merken
PLUS

Der Moderator

Andreas Langhammer ist seit 100 Tagen Bürgermeister von Rammenau – und setzt verstärkt auf soziale Netzwerke.

© Steffen Unger

Von Nicole Preuß

Wir geben Geschichten aus Sachsen eine Bühne.

Hinsehen, Zuhören, Lösungen finden - gemeinsam. Sachsen besser machen!

Rammenau. Es vergeht kaum ein Tag, an dem Andreas Langhammer nichts postet. Der neue Bürgermeister von Rammenau hat sich ähnlich wie Bischofswerdas Oberbürgermeister Holm Große einen eigenen Facebook-Auftritt für sein Amt angelegt. Die erste Bürgermeisterkonferenz, die Gratulation zum 80. Geburtstag und die Jahreshauptversammlung der Feuerwehr. Der 42-Jährige hält alles fest, manchmal auch mit Selfies, und bedient nebenbei auch noch seinen privaten Account. Der Bürgermeister nutzt damit die Sozialen Medien so gezielt wie nur wenige seiner Amtskollegen in der Region.

Das passt. Denn der Chef von Sachsenfenster, der seit 100 Tagen ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde ist, setzt vor allem auf den Austausch. „Ich sehe mich als Moderator“, sagt er. „Ich will vermitteln und erklären.“ Manchmal auch, dass nicht alles sofort geht. Zum Beispiel der Bau des Radwegs. Andreas Langhammer hatte im Wahlkampf versprochen, dass er sich für einen Radweg an der Staatsstraße nach Hauswalde einsetzen will. Doch das ist nicht so einfach. Der Freistaat wäre dafür zuständig. „Da gehört ein Fahrradweg hin, doch es liegt nicht in der Hand der Gemeinde“, sagt der Bürgermeister. Er könne den Wunsch nur immer wieder äußern.

Persönliche Kommunikation bevorzugt

Der Unternehmer setzt aber auch auf die persönliche, unmittelbare Kommunikation. Jeden Donnerstagnachmittag lädt er zur Sprechstunde ins Gemeindeamt nach Rammenau ein. Regelmäßig bietet er zudem Einwohnerversammlungen in den verschiedenen Ortsteilen der Gemeinde an. Er unterstützt den Judoverein Rammenau als Zuschauer bei der Landesmeisterschaft und fährt auch immer wieder zu Ehejubiläen. „Ich nutze das ganz gern, um die Menschen kennenzulernen und die Geschichten des Ortes zu hören“, so der neue Bürgermeister.

Andreas Langhammer kommt aus Zittau, 2013 wurde er Geschäftsführer im Rammenauer Fensterwerk, 2015 kaufte er den Betrieb, sicherte damit 70 Jobs und entwickelt stetig das Unternehmen weiter. Die Aufgaben des Geschäftsführers und Firmeninhabers sind allein schon tagfüllend. Das Amt des Bürgermeisters kommt nun noch dazu. Doch Andreas Langhammer versteht es, sich zu organisieren. Jeden Wochentag ist er von zehn bis elf Uhr im Gemeindeamt und kümmert sich um die anstehenden Aufgaben, Abendtermine kommen dazu. Er hat das Büro von seiner Vorgängerin Hiltrud Snelinski übernommen, doch ist gar nicht dazu gekommen, es einzurichten. „Das war alles schon so“, sagt er. Sogar die Gitarre, die in einer Ecke lehnt, hat er sozusagen mit übernommen, obwohl er darauf gar nicht spielen kann.

Die Herausforderungen liegen sowieso woanders. Ins Gemeinderecht musste er sich zum Beispiel erst einmal einlesen. „Ich hab die Sächsische Gemeindeordnung durchgearbeitet – noch trockener, als es sich anhört“, sagt er. Die Mitarbeiter der Gemeinde und der Stadt Bischofswerda im Rahmen der Verwaltungsgemeinschaft helfen dem Verwaltungsneuling, sich einzuarbeiten und Aufgaben zu bearbeiten. „Das Miteinander merkt man und das vereinfacht ungemein.“ Denn der Gemeinderat und der ehrenamtliche Bürgermeister haben in diesem Jahr eine Reihe von Aufgaben zu erledigen.

Hoffnung auf Freie Schule bleibt

Es gilt zum Beispiel, eine Nachnutzung für die alte Schule an der Hauptstraße zu finden. Die Gemeinde hat bereits ein Konzept erarbeitet, das Seniorentagespflege, Gewerbe und Mietwohnraum vorsieht. Das hat der Gemeinderat bereits vor der Wahl des Bürgermeisters angeschoben. Eine Baugenehmigung liegt jetzt vor. Es muss aber noch besprochen werden, wie das Projekt finanziert werden kann oder welcher Träger das übernehmen könnte. Zudem hat man die Hoffnung auf eine eigene Schule in freier Trägerschaft noch nicht aufgegeben. Das Zeitfenster dafür ist aber recht kurz. Da trotzdem Wohnraum für Ältere geschaffen werden soll, damit die Rammenauer im Alter im Ort bleiben können.

Dieses Jahr stehen zudem auch die ersten Planungen für den Bau des Kreisverkehrs an. Dort ist zwar der Freistaat zuständig, die Gemeinde möchte aber parallel dazu Rad- und Fußweg erneuern. Ein wichtiges Projekt ist auch die Erschließung des Wohngebiets am Burkauer Weg. Sechs Parzellen sollen zur Verfügung stehen. „Und die Nachfrage ist größer als das Angebot“, sagt der Bürgermeister. Zudem wird die 790-Jahr-Feier von Rammenau vorbereitet. Arbeitsgruppen aus der Gemeinde beschäftigen sich bereits seit einigen Monaten damit. Das Jubiläum gipfelt in einem Festwochenende im Juni.

Eine Aufgabe für die Zukunft ist die Erweiterung der vorhandenen Kita. 80 Plätze stehen zur Verfügung, das sind perspektivisch zu wenige. „Wir müssen uns Gedanken machen, wie es mit dem Kindergarten weitergeht.“ Davon abhängen wird auch ein Konzept für das gesamte Areal – Kita, Schule, betreutes Wohnen und Tagespflege. Da könnten sich Synergieeffekte ergeben. „Wir müssen uns natürlich auch um die Älteren kümmern.“ Die gute Arbeit seiner Vorgängerin macht es Andreas Langhammer insgesamt leicht, sich einzuarbeiten. Baustellen gibt es nicht.