SZ +
Merken

Der Panoramiker

Mit seinen 360-Grad-Bildern schafft Yadegar Asisi ganz neue Perspektiven – etwa auf Dresden. Heute wird der Künstler 60.

Teilen
Folgen
© momentphoto.de/bonss

Von Heinrich Maria Löbbers

Staunen sollen die Leute. Wer staunt, begreift. Und wer begriffen hat, bewegt sich. So wünscht sich das Yadegar Asisi, er möchte Leute zum Handeln bringen. „Ich will die Energie dazu nutzen, dass der Mensch etwas tut“, sagt er. Zum Beispiel, sich für Frieden einsetzen. Auch deshalb beschäftigt sich Asisi mit Zerstörung. Mit dem zerbombten Dresden zum Beispiel. Zigtausende haben in den letzten Wochen sein Panorama „Dresden 1945“ gesehen, bestaunt – und vielleicht begriffen, wie es zu dem Inferno kommen konnte.

„Wenn ich von irgendetwas was verstehe, dann von Illusion“, hat Asisi mal gesagt. Aber seine Illusionen haben sehr viel mit Realität zu tun. Täuschend echt sind die Stadtansichten, Landschaften und historischen Szenen, die er auf seine monumentalen Rundbilder bringt.

Heute vor 60 Jahren wurde Asisi als Sohn persischer Emigranten in Wien geboren – auf dem Weg der Familie in die DDR. Kindheit und Schulzeit verbrachte er mit fünf Geschwistern in Halle und Leipzig, studierte in den 70er-Jahren Architektur in Dresden, später Malerei in Berlin. Dort lehrte er als Professor, schuf Installationen etwa für die Expo in Sevilla, gestaltete Bühnenbilder und Ausstellungen. Am liebsten aber zeichnete er.

Während der Arbeit an einer Ausstellung über Panoramen des 19. Jahrhunderts, entdeckte er diese historische Kunstform als sein Medium, denn es fördert die Illusion. In Leipzig eröffnete er 2003 sein erstes eigenes Panorama – einen 360-Grad-Blick auf den Mount Everest. Ein Panorama in einem alten Gasometer: so entstand der Begriff Panometer. Es kamen eine halbe Million Besucher, es wurde der Beginn einer Folge ebenso erfolgreicher Panoramen: vom antiken Rom über das barocke Dresden und die Völkerschlacht bis zur Berliner Mauer.

Längst hat er sich selbstständig gemacht und lässt sich in seiner Asisi GmbH in Berlin immer neue Themen einfallen. Mittlerweile zeigt er seine Panoramen auch außerhalb des heimatlichen Dreiecks Dresden–Leipzig–Berlin: in Pforzheim und im französischen Rouen. Ab Juni ist in Dresden wieder das Barock-Panorama zu sehen, in Leipzig eröffnet im Herbst das „Great Barrier Reef“, 2016 folgt die „Titanic“. Asisi lässt uns aus dem Staunen nicht rauskommen.