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Der mit dem Bär steppt

Der Pirnaer Kürschnermeister Klaus Nitzsche näht ein Bärenkostüm für Schauspieler in Bischofswerda – in aufwendiger Handarbeit.

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Von Michael Rasche

Braunes, glänzendes Fell, gefährliche, weiße Zähne im roten Maul, dunkle Augen: Es scheint, als hätte ein großer, wilder Bär das Pelz-Geschäft von Kürschnermeister Klaus Nitzsche in Pirna besetzt. „Das ist aber nur ein Kostüm für die Karl-May-Festspiele in Bischofswerda“, erklärt der 63-Jährige lächelnd.

Eine ganze Arbeitswoche hat er an dem Auftrag für die „kleinsten und jüngsten Karl-May-Festspiele Deutschlands“ gearbeitet. „Ich musste mir erstmal ein Bild machen, wie so ein Tier überhaupt aussieht.“ Klaus Nitzsche hat sich Fotos von den bisherigen Kostümen schicken lassen, aber die fand er eher peinlich, sie hatten nicht viel mit einem Bären gemeinsam. Seit 1993 führen auf der Stadtwaldbühne in Bischofswerda Kinder und Jugendliche Stücke von Karl May auf. Bisher nutzte der Bärendarsteller selbst gebastelte oder alte Theater-Kostüme. Nun soll es wirklichkeitsgetreuer werden. Klaus Nitzsche hat also Naturfilme aus Kanada angesehen – „da sind die Bären aber nur beim Fische fangen zu beobachten“. In den Kinderbüchern des Enkelkindes wiederum fand der Pelzmacher nur Teddybären. „Die haben runde, helle Ohren und somit nichts mit dem bösen Tier bei den Festspielen gemein.“ Dann schickten die Bischofswerdaer Bilder von echten, wilden Bären. Die wurden zur Vorlage für die neue Verkleidung.

Klaus Nitzsche begann, ein Muster für das Kostüm zu zeichnen. Der Körper, die Füße, alles schnell aus Pelzimitat gemacht. Aber der Kopf: Über die Hälfte der Arbeitszeit hat er für ihn gebraucht. Auf der Bühne wird der Bär mit einem Krieger kämpfen, also muss das Maul offen sein, das Gesicht böse aussehen. Klaus Nitzsche musste auch an den Schutz des Stuntmen denken, der dann im Kostüm kämpft. „Erst wollten wir die Schnauze mit einem Plastikrohr verstärken. Wäre der Schauspieler gestürzt, hätte er sich dann allerdings das Gesicht zerschnitten.“ Also wurde die Schnauze aufwendig aus Schaumstoff und Leder konstruiert.

Für die Augen, die Ohren, die Höhe der Stirn hat er sich bei seiner Frau und der Mitarbeiterin seines Pelzgeschäfts Rat geholt. „Das muss alles passen, echt aussehen. Das können mehrere kritische Blicke besser beurteilen“, sagt der Kürschnermeister. Die Augen einen Zentimeter gedreht, schon schielen oder lächeln sie. Aber der böse Blick ist gefragt, im Juli bei den Festspielen in Bischofswerda. Zehn Mal werden die Kinder da den Schatz im Silbersee aufführen. Gut 3 000 Zuschauer werden dabei den in Pirna entstandenen Bären sehen. Klaus Nitzsche und seine Frau werden auch einmal dabei sein.