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Der Präsident singt mit

Der Radebeuler Männerchor Liederkranz 1844 bereitet seinen 170. Geburtstag vor. Vorher gibt es auch schon Höhepunkte.

© Arvid Müller

Von Ines Scholze-Luft

Sie sind etwas nervös, die Herren in ihren schicken grauen Jacken mit dem blauen Schlips. Denn diese Chorprobe soll nicht wie alle anderen werden. Ein Gast hat sich angesagt.

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Einer, der eigentlich zur offiziellen Geburtstagsveranstaltung des Männerchors Liederkranz 1844 kommen sollte. Und dafür auch die Schirmherrschaft übernommen hat. Der aber leider am 6. September nicht dabei sein kann. Denn selbst ein Landtagspräsident schafft es nicht, an zwei Orten gleichzeitig zu sein. Weil der 6. September schon belegt ist, vom Tag der Sachsen in Großenhain. Wo Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU) nicht fehlen darf.

Der Chor wiederum unterliegt mit seinen Terminen ebenfalls gewissen Zwängen. So findet sich nur am ersten Septembersonntag ein passender Konzertort. Deshalb lassen sich die singenden Männer für den Wahlkreisabgeordneten Rößler etwas einfallen. Eine Stippvisite zu einer Probe in der evangelischen Grundschule. Genau an jenem Tag, an dem 170 Jahre zuvor der Männergesangverein Liederkranz Kötzschenbroda gegründet worden war. Vom Kantor der Kirche Kötzschenbroda, Traugott Friedrich Keller.

Die Einladung wird angenommen. Pünktlich zum Probenbeginn taucht der Präsident auf. Just an dem Abend, an dem er selbst ein Jubiläum hat. Seinen 35. Hochzeitstag. Die Zeit für den Chor habe er sich trotzdem gern genommen, sagt Rößler vor einem der ältesten Männerchöre Sachsens. Mit 25 Mitgliedern sind sie fast noch mit der gleichen Anzahl Sänger wie zur Geburtsstunde dabei, sagt Vereinsvorsitzender Jürgen Tobianke.

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum.“ Der Besuch beginnt mit einem Satz des Philosophen Friedrich Nietzsche, geboren im selben Jahr wie der Chor. Gegen den Irrtum singen die Radebeuler an. Mit Erfolg. Klassische Männerchöre sind selten geworden, weiß Rößler. Doch ohne Lieder wären weniger Schönheit und weniger Werthaltigkeit in der Welt. Auch das ein Grund für die Verbundenheit mit dem ostsächsischen Chorverband. Seine Hochachtung vor den Leistungen der Chöre teile er mit seinem Vorgänger Erich Iltgen. Den Männerchören in seinem Wahlkreis fühlt sich der Landtagspräsident besonders verbunden, auch wegen ihrer künstlerischen Professionalität und ihres bürgerschaftlichen Engagements. Da muss natürlich die Probe aufs Exempel sein. Wie geht das besser als mit einem gemeinsamen Lied. Matthias Rößler hält auf einmal einen Text in den Händen. „Wie ein stolzer Adler“ – geht doch. Dabei singt er eigentlich selten, war in keinem Schulchor. Aber wenn er den Text kennt, stimmt er schon mal ein. „Die Gedanken sind frei“, ein Beispiel. Oder in der Kirche, da wird mitgesungen.

In der Friedenskirche – genauer im Luthersaal – wird auch das Jubiläumskonzert des Männerchors stattfinden. Eben am 6. September, 16 Uhr. Darauf freuen sich die Sänger. Wie auf all die Auftritte, die sie oft mit den zwei anderen großen Radebeuler Chören zusammenführen. Wenn sie in ihrem Liederkranz nur etwas mehr junge Unterstützung hätten. Immerhin beträgt das Durchschnittsalter 70 Jahre. Deshalb wechseln sie jetzt auch ihren Probenraum. Sind ab 7. Juli jeden Montagabend im Sonnenhof zu finden. Der Raum ist ebenerdig, altersgerecht. Damit alle noch lange gemeinsam die Freude am Singen pflegen können.