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Der Mann mit den drei Leben

Die Stadt Nossen hat wieder einen Ehrenbürger: Ex-Bürgermeister Hans Haubner (CDU). Aufgewachsen ist er in Roßwein.

© hübschmann

Von Dieter Hanke

Hans Haubner wäre sicher auch ein guter Biologielehrer geworden. Mit dem heute 71-Jährigen ist die SZ im Nossener Muldental unterwegs. An diesem schönen Frühlingsmorgen zwitschert, jubiliert, klopft und pfeift es zwischen den Ästen. Hans Haubner kennt sie alle. „Das ist ein Rotkehlchen, dort ein Buchfink.“ Sein Fernglas kommt kaum zur Ruhe. Soeben hat der 71-Jährige ein Goldhähnchen ausgespäht – den kleinsten heimischen Vogel, der nur neun Zentimeter lang und fünf Gramm schwer ist. An die 17 Vogelarten würden im Muldental leben. Im Zellwald, wo er gern wandert, seien es weniger.

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Hans Haubner ist ein Vogelexperte. Er erkennt die Tiere an ihren Stimmen und Geräuschen. „Früher konnte ich die Vögel nur nach den Abbildungen in Büchern unterscheiden. Nach und nach gelang es mir, diese auch an ihrem unterschiedlichen Gesang zu erkennen“, bemerkt er.

In der Nähe des Sportplatzes setzt der Nossener einen Frosch in den Teich, der sonst sicher auf dem Weg umgekommen wäre. „Die Natur fasziniert mich. Die Schönheit von Fauna und Flora, der Kampf von Pflanzen und Tieren ums Überleben“, sagt er. Er ist froh, dass es ihm als Bürgermeister gelungen ist, das Muldental als Landschaftsschutzgebiet auszuweisen. Bereits 1995 hat er dafür den Antrag gestellt. „Mein schönster Platz ist hier der Aussichtspunkt Bastei – eine wunderbare Sicht auf das Nossener Schloss und das Muldental“, schwärmt er. Leider habe er es als Bürgermeister nicht mehr geschafft, im Muldental einen neuen Rodigtturm zu errichten. Der 14 Meter hohe Eisenturm von 1884, der ebenfalls ein beliebter Aussichtspunkt war, wurde 2006 wegen Baufälligkeit abgerissen. „Das Geld liegt noch bei der Stadt“, sagt Haubner. Bei seiner Verabschiedung als Bürgermeister im April 2006 hätte er die Gäste gebeten, statt Geschenke Geld für einen neuen Turm zu spenden.

Vom Lottogewinn eine AWO gekauft

„Man soll nicht aufgeben, wenn man eine Sache für richtig erkannt hat, man soll beharrlich sein. Und die Menschen einbeziehen, Prioritäten setzen.“ Das sei seine Devise. So hätte er es schon immer gehalten.

Mit einem Treck kam er 1946 mit den Eltern nach Sachsen. Sie wurden aus Schlesien vertrieben. Er war knapp fünf Jahre, lebte dann in einem Barackenlager in Roßwein, hütete Kühe, verzog Rüben. 1961 – er lernte in Roßwein Tapezierer – hatte er Riesenglück. Er gewann 7 000 Mark im Lotto. Davon kaufte er sich eine Sport-AWO, Lederjacke und Möbel. Das übrige Geld sparte er eisern. Als er 1966 heiratete und im selben Jahr ein altes Haus in Nossen erwarb, kamen ihm seine Ersparnisse zugute. Auch später, als er sich in der Muldestadt als Raumausstatter selbstständig machte oder als Bürgermeister von 1990 bis 2006 war es sein Prinzip: „Ich kann nur das Geld ausgeben, was ich erwirtschaftet habe.“

Die Nossener sind dankbar, was er in dieser Stadt nach der Wende geschaffen hat. Bequem war er nie, konnte auch laut und drastisch werden, wenn man ihn über den Tisch ziehen wollte. So zum Beispiel, als nach 1990 westliche Planungsbüros Kläranlagen zu groß dimensionierten, weil dann ihr Gewinn üppiger ausfiel. Oder als er 2002 aushandelte, dass Nossen sich bei der Eingemeindung von Heynitz nicht nur dessen Schulden auflädt, sondern auch Geld für eine bessere Infrastruktur bekommt. „Ich war Bürgermeister mit ganzem Herzen“, sagt er.

Auch seine Familie freut sich sehr, dass Hans Haubner jetzt Ehrenbürger von Nossen wurde. „Mein Lebenswerk wäre ohne meine Frau nicht denkbar. Sie stand mir immer zur Seite, sagt er. Bald sind Hans und Hannelore Haubner 50 Jahre miteinander verheiratet. In den 1960er-Jahren hatte der 20-Jährige seine Hannelore beim Tanz in Augustusberg kennengelernt.