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Der Pfarrer wohnt woanders

Für das Schönfelder Pfarrhaus wird seit fast drei Jahren ein Mieter gesucht.

Von Udo Lemke

Das Pfarrhaus in Schönfeld ist leer. Nur ein Büro und ein Gemeinderaum werden derzeit in dem Gebäude genutzt. Vor fast zehn Jahren zog der letzte Pfarrer aus, vor zwei Jahren der letzte Gemeindepädagoge. „Es geht ins dritte Jahr, da wir einen neuen Mieter suchen“, sagt der zuständige Pfarrer Frank Dregennus, der seine Dienstwohnung im Pfarrhaus Ponickau bezogen hat und zu seinem Pfarrbereich neben Schönfeld und Ponickau auch noch Linz zählt. „Das Pfarrhaus als gemeindenahe Institution ist vor allem auf dem Land bedroht. Die Kirchenaustritte und damit die verminderten Kirchensteuereinnahmen haben zu empfindlichen Einschränkungen geführt“, schreibt Christine Eichel in ihrem Buch „Das deutsche Pfarrhaus“. Und: „Der Stellenabbau in den ländlichen Gemeinden hält an. Oft sind Pfarrer jetzt für größere Sprengel verantwortlich und keine Ansprechpartner mehr, die man zu Fuß erreicht. Damit ist die Seelsorge vor Ort gefährdet.“ Beim Nachwuchs ergeht es den Kirchen nicht anders als anderen. „Bei den Pfarrern gibt es ja noch genug, aber nicht bei den Gemeindepädagogen, und es ist schwer, junge Leute aufs Land zu ziehen“, so Pfarrer Dregennus.

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© Anne Hübschmann

Was Christine Eichel generell feststellt, nämlich, dass das Pfarrhaus „als Bauwerk und Anlaufstelle an Bedeutung verliert“, lässt sich am Beispiel Schönfeld nachvollziehen. Nicht nur, dass es derzeit nicht vermietet ist, spricht dafür, sondern auch seine Baugeschichte. „Das alte Schönfelder Pfarrhaus ist in den 1720er Jahren abgebrannt“, weiß Jürgen Klauka, der die Einordnung als Heimatforscher für sich zu hoch gestochen empfindet, sich lieber als Heimatfreund sieht. „Der Keller und Teile des Erdgeschosses stammen noch vom Vorgängerbau“.

Eigentlich ist das Schönfelder Pfarrhaus ein schöner barocker Fachwerkbau, aber Anfang der 1960 Jahre sind in einem Anflug von Modernisierungswahn große Fensteröffnungen hineingesägt und das Fachwerk unter einer Verschalung versteckt worden. Die Konsequenz ist, dass „das Pfarrhaus in Schönfeld nicht in der Denkmalliste erfasst ist“, wie Olav Helbig von der Unteren Denkmalschutzbehörde des Kreises Meißen auf Nachfrage mitteilt.

So, wie das Fachwerk unter der Verschalung steckt, so verbirgt das Pfarrhaus noch etwas anderes. Jürgen Klauka arbeitet als Tischler und hat einen geschulten Blick für das Gebäude: „Das Pfarrhaus hat einen sehr schönen Dachstuhl, das ist noch etwas echt Massives.“

Während die Kirchen in aller Regel gut durch die Jahrhunderte dokumentiert worden sind, trifft das auf die Pfarrhäuser nur selten zu. Das liegt ja auch in der Natur der Sache, denn was ist das Haus des Pfarrers gegen das Haus Gottes? Allerdings gibt es einige Informationen zu den Schönfelder Pfarrern. Eher indirekt findet sich etwas im Buch „Großenhainer Pflege“ (Böhlau Verlag 2008): „Am Ortsausgang in Richtung Thiendorf führt die B 98 über den Weinberg (160 m ü. NN), wo vom 14. Jahrhundert bis zum 18. Jahrhundert die Lehnsherren und Pfarrer Wein anbauten.“ Das Buch listet immerhin zwanzig Weinberge in der Großenhainer Pflege auf, auf denen seit dem Mittelalter Weinbau betrieben wurde, „dieser ist hauptsächlich im 19. Jahrhundert zum Erliegen gekommen“.

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Anhand von Grabsteinen aus der Schönfelder Kirche – der Großteil fiel den Modernisierungsmaßnahmen der 1960er Jahre zum Opfer – der „Rest“ lagert heute im Alten Schloss – lassen sich wenigstens die Namen zweier Schönfelder Pfarrer im Gurlitt ermitteln. So hat Christian Gottfried Holtzmüller von 1735 bis zu seinem Tod 1741 im Pfarrhaus gewohnt. Christian August Pfeiffer bis 1796 –wie lang ist nicht überliefert.