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Der Ofen bleibt aus

Importe aus China sind für die Firma Telux-Spezialglas ein Desaster  –  aber nicht das Ende.

Von Thomas Staudt

Die den Sommer über geführten Gespräche mit den beiden Hauptabnehmern Osram und Philips führten für den Weißwasseraner Spezialglashersteller Telux nicht zum Erfolg. Dabei ging es um die Lieferbedingungen für Glaskolben. Beide Unternehmen brauchen sie für die Produktion von Leuchtmitteln, wie sie bei Flutlichtanlagen, Straßenlampen oder großen Hallen zum Einsatz kommen. Umstritten war vor allem die Preisgestaltung. „Unsere Kunden haben auf ihren Forderungen bestanden“, erklärte Telux-Geschäftsführer Andreas Nelte gegenüber SZ. Eine Fortführung der bestehenden Lieferverträge ist damit vom Tisch. Osram und Philips sagten aber zu, die vorproduzierten Lagerbestände abzunehmen. Bis April 2014 kann die Telux weiterliefern. Dann ist Schluss.

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Die beiden Leuchtmittelhersteller hatten bereits zu Jahresbeginn signalisiert, dass es keinen Automatismus bei der Vertragsverlängerung geben werde. Seit März ist der Ofen für die einzig verbliebene Produktionslinie aus. Parallel dazu ging die Belegschaft in Kurzarbeit. Entlassungen gab es bisher nicht. Die 92 Mitarbeiter sollen gehalten werden. Sie wurden in einer Belegschaftsversammlung über die Situation informiert. Bis zu 25 von ihnen arbeiten die anstehenden Aufträge ab. Die Kurzarbeiterregelung läuft Ende Februar 2014 aus.

Im Gegensatz zur Billigkonkurrenz aus China müssen europäische Wettbewerber mit höheren Preisen kalkulieren. Schaffen die einen Stückpreis von 30 Cent für einen Glaskolben, liegt der in Deutschland um einiges höher. Um konkurrenzfähig zu sein, müsste hier um rund ein Drittel preiswerter produziert werden. Doch 20 Cent Herstellungskosten sind in Deutschland fast nicht zu realisieren, stecken in einem Kolben doch allein zehn Cent an Energieabgaben und -steuern. Osram und Philips werden künftig in Fernost ordern, um Kosten zu sparen. Für die Telux-Spezialglas ist das besonders bitter. 1880 gegründet, produzierte das Unternehmen später für AEG und avancierte in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts zum Stammwerk von Osram. Nach dem Zweiten Weltkrieg produzierte es als „Spezialglaswerk Einheit“ und wurde nach dem Ende der DDR 1993 reprivatisiert. Heute drückt dem Unternehmen die Konkurrenz aus Fernost die Luft ab. Aber die Glaskolben aus China haben einen entscheidenden Nachteil. Auch wenn sie qualitativ in den letzten Jahren stark aufgeholt haben, sind sie mit hiesigen Produkten nicht vergleichbar. Andreas Nelte hält die Zusicherung von Osram und Philips, die Telux-Bestände nach und nach aufzukaufen, deshalb auch für ein Sicherheitsventil. Sollte es mit China auf Dauer nicht klappen, könnten die Konzerne immer noch auf den altbewährten Vertragspartner zurückgreifen. Darauf will sich Andreas Nelte aber nicht verlassen und sucht nach Alternativen. Momentan laufen Versuchsschmelzen, die zu einer Zusammenarbeit mit der Firma Sovitec führen sollen. Das belgische Unternehmen mit Niederlassungen in Deutschland, Frankreich, Spanien und Argentinien produziert unter anderem Fahrbahnmarkierungen. Für bessere Nacht-sichtbarkeit werden Mikroglassphären in die Farboberfläche eingestreut. Im Elbe-Elster-Kreis in Brandenburg gehört das ehemalige Glaswerk Schönborn zu Sovitec. Verlaufen die Versuche in Weißwasser erfolgreich, ist eine Zusammenarbeit in Aussicht. Darüber hinaus wird mit einer weiteren Wanne experimentiert.

Die Mitarbeiter seien über den notwendigen Personalbedarf informiert. Mehr will Nelte aus Konkurrenzgründen vorerst nicht publik machen. Die Telux-Spezialglas verfügt nicht erst seit der Stilllegung der Produktionslinie für Glaskolben über freie Produktionskapazitäten. Bereits seit 2007 stehen die Maschinen im Werk 2 still. Der Flachbildschirm sorgte damals für die Einstellung der Produktion von Bildröhren, bis dahin der Hauptproduktionszweig. Momentan entsteht ein Konzept für 2014. Gespräche mit der Sächsischen Aufbaubank sind anvisiert. Die Bank hat Gesprächsbereitschaft signalisiert. Fazit: In der Telux ist Schluss. Aber aus ist es noch lange nicht.