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„Der Rhythmus ist einfach klasse“

Wir singen in Ruhe und nicht aufgeregt. Außerdem hochdeutsch und nicht sächsisch. Da muss es ‚dich‘ und nicht ‚disch‘ heißen. Also, wir wiederholen …“ Kantorin Sylvia Pfeiffer (33) gibt wieder die Melodie am Klavier vor, ehe erneut der Chor einsetzt.

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Von Erika Schiedt

Wir singen in Ruhe und nicht aufgeregt. Außerdem hochdeutsch und nicht sächsisch. Da muss es ‚dich‘ und nicht ‚disch‘ heißen. Also, wir wiederholen …“ Kantorin Sylvia Pfeiffer (33) gibt wieder die Melodie am Klavier vor, ehe erneut der Chor einsetzt. Die Proben sind mühsam, aber Kunst ist nicht zum Nulltarif zu haben, weiß die zierliche Frau mit dem dunklem Kurzhaar. Auf sie wird noch eine Menge Arbeit warten, bevor die Gospelmesse, die sie einstudiert, wie geplant am 16. November aufführungsreif ist.

Erst vor kurzem haben die Chorproben im Lohmener Gemeindehaus begonnen. Zweimal wöchentlich trifft sich die Kantorin mit Sängern und Musikern. Unter ihrer Leitung soll in nur zwölf Wochen die Messe „stehen“.

Christoph Markert hat

die Fäden in der Hand

„Das ist eine große Herausforderung“, weiß Christoph Markert (38), der den Anstoß für das Projekt gab. Der leidenschaftliche Hobby-Musiker spielt selbst ein halbes Dutzend Instrumente. Aus dem Internet „fischte“ er den Hinweis auf die Gospelmesse „ER“ des baden-württembergischen Komponisten Simon Zenzik. „Ich war sofort Feuer und Flamme und habe erst meine musizierfreudige Familie und natürlich die Kantorin dafür begeistert“, gesteht der studierte Apotheker.

Das Mitglied des Lohmener Kirchgemeinderates kümmert sich seitdem um die Organisation der Aufführung. Er besorgte zunächst die Noten für das Stück, das die klassischen Teile einer Messe enthält. „Mich reizte besonders das Miteinander von Melodien, Rhythmen und Emotionen an dem Stück“. Es ist für Chor, Solosopran, Saxophon, Piano, Bassgitarre und Schlagzeug komponiert. Gemeinsam mit der Kantorin und Kirchenvorstandsmitgliedern ging er dann in der Gemeinde auf Interpretensuche und wurde fündig - auch wenn bislang noch Sänger fehlen. Die Mitwirkenden kommen aus Lohmen, Stadt und Dorf Wehlen, Rathewalde und Stürza und haben das gleiche Hobby: Freude am gemeinsamen Musizieren.

„Mich hat der Gospelgesang gereizt. Und da ich schon als Schulkind im Chor gesungen habe, musste ich einfach mitmachen“, sagt die Oberlohmenerin Gerlinde Pflicke (62).

Gymnasiastin Antonia Beyrich aus Rathewalde hat von der Gospelmesse aus dem Kirchenblatt erfahren. „Ich komme aus einem musischen christlichen Elternhaus und finde den Rhythmus einfach klasse. Außerdem singe ich gern im Chor, das ist ein tolles Gemeinschaftserlebnis.“ Der 11-jährige Tilman Michael besucht schon einige Jahre die Musikschule. Er war mit der Geige bereits bei Wettbewerben erfolgreich. „Ich habe aber auch schon im Dresdner Knabenchor gesungen. Und weil mir das Spaß macht, will ich auch hier dabei sein“, sagt einer der jüngsten Mitwirkenden.

Frank Kirsten, der das BSZ Pirna besucht und sich aufs Abitur vorbereitet, ist derzeit der einzige Bass in der Runde. „Ich hoffe, dass ich in meiner Stimmlage bald noch Verstärkung bekomme“, sagt der junge Mann. Darauf wartet auch die Kantorin. Es hat sie geärgert, dass sich nach ihrem Besuch an der Lohmener Mittelschule kein einziger Schüler gemeldet hat. „Ich wusste von vornherein, dass es nicht leicht wird, aber zumindest eine Reaktion hätte ich erwartet“, kritisiert sie die Trägheit der Angesprochenen. Und wird gleich konkret: „Wir brauchen noch sichere Sänger. Mangelware sind vor allem Bässe und Tenöre.“

Die studierte Klavierpädagogin, die während ihres Aufbaustudiums Kirchenmusik und das Dirigierfach belegte, bittet deshalb die Anwesenden um Unterstützung. „Seht euch im Freudeskreis um und bringt das nächste Mal noch ein paar gute Sänger mit“, gibt sie dem Chor mit auf den Weg. „Und denkt daran, wir singen nicht einstimmig, sondern vierstimmig, da muss man schon die Ohren aufmachen.“