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„Der Riesenstiefel muss noch poliert werden“

Zum Fest wird er auf den Burglehn gefahren. Der DA sprach mit dem Hauptmann der Stiefelwacht Wolfgang Rosemann.

Am 21. Juni 1996 ist der Leisniger Riesenstiefel bei den Feierlichkeiten zum 950-jährigen Bestehen der Stadt Leisnig erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt worden. Seit 1997 steht er im Buch der Rekorde als weltgrößter Stiefel. Ein Meisterstück, auf das die Leisniger so stolz sind, das eigens ein Stiefelmuseum eingerichtet und zum Burg- und Altstadtfest 2006 eingeweiht wurde. Auch in diesem Jahr wird die Stiefelwacht, die es seit 1999 gibt, bei den Feierlichkeiten präsent sein. Der Döbelner Anzeiger stellt in seiner neuen Serie die Beteiligten und deren Beitrag zum Gelingen des Mittelalterfestes vor. Im Gespräch berichtet Wolfgang Rosemann, Hauptmann der Stiefelwacht, davon, wie der Stiefel herausgeputzt wird und weshalb er ein fester Bestandteil des Burg- und Altstadtfestes geworden ist.

Herr Rosemann, weshalb ist der Riesenstiefel vom Burg- und Altstadtfest nicht mehr wegzudenken?

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Weil er etwas Besonderes ist. Bei schönem Wetter schieben wir den Stiefel aus dem Museum. Er ist ein Blickfang. Außerdem ist

er ein handwerkliches Meisterstück. Da beim Burg- und Altstadtfest altes Handwerk präsentiert wird, darf das des Schuhmachers nicht fehlen.

Wie sind die Reaktionen auf den Riesenstiefel?

Neue Besucher, die ihn noch nie zuvor live gesehen haben, bleiben mit erstaunten Blicken stehen ob der handwerklichen Meisterleistung. Es ist schön, diese positiven Reaktionen zu beobachten.

Mit welchen Aktionen werden sich Stiefelwacht und -museum präsentieren?

Das Museum ist geöffnet und die Besucher können sich über die Entstehung des Stiefels informieren. Wir bieten Schuhe putzen an und für die Kinder Stiefelstanzen. Außerdem wird unser Wachturm aufgebaut. Dort präsentieren sich die sieben Wachmänner und die sieben Stiefelburschen in ihren Uniformen. Und natürlich zeigen wir unsere Standarte.

Das klingt, als müssten Sie und ihr Team sich nicht lang vorher auf das Burg- und Altstadtfest vorbereiten?

Dieser Eindruck täuscht. Kurz vorher wird der Stiefel von einem Schuhmachermeister noch einmal poliert. Es gibt den Stiefel seit 1996. Leder ist ein Naturprodukt, das muss gepflegt werden. Und auch als Stiefelwacht benötigen wir einige Tage Vorlauf. Wir haben unsere Utensilien für die Darbietungen in einem Gebäude an der Muldenwiese eingelagert. Die müssen wir auf den Burglehn transportieren und saubermachen.

Wie finanzieren Sie die Angebote?

Das Stiefelmuseum gehört der Stadt, der das Eintrittsgeld zugutekommt. Wir haben Einnahmen durch den Verkauf unserer Stiefelweisse – einem Sauerbier, das nur zum Burg- und Altstadtfest ausgeschenkt wird. Der Geschichts- und Heimatverein, in dem die Stiefelwacht Mitglied ist, übernimmt die Kosten für die Versicherung des Stiefels und den TÜV für die Lafette. Ansonsten geht viel auf eigene Rechnung. Wenn wir zum Beispiel 100 Stiefel stanzen, brauchen wir auch 100 Schnürsenkel, damit wir sie den Kindern um den Hals hängen können. Wir bekommen keine finanzielle Hilfe durch Fördergelder.

Das Interview führte Tina Soltysiak.