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Der Poetenflüsterer

Thomas Jurisch holt seit Jahren Lyriker und Musiker ins Lingnerschloss. Sein Poetengeflüster hat sich als Kleinkunstbühne etabliert.

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Von Iris Hellmann

Er wollte eigentlich nur beweisen, dass es funktionieren kann: eine Kleinkunstreihe in Dresden mit offener Bühne für Schriftsteller, Musiker und etwa 100 Zuschauern. Doch schon nach drei Veranstaltungen war der Saal im Lingnerschloss jeden Monat rappelvoll. Und nun lädt Initiator Thomas „Juri“ Jurisch heute Abend mittlerweile zur 50. Auflage des Poetengeflüsters ein.

Sein Geheimrezept? Er holt fast ausschließlich Künstler auf die Bühne, die er selbst gesehen oder gehört hat. Und das waren in den fast fünf Jahren so um die 170. Einige kamen mehrmals, einige regelmäßig, einige nie wieder. Zehn Acts treten pro Veranstaltung auf, jeder hat sieben Minuten Zeit, das Publikum zu begeistern. Stimmt der Applaus, darf der Künstler noch ein Lied singen oder seinen Text zu Ende lesen. „Wir hatten in der ganzen Zeit maximal zwei Leute, die das nicht geschafft haben“, sagt Juri.

Er selbst schreibt Texte, seit er acht Jahre alt ist. Er reist durchs ganze Land, nimmt an Poetry-Slams teil, Wettbewerben für Schriftsteller, bei denen sie ihre Werke live vorlesen müssen und das Publikum entscheidet, wer in die nächste Runde kommt. Und liebt es, selbst auf der Bühne zu stehen. Nicht nur als Moderator. „Das reicht mir nicht.“ Deswegen will er im kommenden Jahr mit seiner eigenen Show „Eskalation ist eine Lösung“ auf Tour gehen. Und drei Kinderbücher veröffentlichen.

Und das Poetengeflüster? Wird es wahrscheinlich nur noch bis zum Sommer nächsten Jahres geben. Dann wird der Saal im Lingnerschloss saniert. Das heißt, es ist die definitiv letzte Weihnachtsshow heute Abend, mit jeder Menge „Halli Galli“, sagt Juri. Dabei sind unter anderem das Akkordeon-Duo Kraktschowski und Marco Pfennig aus Dresden. Restkarten sind noch erhältlich an der Abendkasse oder unter [email protected] Die Show beginnt 19.30 Uhr.