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Der Plan gegen den Schlamm

Revierförster Roland Ennersch hat Vorschläge, um das Triebischtal besser zu schützen.

© hübschmann

Von Harald Daßler

Die Wurzel liegt oben. Roland Ennersch benutzt gern überraschende Bilder wie dieses, um die Probleme im Meißner Stadtwald zu erklären. Hier trafen wir uns gestern mit dem für Meißen zuständigen Revierförster vom Sachsenforst, um von ihm als Fachmann zu erfahren, ob und wie die Stadt sich gegen ein Unglück wie vor zehn Tagen wappnen kann.

Klinik Bavaria Kreischa
PERSPEKTIVEN SCHAFFEN – TEAMGEIST (ER-)LEBEN
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Nicht erst, seit in der vorigen Woche Tausende Kubikmeter Schlamm durch den Stadtwald ins Triebischtal schossen und dort Schäden in Millionenhöhe anrichteten, ist Roland Ennersch hier ständig unterwegs. Oberhalb des Stadtwaldes liegt die Wurzel des Problems, erklärt er. Und er will es nicht als Schuldzuweisung verstanden wissen, wenn er fordert, dass die landwirtschaftlich genutzten Flächen oberhalb des Stadtwaldes mehr zum Schutz des Tals leisten müssen. „Die Rinnen da oben zeigen sehr genau, wo und wie der Lößboden durch den Regen weggerissen wurde“, sagt Roland Ennersch. Diese Stellen auszubaggern, würde Wasserreservoirs schaffen. Die müssten nicht mal betoniert werden und wären eine gute Ergänzung zum geplanten Schlammauffangbecken im Tal, das neben dem Spielplatz entstehen soll.

Die Mengen an Regenwasser und der von den Feldern geschwemmte Löß, die sich darin sammeln, könnten nicht über die Feldkante ins Tal stürzen, erklärt er. Die oben aufgefangenen Lößmengen ließen sich durch regelmäßiges Ausbaggern rasch wieder auf die Felder bringen, ist der Revierförster überzeugt. Aus seiner Sicht wäre das Anlegen solcher 2 000 bis 5 000 Quadratmeter umfassenden Auffangbecken eine wirkungsvolle Sofortmaßnahme zum Schutz des Triebischtals. Als Eigentümer der landwirtschaftlich genutzten Flächen verfügt die Stadt über die Macht, gegenüber den Pächtern darauf Einfluss zu nehmen, auf welche Art und Weise die Äcker bestellt werden.

Mehr Geduld beanspruchen weitere Maßnahmen, damit die Flächen oberhalb des Stadtwaldes beständiger gegen Wetterunbilden werden. Das Anlegen von Wegen und Gräben nennt der Revierförster ebenso wie die Auswahl der auf diesen Flächen angebauten Pflanzen, die sich auch daran orientieren sollte, was am besten zum Schutz der Hänge vor Erosion beiträgt.

Zehn Tage nach dem Unwetter zeigt sich im Stadtwald, welche Kraft die Wasser- und Schlammmassen hier entfalten konnten. Roland Ennersch zeigt auf metertiefe Schluchten, umgestürzte Bäume und zum Teil weggerissene Wege entlang des Kirchsteigbaches, der nun wieder ein Rinnsal ist. „Licht ins Tal bringen“ ist ein weiteres Bild, das er hier bemüht. Soll heißen: Kranke Bäume, die keinen Halt mehr haben, müssen raus. Er zeigt das an mehreren Stellen am Hang, wo er in den vergangenen Jahren einzelne Fällungen bereits veranlasst hatte. Die Baumstümpfe der erkrankten Hainbuchen sind kaum noch zu erkennen im entstehenden Niederwald. Auf dem mineralischen Untergrund hier gedeihen Eichen, Buchen und Ahorne prächtig, ganz ohne menschliches Zutun. Die gesunden Bäumchen können in den nächsten zehn, zwanzig Jahren die Hänge festigen und helfen, Wasser und Schlamm abzubremsen, erklärt Roland Ennersch. Diese in der Fachsprache Waldverjüngung genannten Maßnahmen müssen noch konsequenter durchgeführt werden. Als Revierförster könne er dies aber nur vorschlagen, sagt Roland Ennersch. In welchem Umfang dies dann umgesetzt wird, entscheidet die Stadt. Neben den finanziellen Möglichkeiten fallen da auch die Voraussetzungen im Stadtwald ins Gewicht. Dazu gehört auch der Zustand der Forstwege, die eine Zufahrt für die Technik erlauben sollten.

Entlang des Bachlaufes sieht der Revierförster weitere Möglichkeiten, um auf die Fließgeschwindigkeit des Wassers einzuwirken. Er rät zu behutsamem Vorgehen: Bäume, deren Wurzeln unterspült sind, müssen fallen. Andere, die vereinzelt quer über dem Bach liegen, sollten da bleiben, weil sie hier als natürliche Barriere dienen. Teilweise abgerutschte Wanderwege sollten mit grobem Gestein aufgefüllt werden.

Welche Kraft die Wasser- und Schlammmassen entwickelten, zeigen die Verwüstungen an zwei Rohrdurchlässen des Kirchsteigbaches. Sie sollten aufgegeben und durch drei bis vier Meter breite Furten ersetzt werden, schlägt Roland Ennersch vor. Der Bach bekäme Raum und Forstfahrzeuge könnten ihn an diesen Stellen besser queren.

Natürlich könnten diese Sofortmaßnahmen nicht alle Schäden verhindern, käme es wieder so, wie in der vorigen Woche. Aber in den vergangenen Jahren hätten auch längere Regenfälle allerhand Rutschungen im Stadtwald verursacht. Deshalb braucht er mehr Aufmerksamkeit, ist Roland Ennersch überzeugt. Das hatte er den Stadträten vom Bauausschuss bereits gesagt, als sie vor einigen Wochen gemeinsam im Stadtwald umsahen.