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Der musikalische Gärtnermeister

Jörg Kohout managt neben seinem Gartencenter in Prietitz auch die Bautzener Band Wolkenflug. Mit Erfolg.

© es gelten meine agb.

Von Manuela Reuß

An manchen Tagen hätte Jörg Kohout gern einen Doppelgänger. Dann könnte er an zwei Orten gleichzeitig sein. Zum Beispiel in seiner Baumschule in Prietitz und in Berlin, beim größten deutschen Konzertveranstalter, der Deutschen Entertainment AG. Bei Letzterem trifft man den Wohlaer Unternehmer in letzter Zeit immer öfter an. Nicht etwa, um Büros mit Grünpflanzen zu versorgen oder die Außenanlage zu gestalten, sondern, um auf ein besonderes musikalisches Pflänzchen aus Bautzen aufmerksam zu machen. Auf die Band Wolkenflug.

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Ein sonniger Tag tut Körper und Geist gut. Doch ob auf dem Balkon, im Garten oder am Wasser: Hautschutz ist dabei unerlässlich.

Die Konstellation ist außergewöhnlich und sorgt auch schon für Erstaunen. Kein Wunder. Eine Band, deren Manager Gärtner ist, findet man wohl kaum ein zweites Mal. Ein Toningenieur beim ZDF, zu dem Jörg Kohout die Musiker seinerzeit schleppte, um Sound-Tipps zu bekommen, erklärte schlankweg, es sei ihm in 30 Jahren Arbeit in der Musikbranche noch nie untergekommen, „dass ein Gärtner mit seiner Band angelatscht kommt“. Fragt man den Wohlaer, wie dies entstand, holt er weit aus:„Das ist eine verrückte Geschichte.“

Sie begann damit, dass ihn sein Cousin vor dreieinhalb Jahren fragte, ob er nicht den Auftritt einer Band im Bautzener Brauhaus aufnehmen könnte. „Er wusste, dass ich leidenschaftlich gern fotografiere und filme.“ Jörg Kohout sagte zu, obwohl er Wolkenflug bis dato überhaupt nicht kannte. Die Musik begeisterte ihn und so fand man schnell einen Draht zueinander. Der Handwerksmeister schlug den Musikern vor, doch mal ins Tonstudio zu gehen, „denn die Aufnahmen waren qualitativ nicht so gut.“ Das habe er sofort festgestellt, auch wenn er kein Musiker ist, erzählt Jörg Kohout, der seit frühester Jugend eine Affinität zur Musik besitzt. Bereits als 16-Jähriger baute er sich selbst Kopfhörer in seinen Integralhelm, legte als DJ Platten auf und besaß eine der größten Plattensammlungen der damaligen Zeit.

Aus finanzieller Sicht war an einen Tonstudio-Besuch vor dreieinhalb Jahren aber nicht zu denken. Also bot der Wohlaer an, seine Kontakte zu nutzen. Durch seinen Beruf und seine Leidenschaft für exotische Pflanzen, die er in der ganzen Welt sammelt, war der Gärtnermeister schon in Sendungen bei ZDF, ARD, Bayrischem Rundfunk und MDR. Doch so richtig kam die Zusammenarbeit nicht in Gang.

Anderthalb Jahre später fand man wieder zusammen. Jörg Kohout fragte Bandchef Klaus Peickert, ob er Musik zur Untermalung seiner Firmen-Hompage komponieren könnte. Es war, als ob man gerade mal eine Woche nichts voneinander gehört hat, erzählt Jörg Kohout. „Die Chemie stimmte sofort wieder.“ Klaus Peickert erzählte, dass die Band jetzt eine CD habe. Die Musik gefiel dem Wohlaer nach wie vor, auch das Thema Tonstudio stand noch immer. Also nahm Jörg Kohout die Sache in die Hand, fand Sponsoren. Gemeinsam brachte man die Single „Herzsturm“ heraus. Noch allein. Ohne Produzenten. „Herzsturm kam ziemlich weit“, erinnert sich der Manager. Radio Elsterwelle und Radio Lausitz spielten den Titel, die Single wurde in größeren Musikläden verkauft.

Doch Jörg Kohout ahnte, dass in Wolkenflug mehr steckt. Nicht nur, weil deutscher Balladenrock, dem sich die Band verschrieben hat, im Trend liegt. Sondern weil die Musiker selbst eine ungewöhnliche Geschichte haben. Bei der Bautzener Band stehen Vater, Mutter und Tochter auf der Bühne. Klaus Peickert (58) schreibt die Songs, Tochter Kristiane (20) ist Sängerin, Mutter Julie (54) singt im Backround. Gitarrist Ivo (38) gehört seit Bandgründung vor acht Jahren dazu. Inzwischen komplettieren Bassist und Keyborder die Truppe.

Mit der Single im Gepäck bewarb der Manager sich für Live-Auftritte. Die Ostsächsische Sparkasse, einer der Hauptsponsoren, gab der Band eine Bühne. Auch in der Energiefabrik, beim Froschlauf oder Bautzener Frühling trat sie auf. Diesmal ist Wolkenflug beim Bautzener Frühling sogar auf der Hauptbühne zu erleben. Aber bei großen Veranstaltern und Agenturen blitzte Jörg Kohout regelmäßig ab. Gefühlte tausend E-Mails setzte der Manager ab, schrieb jeden ihm bekannten Radiosender an. Umsonst. „Das war schon deprimierend.“ Deshalb suchte Jörg Kohout nach professioneller Hilfe. Nach Leuten, die der Band unter die Arme greifen. In Bonn, im Tonstudio, wo ZDF- und MDR-Produktionen entstehen, fand er erste Unterstützung. Der eingangs erwähnte verblüffte Tontechniker ermunterte den Gärtner, doch mal mit der Band vorbeizukommen. „Toningenieure hören jeden Fehler in Stimme und Sound.“

Und Jörg Kohout lernte über äußerst verschlungene Pfade Florian kennen. Einen Spiegel-Reporter, der unzählige Jahre für die DEAG, die Deutsche Entertainment AG arbeitete. Er bot seine Hilfe als Berater an. „Ich musste unheimlich viel lernen.“ Die Musikbranche unterliege eigenen Gesetzen. Wenn man da nicht weiß, wen man gezielt ansprechen muss, habe man verloren. Deshalb war Jörg Kohout dankbar über jede Hilfe, die er erhielt. Mit Florians Unterstützung bekam er die Bandfotografin von Silbermond für ein Foto-Shooting. Denn bis dato stammten alle Aufnahmen auf der Homepage von Fans oder von Jörg Kohout. Die Stylistin von DJ Kalkbrenner und eine Top-Modedesignerin sorgten für ein professionelles Outfit. In Hamburg gab es ein Treffen mit der Songschreiberin von Peter Maffay und Howard Carpendale. Sie feilte mit Bandchef Klaus Peickert an den Texten. All das half dabei, mit Achim Köllner einen guten Produzenten zu engagieren. Die erste gemeinsame Produktion „Kleine Wunder“ hat alle Chancen in die Charts zu kommen. Und plötzlich öffnete sich auch bei der DEAG eine Tür. Jörg Kohout bekam anderthalb Stunden Zeit, seine Musiker vorzustellen. „Tausende Bands bewerben sich dort im Jahr. Zwei werden genommen“, weiß der Gärtnermeister.

Für „Kleine Wunder“ hätte Wolkenflug sofort einen Singlevertrag bekommen können. Doch die DEAG wollte wissen, ob die Bautzener noch mehr gute Titel machen können. Also ackerten die Musiker wochenlang im heimischen Wohnzimmer. Inzwischen wurden in Hamburg „Zu den Sternen fliegen“ und „Hey, mein Freund“ produziert. Vorige Woche Dienstag forderte der Sender Radio FM eine Sende-Erlaubnis für „Zu den Sternen fliegen!“ an. „Fans hatten an den Sender geschrieben“, erzählt der Manager stolz. Er stellt die neuen Titel nun bei DEAG, Maxi-Media und Co. vor. Angesichts der vielen Termine käme ihm ein Doppelgänger manchmal gerade recht.