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„Der Mauerfall hat das Leben besser gemacht“

Das sagen drei von vier Deutschen laut einer aktuellen Umfrage. 62 Prozent denken aber auch: Ost-West-Unterschiede überwiegen die Gemeinsamkeiten.

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Für 81 Prozent der Ostdeutschen ist die Friedliche Revolution von 1989  ein Glücksfall.
Für 81 Prozent der Ostdeutschen ist die Friedliche Revolution von 1989 ein Glücksfall. © Wolfgang Kumm/dpa (Archiv)

Durch den Mauerfall am 9. November 1989 ist das Leben in Deutschland insgesamt besser geworden. Das sagten drei Viertel der Befragten (74 Prozent) bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. 

Noch mehr Deutsche (76 Prozent) finden: Die Friedliche Revolution von 1989 war ein Glücksfall, in Ostdeutschland denken das sogar 81 Prozent. „Angesichts der aktuellen Ost-West-Debatten ist es ermutigend, dass die Mehrheit der Menschen die Friedliche Revolution und den Mauerfall vom 9. November 1989 als historischen Glücksfall sehen“, sagte die Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung, Anna Kaminsky.

Zugleich halten aber rund 40 Prozent der Befragten die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland für größer als die Gemeinsamkeiten. In Ostdeutschland sind sogar 62 Prozent dieser Meinung. Interessant: Gerade unter den jüngsten Befragten im Alter von 18 bis 21 Jahren sind die wenigsten der Ansicht, dass das Gemeinsame überwiegt (35 Prozent). Im Gegensatz dazu sagen 75 Prozent der 30- bis 39-jährigen Deutschen, dass sie das Verbindende für dominant halten

Enttäuschung über aktuelle Entwicklungen

„Wir sehen, dass viele Menschen in Ostdeutschland nicht das Gefühl haben, im vereinten Deutschland angekommen zu sein“, erklärte Kaminsky. „Das hat viel mit den hohen Erwartungen an das Leben in der Demokratie und den tatsächlichen Erfahrungen und Enttäuschungen zu tun. Auch die Nachwirkungen des Lebens in der Diktatur darf man hier nicht unterschätzen.“ 

Nicht zuletzt der ökonomische Bereich offenbart noch viele Unterschiede zwischen Ost und West. Zwar haben die so genannten Neuen Bundesländern gegenüber den alten seit 1990 rasant aufgeholt. Doch der Jobmotor der letzten 15 Jahre sprang in Ost und West unterschiedlich an. Stieg die Anzahl der Erwerbstätigen ist im Westen von 2005 bis 2018 von 33 Millionen auf 38 Millionen gestiegen, wuchs sie im Osten lediglich um 300.000 auf 5,9 Millionen.

Die Enttäuschung über aktuelle Entwicklungen dürfe jedoch nicht dazu führen, die 1989 errungenen demokratischen Rechte und Freiheiten gering zu schätzen und die DDR-Zeit im Rückblick zu überhöhen, findet die Geschäftsführerin der Bundesstiftung. „Der 30. Jahrestag des Mauerfalls ist nicht nur ein Grund zum Feiern, sondern er mahnt uns, die Erinnerung an Diktatur und Teilung nicht der Verklärung und Geschichtsklitterung zu überlassen“, sagt Anna Kaminsky. „Die kontroversen Diskussionen zum Jahrestag machen deshalb aus meiner Sicht vor allem deutlich, dass die Aufarbeitung gestärkt werden muss.“