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Der Plan der Hebammen

Gegen den Trend: Drei junge Sorbinnen gründen eine Praxisgemeinschaft in Schweinerden.

Christina Schmole, Hanka Paulik und Theresa Wocko (v.l.) haben zusammen die Praxisgemeinschaft „Kolebka“ in Schweinerden gegründet. Das heißt übersetzt so viel wie „Wiege“ oder „Ursprung“. Was könnte besser zu ihrer Branche passen? Der einjährige Viktor h
Christina Schmole, Hanka Paulik und Theresa Wocko (v.l.) haben zusammen die Praxisgemeinschaft „Kolebka“ in Schweinerden gegründet. Das heißt übersetzt so viel wie „Wiege“ oder „Ursprung“. Was könnte besser zu ihrer Branche passen? Der einjährige Viktor h © Matthias Schumann

Schweinerden. Hier wohnt das Lächeln. Und noch so viel mehr. Die drei Frauen tragen es nicht nur in ihren Gesichtern, es kommt direkt im Herzen an. Wer künftig in das frisch sanierte Fachwerkhaus in Schweinerden eintritt, wird dies ganz genau spüren. Drei Hebammen – jung, engagiert, fachkundig und voller Lust auf Neues – wollen es nämlich wissen. Und gründen dieser Tage ihre erste Praxisgemeinschaft. Noch fehlt es an ein paar Möbeln, ist die Teeküche nicht angeschlossen und der Treppenlauf nicht montiert. Doch das Hellgrün an den Wänden, die kleinen Accessoires und das Funkeln in den Augen der Drei bezaubern schon. Und der erste Kursbeginn ist für den 4. November anvisiert.

Sie haben einen Plan. Und was für einen! Mit ihren 26 und 29 Jahren sind sie bereits gestandene Hebammen. Jede hat auf ihre Weise neben dem Grundwissen ein besonderes Fachgebiet im Auge. Die eine versteht sich auf Akupunktur, die andere auf homöopathische Anwendungen. Alle Drei sind fest in Kliniken in Dresden und Hoyerswerda angestellt, aber auch schon freiberuflich seit ein paar Jahren unterwegs. Unzähligen Kindern halfen sie auf die Welt. Unzählige Frauen betreuten sie in der Vor- und Nachsorge. Hebammen sind leider Mangelware – gerade auf dem flachen Land, auf dem sie alle selbst wohnen. Man weiß darum. Auch um die Probleme, hier eine Hebamme zu finden. „Wir kennen Fälle, wo Schwangere richtig verzweifelt sind, weil sie eine Absage nach der anderen bekommen“, sagt Hanka Paulik. Und es tut selbst weh, jemanden absagen oder vertrösten zu müssen. Doch so sieht die Realität aus. Viel Nachwuchs gibt es aktuell in der Branche nicht. Wohl auch, weil Negativbilder durch Medien und Öffentlichkeit geistern: Hohe Arbeitsbelastung, steigende Haftpflicht und ein Stundenlohn, der zum Leben nicht reicht. Dazu kommt die Forderung der Politik, wer Hebamme werden will, soll künftig studieren müssen.

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Alle drei kennen sich schon lange

Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb agieren die Drei entgegen jedem Trend. Sie möchten zusammen wachsen, sich etwas aufbauen, was Vorbild für andere sein könnte. Leid und Freud, Arbeit und Entlastung, Risiko und Erfolg gehen durch drei. Christina Schmole (26) lebt auf dem Anwesen in Schweinerden, auf dem die neue Praxis Anfang November öffnet. Theresa Wocko (26) kommt aus Höflein. Und Hanka Paulik (29) lebt derzeit noch in Dresden, wo sie arbeitet. Alle Drei sind Sorbinnen, sprechen die Sprache, kennen sich seit geraumer Zeit durch ihren Beruf. Oder bereits von früher aus der Schule. Das selbstständige Arbeiten in der Freiberuflichkeit ist für sie nichts Exotisches. Man ist damit vertraut. Hat es aber immer mehr schätzen gelernt. „Vor allem, nachdem Christina und Theresa selbst Mama geworden sind. Die dreimonatige Ida schlummert an diesem Vormittag in den Armen der Mutter. Viktor, der kleine Herzensbrecher, wird bald ein Jahr und wirbelt durch den künftigen Kursraum. „Schichten im Krankenhaus sind natürlich nicht so prickelnd, wenn man Familie hat“, sagt Christina Schmole. Noch ist sie in der Elternzeit, doch schon bald tritt sie wieder erste Dienste im St. Joseph-Stift Dresden an. Natürlich ist eine ortsnahe Praxis da goldwert. Theresa geht es mit Ida ebenso.

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Ideen für ihre „Kolebka“ gibt es schon länger. „Übersetzt heißt das aus dem Sorbischen übrigens ‚Wiege’ und wir finden, das passt einfach zu uns“, sagt Theresa Wocko. Immer wieder haben die Frauen darüber gesprochen. Über ihren Traum von etwas Eigenem. Für sie ist der Beruf Berufung. „Und dann haben wir einfach mal Klartext geredet und Nägel mit Köpfen gemacht“, lacht Hanka Paulik. Im Radius von 25 Kilometern können sie künftig junge Mütter betreuen. Hausbesuche werden gemacht, aber auch Kurse für Geburtsvorbereitung und Rückbildung angeboten. „Unsere Praxis soll Anlaufpunkt für alles sein. Hier kann man ebenso zum Erstgespräch kommen, wie wenn es Probleme gibt“, so Christina Schmole. Die Hoffnung, dass das gemeinsame Projekt irgendwann so gut läuft, damit man nur davon leben kann, ist groß. „Wir bekommen schon jetzt viel positiven Zuspruch von Kolleginnen und Eltern“, freuen sie sich. Der erste Schritt ist getan!

Praxis „Kolebka“

Zu finden ist die Praxisgemeinschaft in Panschwitz-Kuckau OT Schweinerden, Ringstraße 32 A

Diese drei Frauen gründen sie gemeinsam: Christina Schmole (26), Theresa Wocko (26) und Hanka Paulik (29)

Der erste Kurs startet am 4. November 2019 und wird ein Geburtsvorbereitungskurs sein, der an fünf Abenden (18-20 Uhr) läuft. Noch gibt es freie Plätze dafür.

Kontakt: Hanka Paulik, Telefon: 0176 24445276

E-mail: [email protected]

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