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Der Radweg ist immer noch gesperrt

Die Gemeinde ging als Siegerin aus dem Streit mit dem Schloss- Besitzer hervor. Doch Fußgänger und Radfahrer müssen abwarten.

Seit 2010 ist der bis dahin öffentliche Rad- und Wanderweg am Schloss Cunnersdorf abgeschnitten. Der Weg ging quer über das Privatgrundstück. Ein Gericht hat aber entschieden, dass der Weg als öffentlich zu betrachten ist.
Seit 2010 ist der bis dahin öffentliche Rad- und Wanderweg am Schloss Cunnersdorf abgeschnitten. Der Weg ging quer über das Privatgrundstück. Ein Gericht hat aber entschieden, dass der Weg als öffentlich zu betrachten ist. ©  Klaus-Dieter Brühl

Cunnersdorf. Ganze neun Jahre dauert er nun schon, der Streit um den Radweg am Cunnersdorfer Schloss. Obwohl ein Gericht festgestellt hat, dass es sich hier um einen öffentlichen Weg handelt, tut sich nichts. Spaziergänger wie Radfahrer auf der Röderradroute müssen den „Umweg“ über einen Feldweg an der Kreisstraße nehmen. Das verstehen sie nicht.

„Die Rechtslage ist eindeutig, wir haben gewonnen“, sagt Bürgermeister Falk Hentschel (CDU) auf SZ-Nachfrage. Eine Revision ist nicht zugelassen, doch auch dagegen sei Schlossbesitzer Thomas Schulz in Widerspruch gegangen. Darauf habe das Gericht noch nicht abschließend geantwortet. Warten sei also angesagt. Die öffentliche Widmung des Weges über das Schlossgrundstück ist allerdings anerkannt. Dass die Gemeinde vor 25 Jahren dies bei der Reprivatisierung vergaß, wurde geheilt.

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„Das war ein Rieseneinschnitt“

So ist es laut Hentschel nur eine Frage der Zeit, bis der Rad- und Wanderweg zwischen Freitelsdorf und Cunnersdorf wieder direkt am Schloss vorbeiführt. Schlossbesitzer Thomas Schulz hatte die Trasse über sein Grundstück ja deshalb abgesperrt, weil Verunreinigungen ihn störten, Bauarbeiten im Gange waren und er sein etwa ein Hektar großes Grundstück nicht von jedem betreten wissen will.

Die Gemeinde hatte sich noch unter Bürgermeisterin Fehrmann nach Alternativen umgeschaut. Dann stellte sich heraus, dass 1993 alle öffentlichen Wege gewidmet worden sind. Das wäre eine sogenannte Widmungsfixion des reichlich einen Kilometer langen Radweges entlang der Großen Röder geworden. 

Der Weg muss allerdings nachträglich ins Straßenbestandsverzeichnis der Gemeinde eingetragen werden. Die Gemeinde konnte belegen, dass der Weg immer öffentlich war, egal, welchem Besitzer das Schlossgrundstück gehörte. So wurden Zeitungsbeiträge aufgeführt und Rechnungen, die die kommunale Asphaltierung der Trasse beweisen.

Schon vor Jahren wurde Schlossbesitzer Thomas Schulz verpflichtet, die öffentliche Nutzung wieder herzustellen. Das will er aber bis heute nicht tun. Schulz hat der Eintragung ins Straßenverzeichnis immer widersprochen. Doch die Absperrung war für die Cunnersdorfer ein „Rieseneinschnitt“, wie Bürgermeister Falk Hentschel, selbst Cunnersdorfer, betont.

Nun wird aber die Gemeinde vollendete Tatsachen schaffen müssen. Wenn die endgültige Rechtssprechung vorliegt und der Handlungsdruck der Öffentlichkeit entsprechend groß ist. Doch die Zwangsvornahme, also die Öffnung der Sperren, sei nur die eine Seite, gibt Hentschel zu bedenken.

 Die Gemeinde muss dann auch die Verkehrssicherungspflicht für den Weg übernehmen. Mittlerweile seien zum Beispiel Wurzeln gewachsen. Nebeneinander, wie auf dem jetzigen Radweg, sei der alte von zwei Rädern auch nicht zu befahren. Für Spaziergänger ist laut Falk Hentschel der Rödernahe Weg allerdings praktischer.

Doch ein Vergleich mit dem Schlossbesitzer ist nicht mehr auf der Tagesordnung. Dazu gibt es viel zu viele gegenseitige Vorbehalte. Thomas Schulz hatte nach der Gerichtsentscheidung Anwohner sogar der Falschaussage bezichtigt. Das haben sie ihm nicht vergessen.

Kein Vergleich mehr möglich

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