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Feuilleton

Der nächste große Umbau im Dresdner Schloss

Bisher waren die Fenster über dem Fürstenzug zugemauert. Das ändert sich jetzt. Dahinter befindet sich ein neuer Ausstellungsraum - der Lange Gang. 

Der Fürstenzug vor der Sanierung des Langen Gangs: Die Fenster waren zugemauert und mit Fliesen verziert. Jetzt lässt jedes zweite Fenster wieder Licht hinein.
Der Fürstenzug vor der Sanierung des Langen Gangs: Die Fenster waren zugemauert und mit Fliesen verziert. Jetzt lässt jedes zweite Fenster wieder Licht hinein. © ddp

Der berühmte Dresdner Fürstenzug hat echte Fenster bekommen, und keiner hat es gemerkt. Der gebildete Sachse, der sonst jede Veränderung am Dresdner Residenzschloss oder einer anderen baugeschichtlichen Ikone messerscharf hinterfragt, nahm diese Veränderung gelassen hin. 

Bisher waren die Fenster überm Fürstenzug zugemauert und mit Fliesen verkleidet. Jetzt lässt jedes zweite wieder Licht durch mundgeblasene Butzenscheiben. Dahinter befindet sich der Lange Gang. Gebaut wurde er 1586 bis 1590, damals mit Fenstern, als kurfürstlicher Reitstall. Pferde und Kutschen waren im Erdgeschoss untergebracht, das Zaum- und Reitzeug lagerte im Obergeschoss.

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Zwischen 1730 und 1733 ließ August der Starke auf das Stallgebäude ein weiteres Stockwerk aufsetzen und den Langen Gang zur Gewehrgalerie umfunktionieren. Dann starb er. So richtig präsentierte also erst sein Sohn das Gewehr, also die königlichen Langfeuerwaffen. Kostbarste Schießeisen waren das, mit Silber beschlagen, mit Elfenbein verziert, wie es sie in ganz Europa nicht allzu häufig gab. Eigentlich viel zu schön, um von Friedrich August und Maria Josepha – das sind die beiden, die dieses Jahr 300. Hochzeitstag haben – jeden Herbst ins Jagdschloss Hubertusburg mitgenommen und dort im Wermsdorfer Wald auf Wildschwein, Reh und Hirsch abgefeuert zu werden. Diese Langwaffen, knapp 900 Gewehre sind erhalten, wurden und werden in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gehegt und gepflegt. Etwa 500 davon sollen ab Frühjahr 2020 Platz finden in der neuen, alten Gewehrgalerie im Langen Gang, inklusive Pistolen, kündigte Dirk Syndram, Direktor der Dresdner Rüstkammer und des Grünen Gewölbes, am Montag an.

Sachsens Finanzminister Matthias Haß hatte die Presse zu einem Baustellenrundgang eingeladen und freute sich vor allem über die wunderschönen Renaissancedeckenplatten, die erst vor Kurzem eingebaut wurden. Fünf Restauratoren und Theatermaler haben diese 84 Holzkassetten nach einer farbigen Fotovorlage aus den Jahren 1943/44 rekonstruiert: Mit Blüten, Obst und Gemüsearrangements, Löwen, Hunden, Kriegerbildnissen und illusionistischen Architekturornamenten. Elf Millionen Euro wird die Rekonstruktion der Gewehrgalerie nach dem historischen Vorbild von 1733 und ihre Ertüchtigung zum modernen Museumsraum kosten, finanziert von Bund und Freistaat. Gut angelegtes Geld, wie bei allen Kulturbaustellen, die seit Jahrzehnten in der Verantwortung des Sächsischen Immobilien- und Baumanagements (SIB) vollendet wurden.

Noch ist diese Computeranimation Zukunftsmusik. Im Frühjahr 2020 soll die Gewehrgalerie im Langen Gang für Besucher zugänglich sein. 
Noch ist diese Computeranimation Zukunftsmusik. Im Frühjahr 2020 soll die Gewehrgalerie im Langen Gang für Besucher zugänglich sein.  © SIB Niederlassung Dresden I/Entwurf: Arte4d Andrea

Der 105 Meter lange und fünf Meter breite neue Museumsraum der Rüstkammer wird für die Besucher vom Georgenbau, genauer von der Ausstellung „Weltsicht und Wissen“, aus zugänglich sein.

Die Tür an der anderen Schmalseite, es ist die zum Johanneum, bleibt geschlossen. „Das ist eine Aufgabe für künftige Generationen“, sagt Dirk Syndram. Allerdings vergaß er natürlich nicht zu erwähnen, dass das Johanneum, in dem das Dresdner Verkehrsmuseum sein Domizil hat, einst der „Nukleus der Staatlichen Kunstsammlungen“ war. „Das Johanneum mit der Rüstkammer war das erste öffentliche Museum“, sagte Syndram. „Und die Gemälde, von denen Goethe einst schwärmte, hingen hier.“ 1747 war die Dresdner Gemäldegalerie in das in den 1730er-Jahren gebaute Dachgeschoss über dem Langen Gang eingezogen. Sie war dort bis 1855 zu bewundern, bevor Gottfried Semper mit der Galerie am Zwinger den Bildern ein neues Zuhause gebaut hatte.

Jetzt werden in den Langen Gang ein paar Gemälde aus der Ahnengalerie der Wettiner integriert und siebzehn große Wandvitrinen für die neue Waffenschau klima- und sicherheitstechnisch vorbereitet. Sie sollen so gekonnt mit Licht ausgestattet werden, dass trotz der Vielzahl der Waffen die Besucher deren Einzigartigkeit bewundern können. Auch das Tageslicht wird dazu beitragen. Jeder Wandvitrine liegt nun ein Fenster gegenüber.

Die kostbaren Objekte werden in ihren Vitrinen beste Bedingungen bekommen. Vor allem, weil der Lange Gang ein klimatisch schwieriger Gebäudeteil ist und nicht auf die in Museen üblichen konstanten 20 bis 22 Grad eingestellt werden kann. Sind die Temperaturunterschiede zwischen drinnen und draußen zu groß, gibt es Spannungen in den dünnen Wänden. Und die könnten für den Fürstenzug und dessen Fliesen aus Meissener Porzellan kritisch werden, erklärte Ulf Nickol, Leiter der SIB-Niederlassung Dresden I.

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