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Pirna

Der Mauerbau zu Heidenau

Seit 2015 wurde an der Elbe gebaut. Der Radweg ist schon seit Dezember frei. Nun ist der Flutschutz wirklich fertig. Fast.

Fast nicht zu erkennen ist die Hochwasserschutzmauer – und die Gäste der Villa Else sehen die Elbe dank der Fenster.
Fast nicht zu erkennen ist die Hochwasserschutzmauer – und die Gäste der Villa Else sehen die Elbe dank der Fenster. © Dirk Zschiedrich

Man nimmt sie kaum wahr, aber man soll sie im Notfall spüren: Die 2,5 Kilometer lange Hochwasserschutzmauer an Elbe und Müglitz in Heidenau. 

Der Notfall, das ist ein Elbpegel von 9,24 Meter oder höher, und den soll es statistisch gesehen nur einmal im Jahrhundert geben. Den Schutzwall haben sich der Freistaat und die EU 27 Millionen Euro kosten lassen.

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Dafür war der Elberadweg fast vier Jahre, zwischen Anfang 2015 und Ende 2018, gesperrt. Was mit dem Baumfällen begann, endete im Dezember mit der Wiederöffnung des Radewegs. Nun gab es am Freitag noch den symbolischen Schlussakt (siehe Beitrag unten). Der hätte schon eher stattfinden können. Schließlich ist die Technik seit April fertig. Doch für den Abschluss eines solch bedeutenden Projektes wollte man viele wichtige Leute zusammenbringen. Die Abstimmungen dafür führten zum 26. Juli. 

Mindestens zwei fehlten trotzdem: der Landrat und Heidenaus Bürgermeister. Die anderen schwitzten und wünschten sich Regen – auch für den Damm, auf dem an der Hafenstraße eine der vier Pumpenstationen steht. Mit ihrer Leistung von 50 Liter pro Sekunde gehört sie zu den kleineren der vier Heidenauer Pumpen. Die an der Papierfabrik schafft 475 Liter pro Sekunde.

Februar 2016: Die Spundwände noch in voller Höhe und unverkleidet an der Villa Else.
Februar 2016: Die Spundwände noch in voller Höhe und unverkleidet an der Villa Else. © Archivfoto: Andreas Weihs

Es war fast auf den Tag genau vor 17 Jahren, als enorm viel Regen fiel. So viel, wie es niemand mehr will. Wenn es doch so kommt, wird Heidenau dank der Mauer besser geschützt sein. Die zwei Durchlässe im Bereich der Villa Else werden dann mit Dammbalken verschlossen. Die lagern in einem Container auf dem Heidenauer Bauhof. Stadt und Feuerwehr haben den Einsatz im vergangenen September getestet und werden das regelmäßig proben.

Doch den absoluten Schutz gibt es auch mit der Millionen Euro teuren Mauer nicht. Und: Der Hochwasserschutz ist eine Generationenaufgabe, sagen alle, die damit zu tun haben. Deshalb ist nach der Mauer vor den nächsten Projekten.

Die Müglitz-Frage

Wie geht es also weiter? Heidenaus stellvertretende Bürgermeisterin Marion Franz scheut sich am Freitag nicht, Umweltminister Thomas Schmidt und dem Chef der Landestalsperrenverwaltung, Heinz Gräfe, die Müglitz-Frage zu stellen. „Die Elbe hört am Ende der Mauer nicht auf“, sagt sie. Immer wieder drängen Anwohner anderer Abschnitte sowie der Müglitz darauf, auch geschützt zu werden. Es vergeht keine Einwohnerversammlung, in der diese Frage nicht gestellt wird.

„Natürlich machen wir weiter“, sagt LTV-Chef Gräfe. Man habe die Müglitz im Blick, sagt die zuständige Betriebsleiterin Birgit Lange. Rund 260 Meter des rechten Müglitzufers werden bereits von einer Spundwand gesichert. Derzeit werden die Modelle für den weiteren Hochwasserschutz weiterentwickelt. 

Juni 2013: Die Malzfabrik und weite Teile von Heidenau stehen nach 2002 erneut unter Wasser. 
Juni 2013: Die Malzfabrik und weite Teile von Heidenau stehen nach 2002 erneut unter Wasser.  © Archivfoto: Daniel Förster

In Heidenau seien die Schäden an der Müglitz so beseitigt worden, dass bereits ein Schutz vorhanden sei, sagt Birgit Lange. Und: Die Müglitz beginnt nicht in Heidenau. Zum Schutz der Anlieger hier tragen unter anderem auch das neue Rückhaltebecken Lauenstein sowie das vergrößerte bei Glashütte bei. „Das Nadelöhr ist Dohna“, sagt Birgit Lange. Aber auch da werde mit der Kommune gemacht, was möglich ist.

Zunächst müssen aber erst noch die Restarbeiten in Heidenau erledigt werden. Dazu gehören die Wege in der Malzfabrik und auf dem zwischenzeitlich genutzten Gelände. Dann sind noch die Beschilderung der gesamten Anlage fertigzustellen und ein Zaun zu bauen. Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was fertig ist. 

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Ein Großteil der Heidenauer Schutzmauer steckt metertief in der Erde. Das, was oben herausguckt, ist verkleidet, vor allem mit Sandsteinen. Manche der nicht von hier stammenden Radler staunen, dass sich dahinter Hochwasserschutz versteckt. Sie sitzen an der Villa Else. Dort, wo 14 verglaste Elemente den Blick auf die Elbe freigeben. Auch das ein Gestaltungselement. Eines, das es ohne die Hochwasserschutzmauer nicht geben würde.

September 2018: Test bestanden. Die beiden Durchlässe werden mit Dammbalken geschlossen. 
September 2018: Test bestanden. Die beiden Durchlässe werden mit Dammbalken geschlossen.  © Archivfoto: Daniel Förster

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