merken
PLUS Leben und Stil

Der perfekte Wein zur Geburt

Besonders lagerfähige Weine sind furchtbar anstrengend. Deshalb darf man beim Kauf einen Fehler nicht machen.

Es muss nicht gleich ein ganzes Fass sein.
Es muss nicht gleich ein ganzes Fass sein. © Andreas Drouve/dpa

Von Silvio Nietzsche

Die Sommermonate gehören zu den geburtenreichsten. Wer jetzt das Glück hat, einen neuen Erdenbürger in der Verwandtschaft begrüßen zu dürfen, fragt sich natürlich, was als persönliches Willkommensgeschenk taugt. Wein zur Geburt halte ich für eine großartige Idee. Nicht nur aus beruflichen Gründen kann ich mir kaum etwas Schöneres vorstellen. Doch vor dem Kauf sollten Sie sich überlegen, ob dieser Wein als Wertanlage dienen oder eines Tages getrunken werden sollte.

TOP Immobilien
TOP Immobilien
TOP Immobilien

Finden Sie Ihre neue Traumimmobilie bei unseren TOP Immobilien von Sächsische.de – ganz egal ob Grundstück, Wohnung oder Haus!

Für Variante eins findet sich schnell der richtige Wein, der im Idealfall seinen Wert in den nächsten 20 Jahren vervielfacht, wenigstens verdoppelt, im nicht zu seltenen Fall in den nächsten zwanzig Jahren veracht- oder verzehnfachen sollte. Die meisten Schenker machen bei der Auswahl auch keine gravierenden Fehler, weil sie sich von Fachleuten beraten lassen. Fehler schleichen sich eher im Nachgang ein. Etwa die falsche Lagerung. Manchmal wird auch der Wertzuwachs überschätzt. Denn für jeden Wein muss auch ein Markt gefunden werden. Jener Preis, den Sie bei Recherchen im Internet finden, unterscheidet sich häufig deutlich von dem, der beim Ankauf tatsächlich gezahlt wird.

Kisten statt einzelne Flaschen

Mein Tipp: Setzen Sie nur auf namhafte Gewächse. Und kaufen Sie bitte keine einzelnen Flaschen, sondern ganze Kisten. Am besten sind Großflaschen mit einem Fassungsvermögen von drei Litern und mehr. Veranschlagen Sie für den Kauf mindestens 25 Euro, besser 50 bis 100 Euro pro Flasche. Für den späteren Verkauf sollten Herkunft und Lebenslauf der Weine möglichst genau dokumentiert werden.

Den liebevolleren Gedanken finde ich, einen Wein zu verschenken, welchen Sie gemeinsam mit dem Sprössling – etwa zur Feier seiner Volljährigkeit – trinken können. Wenn man jedoch bedenkt, dass der gute Tropfen vielleicht erst zum Hochzeitstag des Beschenkten oder anlässlich der Geburt von dessen erstem Kind entkorkt werden und auch dann noch schmecken soll, wird die Auswahl ziemlich klein. Auch hier gilt mein Rat: Kiste statt Flasche! Viele Weinfans begehen den Fehler, einen einzigen, sündhaft teuren Bordeaux, Burgunder, Barolo oder Rioja zu kaufen. Dann jedoch richtet sich die Hoffnung auf besten Geschmack auf diese eine Flasche. Das kann schlimm enden. Denn wir dürfen nicht vergessen, dass auch der Wein nur ein Mensch ist, also mit dem Alter nicht einfacher wird. Dazu kommt der Reifeverlauf – von anfänglich primäraromatisch fruchtig hin zu sekundäraromatisch würzig und komplex bis hin zu tertiäraromatisch. Letzteres zu beschreiben, ist gar nicht einfach. Vermutlich würden viele Weinnovizen lieber den Elbschlamm nach einem Hochwasser essen, als diesen Wein zu trinken. Reifefähige Weine werden furchtbar anstrengend und erfordern viel Gutmütigkeit und Verständnis, wenn sie nach einer zweistelligen Zahl von Jahren getrunken werden. Das ist nichts für ungeschulte Gaumen.

Nicht zu tief in die Tasche greifen

Weiterführende Artikel

Ein Bekenntnis zum deutschen Wein

Ein Bekenntnis zum deutschen Wein

Ein neues Gesetz will uns klaren Wein einschenken. Doch was heißt das eigentlich?

Jeder 10. ist ein Etikettentrinker

Jeder 10. ist ein Etikettentrinker

Für manche ist die Bekleidung der Flasche wichtiger als der Inhalt. Warum das nicht immer schlecht sein muss, erklärt Sachsens Top-Sommelier Silvio Nitzsche.

Die ersten Winzer in Sachsen nutzen wieder Amphoren

Die ersten Winzer in Sachsen nutzen wieder Amphoren

Weine sind heute oft so perfekt, dass der nächste Schritt nach vorne einer zurück ist - neue Weinerkenntnisse von Dresdens Top-Sommelier Silvio Nitzsche.

Ich empfehle Ihnen, nicht alles auf eine Karte zu setzen. Greifen Sie nicht zu tief in die Tasche. Bei einem Flaschenpreis zwischen 10 und 20 Euro finden sich einige Gewächse, die auch nach der Magisterarbeit des Neugeborenen noch Spaß machen. Und ich würde darauf achten, was Weine reifefähig und unbedarften Trinkern Freude macht. Zum Beispiel nicht trockene Weine – wie fruchtsüße Riesling-Spätlesen von der Mosel oder aus dem Rheingau. Von diesen kaufen Sie mindestens zwölf Flaschen. Damit verschaffen Sie sich die Chance, bei jedem Großereignis ein Fläschchen mit dem neuen Eigentümer zu genießen. So kann man neben dem Menschen- auch ein Weinleben verfolgen. Oder drei mal zwei Flaschen, um das Ausfallrisiko zu minimieren. Grundsätzlich würde ich eher weiße Weine verschenken, da diese im Alter leichter zu ertragen sind als rote. Lieber süß als trocken, weil es dem ungeübten Gaumen leichterfällt, den Wein zu mögen.

Silvio Nitzsche ist Sommelier und betreibt in Dresden die WeinKulturBar. Mehr zu Silvio Nitzsche erfahren Sie hier: www.sz-link.de/Nitzsche

Mehr zum Thema Leben und Stil