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Der Neue im Karl-May-Museum

Robin Leipold bringt nicht nur frischen Wissenschaftswind in die Villa Bärenfett, sondern hat mit dem Skalpstreit auch seine Feuertaufe gehabt.

© Arvid Müller

Von Peter Redlich

Einen solchen Einstieg hat nicht jeder. Der Chef vom Karl-May-Museum ist von den Stiftungschefs gerade entlassen worden. Der Pressesprecher ebenfalls. Und dazu noch der Streit um einen echten Indianerskalp.

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Robin Leipold könnte sich an den Marderpfahl stellen und Klagelieder anstimmen. Macht er aber nicht. Kann er auch nicht. Er soll der neue Kustos im Karl-May-Museum werden. Der Mensch, der über die Schätze in der Villa Shatterhand und der Villa Bärenfett wacht, sie pflegt, neue Ausstellungsstücke anschafft und das alles wissenschaftlich fundiert begleitet.

„Mit vier Jahren war ich zum ersten Mal im Karl-May-Museum in Radebeul. Seitdem hat mich diese besondere Atmosphäre hier nicht losgelassen“, sagt der heute 27-Jährige, der Volkskunde und Kulturgeschichte in Jena studiert hat. Robin Leipold kennt sich inzwischen längst im Museumsdepot aus, weiß, wo welcher indianische Federschmuck gelagert und wie welches Cowboy-Gewehr gesichert ist. Der in Suhl aufgewachsene junge Mann mit dem Pferdeschwanz hat seine Bachelor- und seine Masterarbeit über die Sammlungs- und Museumsgeschichte des Radebeuler Hauses geschrieben.

Das kleine, privatwirtschaftlich unter der Karl-May-Stiftung agierende Museum mit seinen fünf Vollzeitmitarbeitern kann keine großartigen Gehälter zahlen. „Ich komme damit zurecht“, sagt er. „Dieser Job hier ist mein Traumarbeitsplatz. Ich kann mein Hobby zum Beruf machen, und von den Schwierigkeiten wusste ich.“ Das Karl-May-Museum mit seiner ganz besonderen Aura, die habe ihn angezogen.

Dass sich diese Aura mit den dazugehörigen Ausstellungsstücken bis zu den Indianern in Nordamerika rumspricht, hat gerade die Diskussion um die Rückforderung eines Skalpes gezeigt. Leipold hat klare Vorstellungen, wie mit solchen Forderungen umgegangen werden sollte. Mit derartigen Themen werden in naher Zukunft noch viele andere Museen und Sammlungen in Deutschland konfrontiert werden, sagt er voraus. Es sei deshalb notwendig, zusammenzuarbeiten und Herkunftsforschung gemeinsam zu betreiben. Die gerade begonnene Streitgeschichte um den Skalp sei da nur ein Auftakt und könne auch nicht alleine vom Karl-May-Museum bestritten werden.

Hans Grunert, der Kustos des Museums, der zum Jahresende das Rentenalter erreicht haben wird, nennt den Antritt Leipolds eine ideale Neubesetzung auf dem Posten. Auch weil der junge Volkskundler mit einer gehörigen Portion Wissen und Schwung gekommen sei. Leipold habe mit dafür gesorgt, dass nach der Anregung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen, die wissenschaftliche Zusammenarbeit mit den Volkskundlern der Universität Jena entstanden ist und jetzt noch vorangetrieben wird.

Zum neuen Schwung des Neuen im Karl-Museum gehören auch solche Ideen und bereits in Arbeit befindlichen Aktionen, wie eine Tagung mit der Uni Jena zum Thema menschliche Überreste in Sammlungen. Ethnologen, Ethiker und möglichst auch Indianer sollen mit Wissenschaftlern diskutieren und zu einer Meinung finden, ob ein Skalp, wie der gerade umstrittene, wieder in die USA kommen soll oder hier gezeigt werden darf.

Auch weniger von Widersprüchen umwobene Themen geht der 27-Jährige an. So hat er sich vorgenommen, im nächsten Jahr eine der weltbesten Lacrosse-Mannschaften vom Stamm der Oneida nach Radebeul und Dresden zu bringen. „Die könnten ein Demonstrationsspiel mit der Dresdner Lacrosse-Mannschaft austragen“, hofft er, das auch hinzubekommen.

Das indianische Lacrosse-Spiel, ähnlich dem Federball, nur mit Fangschlägern, ist eines der ältesten der Spiele der Welt. Von verfeindeten Stämmen wurde es genutzt, um vor dem Ausbruch einer kriegerischen Auseinandersetzung um Leben und Tod den Ärger vielleicht doch noch im Sport schonend beilegen zu können.

Robin Leipold sagt dazu: „Eine gute Idee, die auch heute vielen in der Welt helfen könnte.“