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Der Meister deckt Schwächen auf

Die Footballer der Monarchs kassieren ihre erste Saisonniederlage. Es ist zugleich die deutlichste seit acht Jahren.

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© Robert Michael

Von Alexander Hiller

Das muss jetzt erst einmal sacken. „Wir sind angekommen in der Realität“, bilanzierte Thomas Stantke ernüchtert. Der Assistenztrainer der Dresden Monarchs muss die höchste Niederlage der sächsischen Footballer in der German Football League (GFL) seit 2009 erklären.

Die erlitten die Dresdner am Sonnabend beim deutschen Meister. Gegen die New Yorker Lions aus Braunschweig mussten sich die Gäste mit 7:47 geschlagen geben. Zuletzt hatten die Elbestädter am 29. August gegen die Assindia Cardinals mit 21:69 so deutlich verloren. „Den Geschmack einer so bitteren Niederlage mussten wir lange nicht kosten“, verdeutlicht Stantke.

Zuletzt hatten die Monarchs beim Branchenprimus in Braunschweig immer Duelle auf Augenhöhe geliefert. „Diesmal müssen wir davon ausgehen, dass uns der Gegner in der Endphase noch geschont hat.“ Die Ausgangsbedingungen waren diesmal vielleicht etwas anders. Den Dresdnern fehlten mit Marc Millan (ein Spiel Sperre) und Daniel Stechbarth die vielleicht wichtigstens Akteure im Abwehrverbund. Und im Verlauf des Spiels musste die Dresdner Defense sage und schreibe weitere fünf Verletzungsausfälle hinnehmen. Darunter mit dem US-Amerikaner Kweishi Brown, Benjamin Jähnigen und Niall Scott-Grant weitere Leistungsträger. „Die Defense hat gekämpft, wie es noch ging“, sagte Stantke. Wie schwerwiegend die Verletzungen jedes Einzelnen sind, wird sich in den kommenden Tagen herausstellen. Eine Verletztenmisere käme jetzt gerade zur Unzeit. Von allen Spitzenteams in der Nordstaffel gelten die Dresdner als die Mannschaft mit der dünnsten Personaldecke.

Art und Weise stimmt nachdenklich

Das große Manko war diesmal die Durchschlagskraft der Angriffsreihe – oder vielmehr deren Wirkungslosigkeit. „Unser Spielmacher Garrett Saffron stand ständig unter Druck, deshalb gelang ihm nur wenig. Wir konnten unser Laufspiel einfach nicht etablieren“, monierte Stantke. Die physisch enorm starke Braunschweiger Defense lieferte gegen die Dresdner Angreifer eine bärenstarke Vorstellung.

Nach den leichten drei Auftakterfolgen gegen Hildesheim (62:17, 37:9) und die Berlin Adler (55:17) mutet dieser Auftritt der Monarchs ernüchternd an. „Wir werden jetzt ganz sicher nicht lange Trübsal blasen“, sagt Stantke, „allerdings macht die Art und Weise der Niederlage natürlich nachdenklich. Auch die Spieler. Das gehört im Sport nach solchen Niederlagen auch dazu“. Der eigene Anspruch ändert sich dadurch nicht. Den Monarchs gelang seit 2013 immer mindestens der Einzug in das Play-off-Halbfinale. „Daran haben wir uns gewöhnt – und unsere Fans auch“.

Dennoch ist möglich, dass das Leistungsvermögen der Sachsen in dieser Saison nicht für den Einzug unter die besten vier deutschen Football-Teams reicht. Das Ergebnis in Braunschweig legt diesen Schluss zumindest nahe. „Wir haben im Trainerteam immer davon gesprochen, dass in der Nordstaffel von Platz eins bis fünf alles möglich ist“, bestätigt Thomas Stantke. Von Platz eins müssen sich die Dresdner nach diesem schwarzen Sonnabend von Braunschweig wohl verabschieden und sich auf den Kampf dahinter konzentrieren. Also den Fokus nach vorn richten. Auf das Spiel, das die „Königlichen“ dazu auserkoren haben, im modernen DDV-Stadion ausgetragen zu werden.

Am Sonnabend (18 Uhr) empfangen die Dresdner den alten Rivalen Kiel Baltic Hurricanes. Die Norddeutschen sind es, die nun mit ebenfalls 8:0 Punkten der härteste Verfolger von Braunschweig sind. Für das Team von Cheftrainer John Leijten ist dieses Heimspiel demnach zweifellos ein wegweisendes. „Wir müssen uns jetzt alle fragen, was wir besser machen können. Und das dann am Sonnabend zeigen“, verdeutlicht Thomas Stantke.