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Der Orient im winzigen Gotteshaus

Eindringendes Wasser hatte die katholische Kapelle in Pillnitz stark beschädigt. Nun wurde sie komplett saniert.

Von Sarah Grundmann

Zurück in die Heimat!

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In der Kapelle „Maria am Wege“ bietet sich den Gläubigen ein eher untypisches Bild: Bordeauxrote, orientalische Ornamente verzieren die türkisfarbenen Wände des winzigen Gotteshauses in Pillnitz, daneben finden sich aber auch die typischen christlichen Verzierungen. Jetzt erstrahlen sie endlich wieder in neuem Glanz – denn bis vor Kurzem wurde das katholische Gotteshaus umfassend saniert. Seit Montag werden die ersten Gottesdienste veranstaltet. Der Pfarrer Thomas Cech freut sich darüber. Der 50-Jährige ist mit dem Ergebnis der Sanierung sehr zufrieden. Die war auch dringend notwendig, letztmals wurde an dem Gebäude Anfang der Neunziger gearbeitet.

„Die Abdichtung war nicht vollständig und noch dazu teilweise defekt, so kam Grundwasser hinein“, sagt der Pfarrer. Auch das Dach hielt nicht richtig dicht, die Abdeckung aus Kunstschiefer war zu verbogen. „Deshalb war der Putz vollkommen aufgequollen, von den schönen Malereien kaum noch etwas zu erkennen“, so Cech. Auch die zwei großen, dreigliedrigen Bleiglasfenster drohten zu zerbrechen. „Das wäre unheimlich schade gewesen, die Fenster sind nämlich unser geheimer Schatz.“

Denn sie zeigen die christlichen Namenspatronen der letzten sächsischen Königsfamilie. So ist zum Beispiel der Heilige Georg, Namenspatron Georgs von Sachsen, zu sehen, oder Maria als Namenspatronin seiner Frau, Prinzessin Maria Anna. Darunter sind die königlichen Wappen ihrer Herkunftshäuser abgebildet. Noch vier weitere Mitglieder der Königsfamilie sind auf dem bunten Bleiglas verewigt – und das hat auch seinen Grund.

Kapellglocke blieb lange stumm

Ursprünglich ließ Georg von Sachsen die Kapelle 1877 für seine Familie erbauen – in direkter Nachbarschaft zu deren Sommervilla. Deshalb bietet sie auch nur Platz für 15 bis 20 Personen. Andere Gläubige durften die Privatkapelle aber auch damals schon nutzen. Bis zum Tode der letzten Prinzessin, Mathilde, blieb die Kapelle trotzdem in privatem Besitz.

Anschließend begann ein Hin und Her. 1940 wurde die königliche Familie enteignet und das Grundstück ging an die Stadt über. Zu DDR-Zeiten war die Kommunale Wohnungsverwaltung (KWV) für das Gotteshaus zuständig, nach der Wende die Dresdner Wohnungsgesellschaft Woba. Nach deren Verkauf Anfang 2006 wurde die Gagfah zum Eigentümer. „Kurz danach kaufte die katholische Pfarrei Sankt Hubertus das Grundstück, Gottesdienste gab es dort aber schon immer“, sagt Cech. „Seit Montag nun endlich in einem frisch sanierten Gebäude.“

Dafür wurde innen und außen ein knappes halbes Jahr gewerkelt. Allein mit der Wandgestaltung war der Restaurator Knut Thiele vier Monate lang beschäftigt. Er musste Schablonen von den Malereien anfertigen, die alten fielen der Bombardierung 1945 zum Opfer. Außerdem verputzte er die Wände neu und malte die orientalischen Muster wieder auf den frischen Anstrich. Damit war es aber noch nicht getan: Unter anderem wurden die Abdichtung und das Dach erneuert, der bunte Schatz wird mittlerweile durch Wetterschutzfenster gesichert. Auch an der Fassade wurde gearbeitet, der alte Sandstein war verwittert und rissig. „Außerdem mussten wir die Außenanlagen neu machen. Die Wurzeln von zwei riesigen Bäumen hatten die Stützmauer beschädigt.“ Sie wurden gefällt und die Mauer wieder aufgebaut. Ein wenig Luxus ist mit der Sanierung auch in die kleine Kapelle eingezogen, zu den Gottesdiensten werden die drei Sitz- und die davorstehenden Fußbänke beheizt. Mittlerweile sei das üblich, sagt der Pfarrer.

Insgesamt 231 000 Euro kostete die Sanierung. Das Bistum Dresden-Meißen, das Denkmalpflegeamt Dresden und das Bonifatiuswerk der Katholischen Kirchen bezahlten davon rund 66 Prozent. Die restlichen 78 000 Euro brachte die Pfarrei selbst auf, hauptsächlich durch Spenden. Dabei war ihnen ein Projekt besonders wichtig. Seit Langem konnte die Kapellenglocke nicht mehr erklingen, weil der Klöppel fehlte. Dieser wurde nun ersetzt und am 12. Januar konnte erstmals wieder zum Gottesdienst geläutet werden.

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