Merken
PLUS Plus

Der Neue hat schon die Wismut-DNA

Nobody Tomislav Stipic soll Erzgebirge Aue vor dem Abstieg aus der zweiten Liga retten.

© dpa

Von Tina Hofmann

Fußball-Zweitligist FC Erzgebirge Aue hat gestern mit Tomislav Stipic einen neuen Trainer verpflichtet. Der 35-Jährige soll das schwer angeschlagene Zweiltiga-Schlusslicht wieder auf Kurs bringen. Der Kroate tritt die Nachfolge von Falko Götz an, der am vergangenen Dienstag beurlaubt worden war. Der Vertrag des neuen Trainers läuft bis Ende Juni 2016 und gilt nur für die 2. Bundesliga. Steffen Ziffert, der bisher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums war, ist neuer Co-Trainer der Sachsen.

Familie und Kinder
Familienzeit auf sächsische.de
Familienzeit auf sächsische.de

Sie suchen eine Freizeitplanung oder Erziehungsrat? Wir unterstützen Sie mit Neuigkeiten sowie Tipps und Tricks Ihren Familienalltag zu versüßen.

Nach vier Spieltagen steht Aue mit null Punkten und einem Torverhältnis von 1:10 auf dem letzten Tabellenplatz. Bisher trainierte Stipic die U-23-Mannschaft des Zweitliga-Konkurrenten FC Ingolstadt. „Es war sehr viel Überzeugungskraft nötig, um ihn zu gewinnen. Ingolstadt wollte ihn unbedingt halten“, sagte Präsident Helge Leonhardt. „Ich bin dem Verein und dem Hauptsponsor dort sehr dankbar. Die Aufhebung des Vertrages lief unter ganz fairen Bedingungen ab“, fügte Leonhardt hinzu.

Er hatte sich umfassend über Stipic informiert und zahlreiche Gespräche geführt, bevor er sich für den „Nobody“ entschied. „Ich habe mich noch nie so lange mit einem Menschen beschäftigt. Er ist ein Workaholic“, erklärte Leonhardt. „Tomislav Stipic ist ein junger, aufstrebender Mann, der etwas erreichen will. Und er hat bereits die Wismut-DNA im Kopf, das ist entscheidend“, begründete der Aue-Boss seine Wahl auch mit dem Verweis auf die Tradition des Vereins, der zu DDR-Zeiten als BSG Wismut Aue bekannt wurde. „Das kurzfristige Ziel ist, die jetzige Mannschaft, die er nicht strukturieren konnte, sofort auf Vordermann und Kurs 2. Bundesliga zu bringen“, erklärte der Präsident.

Stipic wurde in Tomislavstadt (heute Bosnien-Herzegowina) geboren und kam als Zehnjähriger mit seiner Familie nach Deutschland. „Meine Eltern haben als Gastarbeiter gedient, und ich bin eines von acht Kindern“, berichtete der neue Coach. Er selbst ist seit 13 Jahren verheiratet und Vater von vier Söhnen. „Ich musste mich gestern das erste Mal in meinem Leben von ihnen verabschieden, das war schwer“, sagte er. Stipic spielte bis zu seinem 18. Lebensjahr in Ingolstadt in den höchsten Jugendligen und begann mit 25 Jahren, als Spielertrainer bei den unterklassigen Vereinen FC Hitzhofen und SV Denkendorf zu fungieren. Nebenbei legte er seine Lizenzen ab und ist im Besitz des Fußballlehrerscheins. „Später habe ich die Fußballschule beim FC Ingolstadt übernommen“, erklärte er.

Während Stipic ab 2009 die U17 des FC Ingolstadt trainierte, arbeitete er nachts beim Hauptsponsor des Vereins. „Dann kam der Moment, als die Sonne aufging und ich das Angebot bekam, die U23 zu betreuen. Mit der Verpflichtung hier in Aue setzt sich mein großer Traum fort. Ich bin so glücklich, das kann sich keiner vorstellen“, betonte er.

Sein Debüt auf dem Auer Trainerstuhl gibt Stipic am Sonnabend bei der Auswärtspartie bei Aufsteiger SV Darmstadt 98. Mit den Worten „Glück auf“ stellte er sich im Erzgebirge vor. „Ich danke dem Verein für das uneingeschränkte Vertrauen. Ich bin gekommen, um zu bleiben. Ich will ehrliche Arbeit leisten, der Mannschaft dienen und die Erwartungen, die an mich gestellt werden, erfüllen“, sagte der neue Trainer. „Wenn der Gegner den Ball hat, wollen wir den Ball angreifen. Wenn wir den Ball haben, wollen wir das gegnerische Tor angreifen“, umriss Stipic kurz seine Fußballphilosophie. (dpa)