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Der pfiffige Gleis-Kenner

Der Görlitzer Ulrich Erdmann macht mit Europas Eisenbahnen Geschäfte. Gestern erhielt er den Unternehmerpreis.

Von Sebastian Beutler

Erst erhielt er einen millionenschweren Auftrag des Bundesverkehrsministeriums, gestern Abend nun in Niesky den Görlitzer Unternehmerpreis 2014 überreicht: Der Görlitzer Unternehmer Ulrich Erdmann und seine gleichnamige Softwaregesellschaft, die in einer Villa an der Kahlbaum-Allee ihren Sitz hat. Es ist die höchste Auszeichnung, die der Allgemeine Unternehmerverband Görlitz vergibt. Ausschlaggebend für die Wahl der Jury, sagt Verbandsvorsitzender Heiko Kammler, seien die besonderen Innovationen des Unternehmens gewesen, die Eroberung internationaler Märkte, die positiven Umsatz- und Mitarbeiterzahlen sowie auch die Werbung für den Standort Görlitz.

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Auf Erdmann trifft all das in besonderer Weise zu. Vor 20 Jahren gründete Ulrich Erdmann die Firma und machte sie zum Marktführer für die Zustandsanalyse von Eisenbahninfrastruktur. So entwickelt das Unternehmen eine Software, mit der die Bahnbetreiber in ganz Europa die Instandhaltung von Schienenwegen planen und so Kosten sparen. Verkehrsbetreiber aus Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Norwegen, England, Marokko und Slowenien nutzen die Görlitzer Entwicklung. Insgesamt werden mit den Systemen der Erdmann Softwareentwicklung 150 000 Kilometer Schienenwege verwaltet. Auch in Frankreich und Australien hat Erdmann Kunden.

Für Aufsehen sorgte das Görlitzer Unternehmen Ende vergangenen Jahres, als es einen Großauftrag des Bundesverkehrsministeriums an Land zog. Seit diesem Jahr wird der Zustand des deutschen Eisenbahnnetzes von Görlitz aus kontrolliert und dokumentiert. Das Unternehmen verwaltet so sämtliche Daten zum Zustand der 34 000 Streckenkilometer inklusive 60 000 Weichen und 25 000 Brücken. Die Görlitzer Firma hat auch den Auftrag, auf 5 000 Kilometern eigene Messungen durchzuführen. „Wir tragen mit unserer Arbeit zu mehr Transparenz bei“, sagt Ulrich Erdmann. Mit den Daten können die Behörden sowie die Abgeordneten des Bundestages besser über die Sanierungsmittel des Bundes entscheiden. Vor allem bei den Brücken hat die Deutsche Bahn AG erheblichen Investitionsbedarf. Jede dritte der 25 000 Eisenbahnbrücken in Deutschland sei älter als 100 Jahre, heißt es. Der Bund hat seine Zuweisungen an die Bahn für Investitionen bereits von 2,5 auf 2,75 Milliarden Euro jährlich erhöht.

Ulrich Erdmann gründete seine Firma 1994 mit drei Mitarbeitern, heute beschäftigt er 35 Mitarbeiter, die einen Umsatz von über 3,5 Millionen Euro erwirtschaften. Seine Eisenbahn-Erfahrung freilich reicht weiter zurück: Schon zu DDR-Zeiten war er für die Reichsbahn der Experte für den elektronischen Messwagen, der den Zustand von Gleisen, die Krümmung von Kurven, Steigungen und Gefällen untersuchte. Seit 2013 halten die französische Staatsbahn SNCF und ein holländisches Unternehmen je 25 Prozent an der Görlitzer Firma. „Ulrich Erdmann und seinen IT-Fachleuten, Datenbankentwicklern und Programmierern, dem gesamten Team, das das Unternehmen mit seinen Ideen voran bringt, gebührt unser Respekt“, erklärt Unternehmerchef Heiko Kammler. Und der Görlitzer Wirtschaftsförderer Thomas Klatte findet: „Mit Ulrich Erdmann wird ein engagierter Unternehmer ausgezeichnet, der lokal verwurzelt ist und dabei trotzdem die Welt im Blick hat. Sein Beispiel zeigt eindrucksvoll, wie man mit innovativen Lösungen und einem starken Team von Görlitz aus nationale und vor allem auch internationale Märkte nachhaltig erobern kann.“ Klatte hofft auf eine große Vorbildwirkung, um „anderen Unternehmern am Standort Mut zu machen, ihren Weg weiterzugehen“.

Die Erdmann Softwaregesellschaft ist Teil der zuletzt aufstrebenden IT-Branche in Görlitz, in der derzeit rund 500 bis 600 Mitarbeiter Arbeit finden. Zu den größten in Görlitz zählen SQS oder auch Cideon.

Der Allgemeine Unternehmerverband verleiht seit vergangenem Jahr anlässlich des traditionsreichen Wirtschaftsgespräches der Sparkasse Oberlausitz-Niederschlesien in Niesky seinen Görlitzer Unternehmerpreis. Erste Preisträger waren Andreas Neu und sein Sohn für den Rückkauf und damit die Rettung der Firma Brandschutztechnik Görlitz GmbH.

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