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Hoyerswerda

„Der Mexx hat mein Leben gerettet“

Lilli Altnickel aus Wittichenau ist ihren Nachbarn dankbar – und vor allem einem neun Monate jungen Hund.

Lilli Altnickel (85) lebt seit 2007 am Ticinplatz in Wittichenau. Voriges Jahr im Dezember stürzte sie schwer. Dank aufmerksamer Nachbarn und Hund Mexx blickt sie wieder mit Zuversicht nach vorn. Darüber freut sich auch Bürgerpolizistin Kristin Hänsel.
Lilli Altnickel (85) lebt seit 2007 am Ticinplatz in Wittichenau. Voriges Jahr im Dezember stürzte sie schwer. Dank aufmerksamer Nachbarn und Hund Mexx blickt sie wieder mit Zuversicht nach vorn. Darüber freut sich auch Bürgerpolizistin Kristin Hänsel. © Foto: Andreas Kirschke

Wittichenau. Ein Sturz überschattete die Geburtstagsfreude. Lilli Altnickel widerfuhr er mitten in der Nacht. „Noch am 2. Dezember feierte ich mit Freunden meinen 85. Geburtstag. Am 3. Dezember telefonierten wir. Es war so schön gewesen“, erzählt die Wittichenauerin, die seit 13 Jahren am Ticinplatz in einem Mehrfamilienhaus wohnt. In der Nacht zum 4. Dezember ging sie gegen 23 Uhr schlafen. In der Küche wollte sie noch etwas trinken. Unverhofft stürzte sie am Schrank. „Ich bin unglücklich umgeknickt“, schildert sie. „Das linke Knie schmerzte stark. Mein Becken war angebrochen, die linke Schulter gesplittert.“

Fast eine Stunde brachte sie auf dem Fußboden zu. Behutsam tastete sie sich vor zur Tür. Dort bekam sie ihren Stock zu fassen. Mit dem klopfte sie gleichmäßig an die Wohnungstür. Im Haus fiel das anfangs keinem auf. Ganz oben wohnen Mona Paschke und ihr Mann Benny mit dem Hund Mexx. Dieser kennt und mag Lilli Altnickel. Die tierliebe Rentnerin schloss ihn vor Monaten sofort ins Herz. Der erst neun Monate junge schwarze Bolonka-Mix-Welpe spitzte in der Nacht zum 4. Dezember besonders die Ohren. „Ich las noch ein wenig. Mexx bellte und hörte gar nicht mehr auf“, erzählt Mona Paschke. Sie schaute nach, was wohl die Ursache für die Aufregung ihres Hundes sein könnte. Im Haus bei Lilli Altnickel wurde sie fündig. Sofort verständigte sie mit ihrem Mann den Notruf.

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Lilli Altnickel musste ins Klinikum Hoyerswerda. Einige Tage lag sie in der Chirurgie, anschließend in der Geriatrie. Daraufhin erhielt sie bei der Awo in Hoyerswerda eine Kurzzeitpflege. „Seit Mitte Januar bin ich wieder zu Hause“, erzählt die Rentnerin. Darüber freute sie sich unendlich. Allmählich lernt sie nun wieder laufen. Vorläufig ist sie noch auf den Rollstuhl angewiesen. Sie erhält Physiotherapie. Behutsam will sie wieder lernen, Treppen zu steigen. „Die Zuversicht kehrt zurück. Ich habe immer einen Witz auf der Zunge“, frohlockt die Rentnerin. „Ich fühle mich gut aufgehoben hier im Haus.“

Drei Berufe übte Lilli Altnickel in ihrem früheren Arbeitsleben aus. 1948, nach der Schule, lernte sie zunächst Betriebsschlosserin im damaligen BKW Glückauf Knappenrode in der Lehrwerkstatt. Oft fuhr sie im Sommer als Betreuerin mit in die Kinderferienlager ihres Betriebes. Dort ermutigten sie Kollegen, in die Pädagogik umzusteigen. „So wurde ich Pionierleiterin in der damaligen Polytechnischen Oberschule Wittichenau“, erinnert sie sich. „1966 folgte mein Fernstudium. Ich wurde Unterstufen-Lehrerin. Außer den Grundfächern Deutsch und Mathe damals für die 1. bis 4. Klasse unterrichtete ich auch Sport und Schulgarten. Später, bis zur Wende 1989, leitete ich den Hort in der Schule.“ Im Ruhestand füllten sie vor allem der Garten und die Tierliebe intensiv aus.

Nach dem überstandenen Sturz blickt sie zuversichtlich nach vorn. Dankbar ist sie für Nachbarn wie Mona Paschke und deren Mann Benny. Dankbar ist sie Heidi Scholtissek und Ines Schawinski, die ihre Hausordnung erledigen. Dankbar ist sie auch Bürgerpolizistin Kristin Hänsel und ihren Kollegen Sven Czorny und Kathrin Petsch. „Sie haben immer ein offenes Ohr für mich“, meint Lilli Altnickel. „Dankbar bin ich aber vor allem Mexx. Der hat alles in die Wege geleitet. Der Mexx hat mein Leben gerettet. Ich hätte wohl bis zum Morgen hilflos in meiner Wohnung gelegen ...“

Kristin Hänsel, seit Oktober 2013 Bürgerpolizistin in Wittichenau und Oßling, freut sich über die Achtsamkeit im Haus. Gute Nachbarschaft, so unterstreicht sie, beugt Notfällen, Bränden und Einbrüchen vor. Gute Nachbarschaft handelt sofort. Sie verliert keine großen Worte. „Wer seine Nachbarn kennt, baut Vertrauen auf. Und diese Vertrauensbasis stärkt für den Alltag“, meint die Bürgerpolizistin und bekräftigt: „Hilfe kann jeder gebrauchen. Jedem kann im Alltag ein Unfall passieren.“