im WM-Vorrundenspiel gegen Argentinien zum Matchwinner avanciert. Damit hatte er dem Stammkeeper Silvio Heinevetter gehörig die Schau gestohlen. Die Bild-Zeitung feierte ihn nach seiner Weltklasse-Leistung kurzerhand als „Wüsten-Halter“.

„Man ist natürlich überglücklich, aber das Team hat gewonnen. Ich habe meinen Teil dazu beigetragen“, sagte Lichtlein, der gegen die Gauchos mit etlichen Paraden – 40 Prozent gehaltene Bälle – entscheidenden Anteil am vorzeitigen Achtelfinaleinzug des DHB-Teams hatte. Bundestrainer Dagur Sigurdsson stellte zufrieden fest: „Ich habe immer gesagt, dass wir beide Torhüter brauchen werden.“

Manch ein Spieler hätte nach einer ähnlichen Glanz-Vorstellung wohl einen Stammplatz gefordert – Lichtlein nicht. „Wenn Heine gut hält, dann freue ich mich genauso. Es ist egal, wer von uns im Tor steht“, sagte der 34-jährige Mannschaftsoldie, der in den ersten beiden WM-Spielen wie so oft in seiner langen Nationalmannschaftskarriere keine erste Wahl gewesen war, gewohnt bescheiden. Heinevetter bezeichnete das ungleiche Torhüter-Gespann am Freitag als „kleine Mannschaft in der Mannschaft“.

Die Chemie stimmt im deutschen Tor – das ist unverkennbar. Anstatt am Donnerstagabend beleidigt auf der Bank zu schmollen, suchte Heinevetter immer wieder den Kontakt zu Lichtlein, feuerte ihn an und reichte ihm in den Spielpausen das Handtuch. „Wir sind zwei grundverschiedene Typen, aber wir ergänzen und verstehen uns sehr gut“, sagte Lichtlein zum besonderen Verhältnis der beiden Schlussmänner. „Wenn ich im Tor bin, stärkt mir Heine den Rücken. Wenn er im Tor ist, machen wir es umgekehrt.“

So besonnen und bescheiden der Familienvater außerhalb des Feldes daherkommt, so impulsiv und aufgedreht wirkt er während der 60 Minuten im Spiel. Dann ballt er nach gehaltenen Bällen energisch die Hand zur Faust, klopft sich auf die Brust, treibt seine Vorderleute lautstark an und heizt dem Publikum mit ausladenden Gesten ein.

„Er ist positiv verrückt. Das sieht man ja auf dem Spielfeld“, sagte Kreisläufer Patrick Wiencek mit einem breiten Grinsen. zum personifizierten Rückhalt in der Mannschaft. „Er peitscht uns immer nach vorne. Wir sind froh, dass wir so einen Torhüter haben.“

Lichtlein gehört mit seinen 191 Länderspielen inzwischen zum Inventar der Nationalmannschaft, spielt seit seinem Debüt vor 13 Jahren allerdings beständig die Nebenrolle. Oft war er dabei, doch nur selten mittendrin. „Deswegen freut es mich für ihn ganz besonders“, sagte Teammanager Oliver Roggisch, der mit Lichtlein als Spieler jahrelang ein Zimmer geteilt hatte: „Lütti ist nicht nur ein richtig guter Torhüter, sondern auch ein unheimlicher Spaßvogel. Er ist einfach ein richtig cooler Typ, solche Spieler brauchen wir.“

Lichtlein stand schon 2004 im Team, als Deutschland in Slowenien Europameister wurde. Als die ganze Nation bei der Heim-WM drei Jahre später ihr goldenes Wintermärchen feierte, durfte Lichtlein in zehn Spielen keine einzige Minute spielen und feuerte seine Kollegen stattdessen von der Tribüne aus an. Die Hauptrolle bekleideten andere - dies könnte in diesem Jahr anders werden. Lichtlein ist bereit.

Bezahlsender macht Quote mit WM

Für Sky erweist sich die Handball-WM in Katar als Quotenbringer. Beim 28:23-Sieg der deutschen Auswahl gegen Argentinien schalteten 360 000 Zuschauer den Bezahlsender ein. Dies entspricht einem Marktanteil von 2,2 Prozent. Das war der bisher höchste Wert während des Turniers. Zum Vergleich: Bei der WM 2013 sahen sieben Millionen Fans in der ARD die 24:28-Niederlage im Viertelfinale gegen Gastgeber Spanien; Marktanteil: 22,7 Prozent.

Die öffentlich-rechtlichen Sender verzichten jedoch diesmal auf die Übertragungsrechte – nach eigenen Angaben wegen Differenzen bei der Satellitenverbreitung. Auch das letzte Vorrundenspiel am Sonnabend, 17 Uhr, gegen Saudi-Arabien ist deshalb nur bei Sky zu sehen. (sid, SZ)

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