SZ +
Merken

Der „Richtfunk-Papst“ wird 90

Ein Lebenslauf, in dem sich Weltgeschichte spiegelt. Am Sonntag feiert Professor Werner Mansfeld aus Radeberg seinen 90. Geburtstag. Freunde und Kollegen nennen ihn ehrfurchtsvoll den „Richtfunk-Papst“....

Teilen
Folgen

Von Jens Fritzsche

Ein Lebenslauf, in dem sich Weltgeschichte spiegelt. Am Sonntag feiert Professor Werner Mansfeld aus Radeberg seinen 90. Geburtstag. Freunde und Kollegen nennen ihn ehrfurchtsvoll den „Richtfunk-Papst“. Denn Werner Mansfeld hat in Radeberg viel für die Entwicklung der Nachrichtentechnik im Kombinat Robotron getan. Und an Hand seiner Lebensstationen lässt sich dabei tatsächlich ein großes Stück an Weltgeschichte, an politischen Wendepunkten erkennen. Und trotzdem ist der Mann stets seinen Weg gerade gegangen. Stets war er Wissenschaftler, nicht Politiker. Auch, wenn die politischen Systeme bei seinen Lebensstationen eine wichtige Rolle spielten.

Begonnen hatte alles mit einer Frage seines damaligen Professors Heinrich Barkhausen an der Technischen Hochschule in Dresden, wo Werner Mansfeld am Institut für Schwachstromtechnik studierte. Barkhausen fragte den jungen Studenten, ob er nicht Lust hätte, an einem Lehrgang der Wehrmacht teilzunehmen. Dort wurden neuartige Funkempfangsgeräte erprobt. Werner Mansfeld hatte Lust und fuhr zum Truppenübungsplatz Zeithain bei Riesa. Später wird er über diesen Schritt sagen: „Barkhausen gab meinem beruflichen Lebensweg die Richtung.“

Dann kam der Zweite Weltkrieg. Mansfeld wurde Soldat. Kurz vor Ende des Krieges erkrankte er so schwer, dass er aus der Wehrmacht entlassen wurde und zurück an die Hochschule nach Dresden versetzt wurde. Doch dort fielen im Februar 1945 die verheerenden anglo-amerikanischen Bomben, Mansfeld stand vor dem beruflichen Nichts. Es verschlug ihn nach Köthen, wo wenig später erst die Amerikaner und dann die Russen einrückten. Denen blieb natürlich die Begabung und das Wissen des jungen Mannes nicht verborgen, und so wurde er vor die Wahl gestellt, entweder sein Wissen für die Sowjetarmee einzusetzen oder nach Sibirien verschleppt zu werden. Keine Frage, wofür sich Werner Mansfeld entschied. „Ich habe dann Luftfahrt-Funkgeräte für die Navigation wieder aufgebaut, für die es keine Unterlagen mehr gab“, erinnert er sich an diese Zeit. Eine gefährliche Zeit. Und so half wieder Professor Barkhausen in Dresden. „Meine Frau hatte ihm davon erzählt, dass ich in Köthen unter schwierigen Bedingungen arbeiten muss – und so hat er seine Beziehungen eingesetzt, um mich zurück nach Dresden zu holen“, erzählt Mansfeld. Es gelang. Werner Mansfeld übernahm von Barkhausen ein militärisches Raumfahrtprojekt. Fernmess-Anlagen für Raketen wurden dabei entwickelt. Standort des Ganzen: Radeberg. „Und da bin ich hier eben hängen geblieben“, sagt er heute lachend. Doch leicht war das damals nicht, denn nicht alle Radeberger waren begeistert von der Arbeit der Gruppe. „Russenknechte haben sie uns genannt, wir bekamen bessere Verpflegung, das haben sie uns geneidet“, erinnert er sich.

Mansfeld wurde immer wichtiger für das Kombinat Robotron. Freunde loben ihn noch heute für seine immer wieder überraschenden Ideen. Doch Werner Mansfeld prägt nicht nur die Praxis, sondern auch die Theorie. Er wird selbst Professor, lehrt an der nun zur Universität gewordenen Hochschule in Dresden. Dort kam dann aber 1970 das Aus. Aus politischen Gründen. In seiner Stasi-Akte wird deutlich, auf welch schmalem Grat Mansfeld damals schritt. „Ich stand zwei Mal vor der Zuführung“, weiß er heute. Schuld war zum einen der Wunsch seiner Tochter, einen Mann aus der BRD heiraten zu wollen, aber wohl vor allem die Engstirnigkeit einiger Funktionäre, die glaubten, Mansfeld hätte versucht, mit seinen weitblickenden technischen Ideen Robotron absichtlich in finanzielle Schwierigkeiten zu bringen. „Völliger Blödsinn!“

Es kam die Wende 1989. Werner Mansfeld wurde rehabilitiert, hält nun auch wieder Vorlesungen an der TU. Und das trotz seines hohen Alters. „Ich fühle mich fit, ich kann mein Wissen an junge Menschen weiter geben, was gibt es Schöneres?“ sagt der Radeberger.

Am Sonntag wird er 90. Und die Schlange der Gratulanten wird lang sein. Sehr lang!