merken
PLUS Bautzen

Oberlausitz: 51 Lehrer dringend gesucht

Für die ausgeschriebenen Stellen in der Region gibt es zu wenige Bewerber. Menschen wie Alexander Schwenk sind da ein Glücksfall.

Kam aus Baden-Württemberg nach Bautzen: Alexander Schwenk unterrichtet Englisch und Geschichte an der Allende-Oberschule. Insgesamt gibt es in der Oberlausitz aber zu wenige Bewerber auf freie Lehrerstellen.
Kam aus Baden-Württemberg nach Bautzen: Alexander Schwenk unterrichtet Englisch und Geschichte an der Allende-Oberschule. Insgesamt gibt es in der Oberlausitz aber zu wenige Bewerber auf freie Lehrerstellen. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Noch eine letzte Prüfung am Dienstag. Alexander Schwenk zweifelt nicht daran, dass er sie besteht. Dann darf er sich Lehrer für Englisch und Geschichte nennen, nicht mehr Referendar. Für die Schüler an der Bautzener Dr.-Salvador-Allende-Oberschule macht das keinen großen Unterschied. Sie haben, so ist zu hören, den 30-Jährigen längst in ihr Herz geschlossen. "Ich wurde hier mit offenen Armen empfangen", sagt er selbst und bezieht das auf Schüler wie auf die Lehrerkollegen.

Und er fühlt sich wohl in Bautzen. Mit Ehefrau Jennifer, einer Krankenschwester, hat er eine gemütliche Altbauwohnung bezogen. "Fünf Minuten mit dem Fahrrad zur Schule, das ist doch super", schwärmt Alexander Schwenk. "Und wir zahlen hier die Hälfte an Miete, was wir für eine gleich große Wohnung in Baden-Württemberg hinlegen müssten."

Bauen und Wohnen
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?
Wohnen Sie noch oder bauen Sie schon?

Hier finden Sie alles, was Sie fürs Sanieren, Renovieren oder Bauen Ihrer eigenen vier Wände brauchen.

Bewusst für einen Ortswechsel entschieden

Er kann das einschätzen, denn er ist dort groß geworden, im Ostalbkreis. Der liegt mitten im Dreieck zwischen Stuttgart, Nürnberg und München, und Alexander Schwenk hätte sich nach seinem Lehramtsstudium an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd auch um eine Stelle in einer dieser Metropolen bewerben können. Doch das wollte er nicht. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein Ortswechsel mal ganz gut ist", sagt er, nachdem das junge Paar vor dem "Ernst des Lebens" erst noch fast zwei Jahre in Australien, Neuseeland und Südostasien verbracht hat.

Ein Ortswechsel also, aber wohin? Zufällig ging ein Freund von ihm als Lehrer nach Sachsen. Hier war Alexander Schwenk erst  zweimal im Leben gewesen, zur Spielemesse Games Convention in Leipzig. Er schaute sich die Landkarte von Sachsen an. Der Großraum Dresden wäre schön, aber es musste nicht direkt die Landeshauptstadt sein.

Der Blick blieb an Bautzen hängen. Das liegt so schön in der Mitte zwischen Berlin, wo das junge Ehepaar Freunde hat, und der goldenen Stadt Prag, die Jennifer und Alexander Schwenk so lieben. Die Stadt ist nicht so klein wie das Dorf, in dem der junge Mann aufgewachsen ist, und nicht so groß wie die anonymen Metropolen. Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, ein Bahnhof - alles ist vor Ort.

Im Januar 2019 zog das Paar nach Bautzen, im Februar trat Alexander Schwenk sein Referendariat an der Allende-Oberschule an. Und staunte. Interaktive Schultafeln kannte er aus seiner alten Heimat nicht, hier sind sie schon Alltag. "Ich bin sehr freundlich in der Schule aufgenommen worden", sagt der junge Schwabe, dessen Aussprache kein Vorurteil bedient. Seine Mentorin Betina Lublow ist das Lobes voll. "Er hat das, was die Grundvoraussetzung für Lehrer ist: Er liebt Kinder. Wer das nicht tut, hat den Beruf verfehlt."

Viel mehr Stellen als Bewerber

Für Leute wie Schwenks, die gern zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind, erweist sich die Oberlausitz als Paradies. "Wir sind schon viel rund um Bautzen gewandert und haben uns auch Görlitz angeschaut. In diesem Sommer sind das Zittauer Gebirge und die Sächsische Schweiz dran."

Gäbe es mehr Menschen wie Alexander Schwenk, hätte Sachsen ein Problem weniger: den Lehrermangel in ländlichen Regionen. 130 neue Lehrer sucht das Landesamt für Schule und Bildung (Lasub) aktuell für einen Einsatz in den Landkreisen Bautzen und Görlitz. Aber nur 79 Pädagogen haben sich bisher für eine Arbeit in der Oberlausitz beworben, teilt das Amt mit. In Dresden und Leipzig ist es genau umgekehrt. Für die Landeshauptstadt sucht das Lasub 330 neue Lehrer, aber 362 haben sich bisher beworben. In Leipzig liegen gar 579 Bewerbungen vor - für nur 288 freie Stellen.

Verschärft wird das Ungleichgewicht dadurch, dass die Ausbildung der Bewerber – also ob sie Grund-, Förder-, Gymnasial- oder Oberschullehrer sind – nicht im gleichen Verhältnis zur Art der freien Stellen steht: Von 1.271 Bewerbern sachsenweit will fast die Hälfte, nämlich 589, an ein Gymnasium. Am meisten neue Lehrer gesucht werden aber seit Jahren an den Förder- und Oberschulen - auch im Landkreis Bautzen. Zumindest für die Allende-Oberschule in der Kreisstadt wurde einer gefunden.

Weiterführende Artikel

Mehr Lehrer braucht das Land

Mehr Lehrer braucht das Land

Wie können mehr junge Lehrer in ländliche Gebiete gelenkt werden? Stephan Passek hat sich bewusst für eine Schule in einer kleinen Gemeinde entschieden.

Mit dem kostenlosen Newsletter „Bautzen kompakt“ starten Sie immer gut informiert in den Tag. Hier können Sie sich anmelden.

Mehr Nachrichten aus Bautzen lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Bischofswerda lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Kamenz lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Bautzen