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Der Mann mit der Gold-Diät

Frank Stäbler ist bereits eine Ringer-Legende. Vor der WM hat er nun einen weiteren harten Kampf bestanden: Hungern unter extremen Bedingungen.

Frank Stäbler erringt 2018 den dritten Titel. Jetzt will er noch mehr – und das Ticket nach Tokio.
Frank Stäbler erringt 2018 den dritten Titel. Jetzt will er noch mehr – und das Ticket nach Tokio. © Szilard Koszticsak/MTI/AP/dpa

Sein härtester Kampf beginnt schon Tage vor dem ersten Duell bei der Ringer-WM in Kasachstan. Er wird für Frank Stäbler brutal, denn er tritt gegen seinen Körper an.

Der dreifache Weltmeister muss in kürzester Zeit einige Kilos abnehmen und dann gegen die Besten der Welt bestehen. „Das wird die Hölle“, sagt er. Doch Stäbler lächelt dabei, beinahe so, als kämen ihm vor seiner letzten WM und der erhofften Qualifikation für Olympia diese extrem erschwerten Bedingungen gerade recht.

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„Wenn alle sagen, das ist unmöglich, dann muss ich es der Welt beweisen. Das ist mein großer Ansporn und der Kick“, sagt er. Dann erzählt der willens- und nervenstarke Ausnahmeathlet, was ihn nach seinem Flug in die kasachische Hauptstadt Nur-Sultan – dem bisherigen Astana – erwartete, als er mit der notwendigen Extrem-Diät begann.

„Drei, vier Tage so gut wie nichts mehr trinken und essen, höchstens mal einen Eiweißriegel von 40 Gramm oder einige Hundert Milliliter Wasser. Dennoch wird den ganzen Tag trainiert, dick eingepackt in einen Neoprenpulli und mit einer Schwitzjacke drüber.“ Der Körper werde ausgedrückt wie ein Schwamm. „Da kannst du nicht mehr klar denken, nicht mehr schlafen, nicht mehr schlucken und wünschst dir nur zu trinken. Das ist das Schlimmste.“

Der Körper als Verbrennungsmotor

Der Grund für seine bevorstehende Tortur ist das Reglement, wonach seine gewohnte Gewichtsklasse bis 72 Kilo 2020 in Tokio nicht mehr olympisch ist. Um bei seinen letzten Sommerspielen dabei zu sein, muss er also das Gewicht am Kampftag auf 67 Kilo drücken. Das sind etwa acht Kilo weniger als sein Normalgewicht.

Dieses „Abkochen“ kennt der 30-Jährige. Schon immer hungerte er sich wie die meisten Ringer zum erlaubten Kampfgewicht runter. Doch diesmal ist es anders. Bis 2017 fand das Wiegen nämlich einen Tag vor dem Wettkampf statt. Also hatten die Sportler eine Nacht Zeit, zu essen und sich für den Wettkampf etliche Kilo zurückzuholen. Inzwischen aber steht das Wiegen am Morgen der Kämpfe an, und die Athleten müssen mit jenem Gewicht antreten. 

Noch schlimmer: Weil nach den Vorkämpfen die Duelle um die Medaillen erst am folgenden Tag ausgetragen werden und dann noch mal gewogen wird, kann der Routinier auch nach dem ersten Kampftag kaum etwas essen. Er muss also grundsätzlich, nicht nur kurzfristig runter mit dem Gewicht – was schwierig ist beim Körper eines Leistungssportlers mit nur rund acht Prozent Körperfett. 

Scharfe Gewürze als Katalysatoren

Vier Kilo wurde Stäbler seit Frühjahr dauerhaft los durch eine umfangreiche Diät: Weißer Zucker wurde gestrichen. Abends gab es keine Kohlenhydrate mehr. Scharfe Gewürze und Lebensmittel wie Chili und Ingwer kurbelten den Stoffwechsel an. Dazu gab es spezielle Nahrungsergänzungsmittel und Stoffe wie Jod und Bor. Er musste ein „Verbrennungsmotor“ werden, forderte sein Ernährungsberater.

Diese Phase samt Ayurveda-Diät habe er gut überstanden und fühle sich sogar fitter als je zuvor, berichtete Stäbler. Zuletzt gewann er seine WM-Generalprobe, den Grand Prix in Dortmund.

„Projekt 67“ nennt Stäbler die Mission, die mehrere Ziele hat: Erst muss er die 67 Kilo am Sonntagmorgen beim Wiegen erreichen. Dann will Stäbler in die Medaillenkämpfe, denn damit ist ihm die Qualifikation für Olympia sicher. Und warum nicht den vierten WM-Titel holen? „Frank fährt nicht da hin, um Dritter zu werden“, sagt Jannis Zamanduridis, Sportdirektor des Deutschen Ringer-Bundes. Sorgen um seinen profiliertesten Athleten macht er sich nicht: „Er hat schon mehrfach nachgewiesen, dass er Weltklasse-Leute besiegen kann.“ Und auch, dass er schwitzen kann.

„Früher wurde ich schon mal in der Sauna ohnmächtig, weil ich einfach nicht mehr konnte. Aber dann wurde ich mit Eiswürfeln wachgerüttelt“, erzählte Stäbler. „So extrem kann es wieder werden, aber wir haben ja einen Arzt dabei.“ (dpa)

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