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Der Nussknacker jazzt im Döbelner Theater

Am 19. Dezember erklingt beim 2. Sinfoniekonzert Musik Tschaikowskys mit einer Brise Jazz. Der DA sprach mit dem DirigentenJan Michael Horstmann.

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Herr Horstmann, für das Sinfoniekonzert haben Sie die Nussknacker-Suite von Peter Tschaikowsky in einem Arrangement von Jazzer Duke Ellington vorbereitet. Wie jazzt eigentlich ein Nussknacker?

Tja, da das amerikanische Wort für Nüsse „nuts“ auch der Ausdruck für „verrückt, durchgeknallt“ ist, können Sie sich vorstellen, wie rhythmisch synkopiert und ungewohnt jazzy dieser Nussknacker daherkommt. Ich kannte diese Bearbeitung schon lange, habe aber erst vor kurzem diese Fassung gefunden, die die originale Bigband-Besetzung auf ein großes Sinfonieorchester ausweitet. Und wie virtuos Ellington mit der Musik Tschaikowskys umgeht, ist so rasant, witzig und mitreißend, dass wir wahrscheinlich das Konzertprogramm umdrehen und mit dieser Suite beenden werden, um das Publikum statt winterstürmisch-großsymphonisch lieber fröhlich und beswingt in die winterliche Nacht zu entlassen.

Sie haben wieder einen hochkarätigen Solisten gewonnen. Ist es übertrieben, wenn man Niklas Eppinger als einen „Cellisten von Weltrang“ bezeichnet?

Das ist keineswegs übertrieben, sondert trifft zu auf einen jungen Virtuosen, der ja bereits als Solocellist der Münchner Philharmoniker auf sich aufmerksam gemacht hatte und nun auf den großen Konzertpodien als Solist glänzt und darüber hinaus mit einer Professur seine Kunst an Studenten vermittelt.

Haben Sie mit ihm schon einmal zusammengearbeitet?

Doch doch, und das Publikum wird sich noch gut an ihn erinnern. Vor eineinhalb Jahren hat er bei uns das Solo-Cello im „Don Quixote“ von Richard Strauss gespielt und die Zuhörer auch mit einer virtuosen Darbietung der „nächtlichen Tänze des Don Juanquixote“ des Finnen Aulis Sallinen zu Begeisterungsstürmen hingerissen.

Er wird in den Rokoko-Variationen op. 33 zu erleben sein?

Dieses Werk mit seiner vergleichsweise kleinen, klassischen Orchesterbesetzung und seiner kammermusikalischen Grundhaltung zeigt einen ganz anderen Tschaikowsky als den Sinfoniker, und mir war wichtig, diesen Komponisten in seiner Vielfalt zum Klingen zu bringen.

Die Sinfonie Nr. 1 g-Moll trägt den Namen „Winterträume“. Warum?

Das Stück lebt vom Wechsel der Klangfarben, man fühlt sich in eine weite Schneelandschaft versetzt, volksliedhafte Melodien wechseln sich ab mit stürmischen Wetterausbrüchen und fahlen einsamen Klangflächen. Und wird zum Träumen angeregt!

Was schätzen Sie – als ein für die Musik lebender Mensch – an Tschaikowsky?

Tschaikowsky ist, wie oben erwähnt, ein Komponist mit vielen Gesichtern. Ich liebe ihn besonders dann, wenn er nicht nur glatt und gefällig schreibt, sondern wenn seine Werke Brüche, Abgründe aufweisen, wenn Trauer und Bewegung, Freude und Hoffnungslosigkeit unverkennbar zum Klingen kommen, wie in den Sinfonien.

Können Sie sich an eine besondere „Begegnung“ mit ihm erinnern?

Ich hatte die Gelegenheit, eine Produktion seiner „Jungfrau von Orleans“ zu dirigieren, und hier kommt sein musikdramatisches Gespür voll zum Tragen, hinreißende Melodien und große theatralische Szenen stehen im Vordergrund. Übrigens vielleicht auch ein Werk für unsere Bühnen?

Es fragte: Gabriele Gelbrich

Termin: Sinfoniekonzert am 19. Dezember, 20 Uhr, Theater Döbeln