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Der Ranzen ist viel zu schwer

Ein Test der Kaufmännischen Krankenkasse zeigt, dass Grundschüler zu viel tragen. Das kann schwerwiegende Folgen haben.

© dpa

Von Antje Steglich

Riesa. Jeden Abend packt Finn seinen großen blauen Ranzen. Zwei Federmappen, Zirkelkasten, Hausaufgabenheft, Brotbüchse und Trinkflasche gehören zur Grundausstattung des Viertklässlers. Je nach Stundenplan kommen dann noch bis zu drei Lehrbücher, drei Arbeitshefte, zwei Übungshefte und bis zu fünf Hefter dazu. Das macht summa summarum 5,9 Kilogramm, ermittelte jetzt die Kaufmännische Krankenkasse (KKH) und erklärt: Das ist viel zu viel für den neunjährigen Jungen.

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Das Unternehmen bietet vor allem in Grundschulen seit Jahren den sogenannten Schulranzen-Check an, um Schüler in den Klassen eins bis fünf für Rückenprävention zu sensibilisieren, erklärte KKH-Sprecher Simon Kopelke. Deutschlandweit nahmen bereits Hunderte Schulen daran teil, in Riesa wurden jetzt die Ranzen in der 2. Grundschule Am Storchenbrunnen getestet. Durchschnittlich wog jeder Ranzen 4,6 Kilogramm, sagte Pressesprecher Simon Kopelke, und damit 900 Gramm mehr als das durchschnittliche Soll-Gewicht von 3,7 Kilogramm. Insgesamt waren sogar 70 Prozent der Ranzen zu schwer, so das Fazit.

Grundsätzlich sollte der Ranzen nicht mehr als zwölf Prozent des Körpergewichts des Schülers wiegen, heißt es von der Krankenkasse. Finns Ranzen dürfte demnach beispielsweise nicht mehr als 3,9 Kilogramm wiegen. Die zwei Kilo mehr stellen laut KKH sogar bereits ein echtes Gesundheitsrisiko für den Neunjährigen dar, denn ein dauerhaft falsch sitzender oder zu schwerer Ranzen könne zu Rücken- und Gelenkschäden führen. „Rückenschmerzen sind mittlerweile Volkskrankheit Nummer eins in Deutschland“, sagt Simon Kopelke. Auch immer mehr Kinder leiden darunter, wie eine KKH-Auswertung ergab: Demnach mussten bereits zehn Prozent aller Mädchen und Jungen zwischen sechs und 18 Jahren wegen Rückenschmerzen zum Arzt. Deshalb sollten die Eltern den Schulranzen-Check vor allem auch als Warnsignal verstehen und nach Lösungen suchen, den Ranzen zu optimieren. Wichtig seien eine ergonomisch geformte, gut gepolsterte Rückenpartie und verstellbare Trageriemen. Grundsätzlich sollte beim Kauf auch auf das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit sowie den Herstellerhinweis „entspricht der DIN 58124“ geachtet werden, so Simon Kopelke. Diese erfüllen die Anforderungen an Verkehrssicherheit, Gebrauchstauglichkeit und körperliche Gestaltung. Zudem gilt es, den Ranzen sinnvoll zu packen. Schwere Bücher gehören nach hinten, dicht an die Rückenseite. Leichte Gebrauchsmaterialien wie Federmäppchen und Hefte können in vordere Fächer gesteckt werden. Der Inhalt sollte regelmäßig überprüft werden. „Manchmal schleppen Kinder überflüssige Gegenstände wie Spielsachen täglich mit sich rum“, weiß der KKH-Sprecher. Genauso sollte man sowohl mit den Kindern als auch mit den Lehrern absprechen, ob vor allem die schweren Bücher nicht in der Schule gelassen werden könnten. Das wollen übrigens nun auch Finns Eltern prüfen.