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„Der Park ist da. Besuchen Sie ihn!“

Im Fürst-Park-Park von Bad Muskau sind seit Corona kaum Besucher. Dagegen herrscht hinter den Kulissen reges Treiben.

Während die Strelitzien unbeachtet von Besuchern in den Gewächshäusern der Schlossgärtnerei ihre schönen Blüten zeigen, beschäftigen sich Gärtnerei-Mitarbeiter mit dem Umtopfen von Blumen und Gemüse für den Park.
Während die Strelitzien unbeachtet von Besuchern in den Gewächshäusern der Schlossgärtnerei ihre schönen Blüten zeigen, beschäftigen sich Gärtnerei-Mitarbeiter mit dem Umtopfen von Blumen und Gemüse für den Park. © Joachim Rehle

Majestätisch spiegelt sich das Neue Schloss im Schlossteich. Ringsum idyllische Ruhe. Nur Schwan und Enten auf dem Teich unterbrechen das Stillleben inmitten des Welterbeparkes Bad Muskau.
Während Tiere, selbst Rehe und Eichhörnchen, sich derzeit ohne Scheu im Park bewegen, sind Menschen selten zu treffen. Obwohl der Park – im Gegensatz zu Schloss mit Kunst-Ausstellungen, Ananas-Ausstellung, Schlossgärtnerei, Tourismuszentrum – trotz Corona offen ist. Schließlich ist das Areal weder eingezäunt noch eintrittspflichtig, kann somit stets für Spaziergänge genutzt werden. In Corona-Zeiten natürlich unter Einhaltung des Kontaktverbots. „Da wir als Welterbestätte keine Einrichtung zum Selbstzweck sind, kann ich nur empfehlen: «Der Park ist da. Besuchen Sie ihn!»“, rät Parkdirektor Cord Panning. Er weiß, dass 2020 wegen Corona auch für Park und Fürst-Pückler-Stiftung ein „Sonderjahr, wie es noch keiner kannte“ wird. Nicht nur wegen der geschlossenen Ausstellungen, dem Wegfall zahlreicher Veranstaltungen bis August und sich verzögernder Bauvorhaben. Auch, weil momentan alle Brücken im binationalen Park auf polnischer Seite geschlossen und von bewaffneten Militärposten abgeriegelt sind. „Das ist eine Muskau spezifische und befremdende Situation, die etwas weh tut und an die Zeiten der 1990er Jahre erinnert“, meint Cord Panning. „Dennoch finde ich es schade, dass kaum jemand in den Park kommt.“

Erstmals Pflanzenzählung

Während Besucher fehlen, herrscht hinter den Kulissen geschäftiges Treiben. Der Erhalt und die Pflege von Anlagen, Gebäuden und Wegen müssen weitergehen. Ebenso die Arbeit der Schlossgärtnerei. Deren fünf Mitarbeiter sind aktuell dabei, Blumen für die Sommerbepflanzung zu pikieren. Hunderte unterschiedlicher Anzuchttöpfe stehen für Petunien, Lobelien oder Ziertabak bereit, in die -zig Kilo per Hand gemengter und mit Kokosfasern versetzter Erde kommen. Auch alte Gemüsesorten wie die Schlesische Himbeere (eine alte Fleischtomatensorte) oder Brauner Kohl stehen zum Umtopfen auf den Pflanztischen bereit.

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Nur selten sind derzeit Besucher wie diese Familie auf Wegen und Wiesen im Welterbepark anzutreffen.
Nur selten sind derzeit Besucher wie diese Familie auf Wegen und Wiesen im Welterbepark anzutreffen. © Sabine Larbig
Seit 1. April sind die vier Mitarbeiterinnen des Tourismuszentrums im Neuen Schloss bei der Parkpflege im Einsatz.
Seit 1. April sind die vier Mitarbeiterinnen des Tourismuszentrums im Neuen Schloss bei der Parkpflege im Einsatz. © Sabine Larbig
Nicht nur an der Doppelbrücke ist seit Corona der Zugang zum Parkteil in Polen durch bewaffnetes Militär versperrt.
Nicht nur an der Doppelbrücke ist seit Corona der Zugang zum Parkteil in Polen durch bewaffnetes Militär versperrt. © Sabine Larbig

Wieslawa Kölzow, Leiterin der Schlossgärtnerei, weiß genau, was zu tun ist. Da Blumen, Obst und Gemüse im Pückler-Park seit drei Jahren selbst gezogen und produziert werden, gibt es dieses Jahr eine Besonderheit. „Wir zählen erstmals alle Pflanzen, die im Park ausgepflanzt werden, um den Bedarf von Anzahl und Pflanzenart über Erde bis Töpfe für kommendes Jahr zu ermitteln, da in den Gewächshäusern nur begrenzt Platz ist“, begründet Kölzow.

Als Chefin der Gärtnerei bespricht sie zudem täglich mit den Kollegen anstehende Aufgaben. Die reichen im Winter und Frühjahr von Unkrautzupfen (bei Kübelpflanzen) über Töpfesäubern, Kontrolle und Bekämpfung von Schädlingen, Desinfektion der Gewächshäuser und Orangenbäume-Schneiden bis hin zu Aussaat und Beetvorbereitungen.

In diesem Jahr erfolgen alle Arbeiten mit weitem Abstand der Kollegen zueinander. Selbst in den Pausen sitzt jeder an einem Einzeltisch. „Vor allem ist es ungewohnt, dass wir keine Besucher haben. Normalerweise steht immer jemand hinter einem und fragt etwas“, so die Gärtnerei-Leiterin. „Überhaupt ist die Parkanlage momentan ein Geisterdorf. Der Virus bringt alles durcheinander“, bedauert Kölzow.
Daher unterstützten Kolleginnen vom Tourismuszentrum auch andere Parkbereiche wie die Gärtnerei. „Sie sind uns eine große Hilfe bei den vielen Aufgaben. Gleichzeitig lernen sie dabei und können so später den Gästen noch mehr erklären.“

Gartenarbeit statt Gästebetreuung

Immerhin harken die „Neuen“ nicht nur Wege oder mengen Erde. Sie lernen auch Wissenswertes über Spalierobst, historische Getreidesorten wie Ägyptischen Weizen; Freilandgemüse wie wilde Mohrrüben; Exoten wie Strelitzien, Duftpelargonien, Bougainvilleas und sogar über Wasser- und Zuckermelonen, die in Frühbeeten auf ihren Umzug ins Freiland warten.

Besonderes Augenmerk legen jedoch alle auf die Ananaszucht, die auf Fürst Pückler selbst zurückgeht. 220 Pflanzen hat die Gärtnerei in Bad Muskau. Aktuell sind alle Früchte abgeerntet, nun dauert es vier und mehr Wochen, bis wieder Früchte da sind. Normalerweise können Besucher die Ananas bei Führungen verkosten. Nun, wegen Corona, kommen vorerst alle Früchte in die Schnapsmanufaktur Kirschau, wo fürstlicher, limitierter Ananas-Likör entsteht.

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