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Der Neue

Jens Hommel ist jetzt Geschäftsführer der Hillerschen Villa. Er will andere Akzente setzen

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Von Jan Lange

Wer neu mit unbekannt gleichsetzt, der liegt bei Jens Hommel vollkommen falsch. Der 55-Jährige ist zwar der neue Geschäftsführer der Hillerschen Villa Zittau, aber ein Unbekannter ist er hier längst nicht. Seinen ersten Kontakt mit dem Multikulturellen Zentrum (Muk) hatte der gebürtige Dresdner schon 1992. Seinerzeit steckte die Einrichtung noch in den Kinderschuhen.

Hommel baute damals ein Bildungswerk auf, aus dem die Heinrich-Böll-Stiftung in Sachsen entstand. Deren Geschäftsführer war er 15 Jahre lang. Er war einer der Pioniere der politischen Bildungsarbeit im Freistaat. Und dadurch entwickelte sich schnell eine Verbindung nach Zittau. „Witzigerweise war das erste Projekt, welches wir gefördert haben, ein Projekt des Multikulturellen Zentrums zu den Rechten von Flüchtlingen“, erinnert sich Hommel gern an jene Zeit. Jetzt, 23 Jahre später, als neuer Geschäftsführer der Hillerschen Villa treibt den ausgebildeten Pädagogen das Thema erneut um. Seit es wieder ein Asylbewerberheim in der Stadt Zittau gibt, haben regelmäßig Flüchtlinge Hilfe in der soziokulturellen Einrichtung gesucht, einzelne Migranten wirkten sogar in Theaterprojekten der Hillerschen Villa mit.

„Die Migrationsarbeit, so wie ich es einschätze, hat sich müde gelaufen“, findet der neue Chef. Das liege keinesfalls an den Mitarbeitern. Vielmehr führte die Selbstverständlichkeit, diese Aufgabe zu übernehmen, zu einer Überforderung. Aus dem Grund muss laut Hommel darüber nachgedacht werden, was das soziokulturelle Zentrum auf dem Gebiet leisten kann und will. „Alle Flüchtlinge zu betreuen, geht nicht“, ist er sich sicher. Das wäre in seinen Augen eine Selbstüberschätzung.

Vorstellen kann sich Jens Hommel, dass die Hillersche Villa den Migranten, die länger bleiben, mit ihren eigenen Mitteln Türen zur städtischen Gesellschaft öffnet. „Das kann durchaus auch eine Aufgabe für alle Mitarbeiter am Haus sein“, findet der 55-Jährige. Die professionelle Betreuung der Asylbewerber muss dagegen in profesionelle Hände gelegt werden.

Die Alternative wäre in seinen Augen, dass die Hillersche Villa einen professionellen Bereich für die Flüchtlingsbetreuung aufbaut. Derzeit gebe es diese Strukturen noch nicht. Allerdings müsse vor dem möglichen Aufbau neuer Aufgabenbereiche klar sein, „wo die Entwicklungen hingehen“ und was es bereits für Strukturen in der Stadt gibt. Eine Konkurrenz zu anderen aufbauen, wolle er nicht. Vielmehr sieht er in anderen Aktiven potenzielle Kooperationspartner. Ganz entscheidend sei es aber aus seiner Sicht, aus der Falle, die können das doch leisten, herauszukommen.

Nicht nur die Migrationsarbeit soll unter Hommels Führung auf den Prüfstand. Derzeit werden alle Arbeitsbereiche und Angebote genauer unter die Lupe genommen. Angefangen beim Kronenkino über das Cafe Jolesch bis hin zum Begegnungszentrum in Großhennersdorf, das ebenfalls zur Hillerschen Villa gehört. Dabei gebe es keine Tabus. Weder für eine Umstrukturierung, noch für einen Neuaufbau. „Ich wünsche mir, dass neue Angebote so aufgebaut und alte so umstrukturiert werden, dass sie zusammenarbeiten können“, erklärt Jens Hommel. Eine konzeptionelle Herausforderung. Bunt sein allein, ist dem neuen Geschäftsführer zu wenig. „Es muss immer eine Idee dahinter sein, was man damit in der Region erreichen will“, findet Hommel.

Es gebe aber keinen Bereich, in dem schlechte Arbeit geleistet wird, betont der 55-Jährige. Vielmehr schätze er das, was die Mitarbeiter in den mehr als 20 Jahren gemacht haben. „Das ist keine Selbstverständlichkeit“, so Hommel. Es sei immer mehr gewesen, als nur mal eben ein Projekt zu machen, weil gerade Geld vorhanden ist. „Da war mehr Seele drin“, findet er. Und genau deshalb kam er seit den 1990er Jahren regelmäßig nach Zittau – in jüngerer Zeit konzipierte und leitete er in der Mandaustadt beispielsweise das „Fastentuch“- und das Phänomenal“-Projekt.

Letztlich sei das Engagement der Mitarbeiter der Anstoß gewesen, sich um die freiwerdende Stelle als Geschäftsführer der Hillerschen Villa zu bewerben. Er bezeichnet es als eine große Lebensentscheidung. Schließlich ist er in einer Großstadt aufgewachsen und lebte später immer wieder in größeren Städten wie Leipzig, Jena oder Freiburg (Breisgau). Und der Jüngste ist er mit 55 auch nicht mehr. Aber nach fünf Jahren als Freiberufler verspürte er wieder Lust, Beziehungen im Arbeitsleben zu stiften. Also zog er von österreichischen Graz, wo er zuletzt die Fotoausstellung „Der Widerstand der Kärntner Slowenen gegen das NS-Regime“ realisierte, an die Mandau.

Eines hat er sich für seine neue Tätigkeit bereits fest vorgenommen: Die Zittauer Filmnächte sollen weiterentwickelt werden. Es gibt schon einige Zeit die Überlegung, das Open-Air-Kino durch Konzerte und andere Veranstaltungen zu ergänzen. Hommel wird also auf jeden Fall im soziokulturellen Zentrum neue Akzente setzen.